„Wir werden gehört, unsere Meinung hat Gewicht“, sagt Wasserburgs dritte Bürgermeisterin Beate Meßmer (CSU). „Aber wir fühlen uns unterrepräsentiert in Bezug auf die Themen.“
Sie ist eine von nur vier Frauen, die mit elf Männern im Wasserburger Gemeinderat sitzen. Das Gremium liegt im Regionen-Schnitt: In den Gemeinderäten zwischen Nonnenhorn und Hergensweiler ist etwa jeder vierte bis jeder dritte Sitz mit einer Frau besetzt.
Und, das glaubt sie auch: Wären mehr Frauen im Rat, dann ginge so manche Abstimmung anders aus. Als recht aktuelles Beispiel führt sie die Entscheidung über die Erhöhung der Kitagebühren an, die zunächst ziemlich drastisch ausfiel.
Sie glaubt: „Wenn Frauen aus der betroffenen Generation mit am Tisch gesessen hätten, dann wäre die Diskussion eine andere gewesen.“ Gibt es einen Mangel an Kitaplätzen oder werden Betreuungszeiten gekürzt, sind Frauen nach wie vor am stärksten davon betroffen.
Lockeres Treffen im Vorgarten
Mütter und Väter von Kitakindern taten ihren Unmut erst nach dem Beschluss des Finanzausschusses kund. Die dritte Bürgermeisterin fände es besser, wenn sie ihre Perspektive direkt in die politische Diskussion einbringen würden. Die Generation junger Eltern ist am Wasserburger Ratstisch bisher kaum vertreten.
Und dann war da noch die Veranstaltung der Wasserburger CSU vor ein paar Wochen. „Da waren ganz viele junge Männer“, sagt Meßmer. „Und ich habe mich gefragt: Wo sind die Frauen?“
Die lädt sie nun ein, in den Vorgarten ihres Architekturbüros, gemeinsam mit ihren drei Ratskolleginnen Birgitta Enderle-Kling (Freie Bürgerschaft), Elisabeth Eisenbach und Ursula Schelten (beide CSU).
Fraktions- oder Parteizugehörigkeit spielt an diesem Abend keine Rolle. „Wir möchten erzählen, dass die Arbeit im Gemeinderat unkompliziert ist und man das ohne große Vorkenntnisse machen kann“, sagt Meßmer.
Zeit für die Vorbereitung der Sitzung kann man sich frei einteilen
Ihr selbst mache die Arbeit als Gemeinderätin sehr viel Spaß. „Man lernt seinen Ort extrem gut kennen und beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Themen. Das ist ein Gewinn.“
Was Meßmer, die selbst Mutter ist und als Selbstständige ein Architekturbüro führt, ebenfalls vermitteln will: Die Arbeit als Gemeinderätin lässt sich gut mit der Familie vereinbaren. „Der Beginn der Sitzung um 19.30 Uhr ist familienfreundlich, weil dann in der Regel beide Eltern zu Hause sind und der Partner bei den Kindern bleiben kann“, sagt sie. Die Zeit für die Vorbereitung der Sitzung könne man sich frei einteilen.
Mit dem Slogan „Ich und Gemeinderätin in Wasserburg“ haben sich die Gemeinderätinnen an einer Initiative des Lindauer Landratsamts orientiert und sich auch mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Sandra Dalferth, abgesprochen.
Das Lindauer Landratsamt hatte von März bis Mai ebenfalls eine Initiative gestartet, um Frauen das politische Amt schmackhaft zu machen.
Ihr Ziel sei es, dass auf den Listen für die Kommunalwahl im März richtig viele Frauen stehen, damit die Wählerinnen und Wähler eine Auswahl haben. „Wir sind einfach 50 Prozent der Bevölkerung.“
Frauen, die sich vorstellen können, für den Wasserburger Gemeinderat zu kandidieren, können ganz unverbindlich am Donnerstag, 25. September, ab 18 Uhr in die Halbinselstraße 40 in Wasserburg kommen. Treffpunkt ist im Vorgarten, eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Beate Meßmer ist erreichbar unter der E-Mail-Adresse beate.messmer@t-online.de oder der Telefonnummer 0176/666 909 25, Birgitta Enderle-Kling unter der E-Mail-Adresse enderle.wasserburg@gmail.com oder der Telefonnummer 0178/1463 576.
Lindaus Oberbürgermeisterin hat bayernweite Initiative ins Leben gerufen
Was Beate Meßmer und ihre Kolleginnen in Wasserburg auf Gemeindeebene versuchen, dafür setzt sich auch Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons bayernweit ein. „Frauen dürfen seit über 100 Jahren wählen, stellen aber bis heute nur zehn Prozent der Bürgermeisterinnen und etwa 25 bis 30 Prozent der Gemeinde- oder Stadträte“, kritisiert sie.
Für die Demokratie sei es wichtig, dass immer wieder auch frische Köpfe für die Kommunalpolitik gewonnen würden, mit denen die Menschen sich identifizieren und auch wieder neues Vertrauen fassen können. „Und da sind Frauen die größte stille Reserve, die wir politisch haben.“
Vergangenes Jahr im Sommer war Alfons in Schaffhausen bei einer Konferenz für Bürgermeisterinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender und Doris Schmidauer stattfand. Dort wurde die Schweizer Initiative „Helvetia ruft“ vorgestellt, deren Ziel es ist, in Schweizer Justiz und Politik eine ausgewogene Geschlechterverteilung zu erreichen.
Gründung musste schnell gehen
„Wir anwesenden deutschen Bürgermeisterinnen gemeinsam mit Elke Büdenbender waren der Ansicht, dass wir das auch für Deutschland brauchen“, sagt Alfons. Weil in Bayern bereits im März 2026 die Kommunalwahl ansteht, musste es schnell gehen. Und so hat Lindaus OB Claudia Alfons gemeinsam mit ihrer Anzinger Bürgermeister-Kollegin Kathrin Alte „Bavaria ruft!“ gegründet.
Die beiden haben Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Frauenministerin Ulrike Scharf und Innenminister Joachim Herrmann mit der Bitte um Unterstützung angeschrieben. Und alle drei haben zugesagt.
Mittlerweile gehören einige politische Mandatsträgerinnen sowie Mitglieder von Frauenbund, Landfrauen oder Gleichstellungsbeauftragte zu den Unterstützerinnen.
Bürgermeisterinnen und Landräte öffnen ihre Häuser
Dafür will „Bavaria ruft!“ verschiedene Frauen-Angebote bündeln, die es bereits gibt, und Akteurinnen miteinander vernetzen. Ziel ist es, „ein dichtes Netz an Anlaufstellen und Informationen zur Kommunalpolitik für Frauen zu spannen und sichtbar zu machen“, so Alfons.
Bei einer sogenannten Roadshow öffnen Bürgermeister und Landrätinnen in ganz Bayern ihre Rathäuser und Landratsämter gezielt für Frauen und bieten Veranstaltungen an, bei denen sich Frauen niederschwellig über politisches Engagement informieren und Fragen dazu stellen können.
Bald macht „Bavaria ruft!“ auch Halt in Lindau: Staatsministerin Ulrike Scharf sowie Landtagsabgeordnete Katharina Schulze kommen am Mittwoch, 1. Oktober, ins Alte Rathaus. Gemeinsam mit Lindauer Stadt- und Kreisrätinnen laden sie alle interessierten Frauen ein, an diesem Abend miteinander ins Gespräch zu kommen und Politik hautnah zu erleben.
Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr. Bereits um 16.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, an einer Führung durch das Alte Rathaus teilzunehmen, die den historischen Blick auf politisch aktive Frauen in Lindau richtet.
Später diskutieren die Teilnehmerinnen gemeinsam einen realen Tagesordnungspunkt – ganz wie in einer üblichen Stadtratssitzung. Die Stadt bittet um Anmeldung bis Mittwoch, 24. September, über diesen Link.