Eine Stiftung macht’s möglich: Lindau bekommt ein Frauenhaus

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Lindau
Eine Frau hält eine Hand vors Gesicht, auf der "Stopp" steht.
Gewalt an Frauen.
Foto: Canva

Die Stiftung der Bodenseebank stellt das Gebäude zur Verfügung. Landrat Elmar Stegmann spricht von einem Meilenstein.

Wenn Frauen im Landkreis Lindau von ihren Partnern Gewalt erfahren, dann gibt es zwei Telefonnummern, die sie wählen können. Sie landen dann bei den Ehrenamtlichen des Vereins „Hilfe für Frauen in Not“. Seit 40 Jahren kümmern sich dessen Mitglieder um Frauen und Kinder, die körperliche oder psychische Gewalt erleben.

„Wir haben uns damals gegründet, weil es kein Frauenhaus gab“, sagt die Vorsitzende Anita Stierle. Jetzt ist der Verein seinem großen Ziel zum Greifen nah. Dank der VR-Stiftung für Bürger am bayerischen Bodensee.

Die Stiftung der Bodenseebank will in Lindau ein Frauenhaus errichten. „Wir haben Kapital zur Verfügung und möchten dieses Geld nachhaltig einsetzen“, sagt Landrat Elmar Stegmann (CSU), der auch der zweite Vorsitzende der Stiftung ist. Mit dem Frauenhaus wolle diese eine „nachhaltige Institution“ schaffen, die über Jahrzehnte Bestand hat. Stegmann ist sicher:

Das Frauenhaus ist ein Meilenstein.

Die Weichen dafür sind gestellt. Den Beschluss haben die Stiftungsmitglieder schon im vergangenen Jahr gefasst, das Grundstück ist bereits gekauft, heißt es in der Sitzungsvorlage des Kreisausschusses für Bildung, Soziales und Sport. Zurzeit werde schon an den Bauplänen gearbeitet.

Warum sich die Stiftung so einsetzt: 

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Rund um die Uhr erreichbar

Wo genau sich das Frauenhaus später befinden wird, wird zum Schutz der Frauen und Kinder nicht veröffentlicht. Später wird die Stiftung das Gebäude zu günstigen Konditionen an den Verein vermieten.

Anita Stierle und ihre Kolleginnen sind froh über die Unterstützung der Stiftung. „Wir hätten das finanziell überhaupt nicht stemmen können“, sagt sie.

Die Ehrenamtlichen stemmen ohnehin schon viel. Sie betreuen die beiden Hilfetelefone, über die sie rund um die Uhr erreichbar sind. Eins für den oberen und eins für den unteren Landkreis. Im Notfall bringen sie Frauen bisher in eine der beiden Schutzwohnungen, die es im Landkreis gibt. Im neuen Frauenhaus soll laut Anita Stierle Platz für fünf Frauen und mindestens fünf Kinder sein.

Warum der Landrat das Frauenhaus für wichtig hält:

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Fälle nehmen zu und werden komplexer

Die Fälle, die der Verein betreut, haben über die Jahre nicht nur zugenommen, erzählt die Vereinsvorsitzende. „Sie sind auch komplexer geworden.“ Das liege unter anderem daran, dass mittlerweile häufiger auch Frauen mit Migrationshintergrund in der Obhut des Vereins landen. Laut Landrat Elmar Stegmann kommen diese Frauen auch häufiger mit Kindern.

Mit der Eröffnung des Frauenhauses gehe es auch darum, das Hilfsangebot des Vereins auf „professionellere Beine“ zu stellen. Die Kreisrätinnen und Kreisräte im Ausschuss am Donnerstagnachmittag beschlossen eine jährliche Finanzspritze von 160.000 Euro, die ab kommendem Jahr greift. Das Landratsamt muss die Kosten übernehmen, die nicht förderfähig sind.

Die Unterstützung von Frauen und Kindern mit Gewalterfahrung sei für ihn aber nicht nur eine gesetzliche, sondern auch eine „moralische Verpflichtung“, sagt Stegmann, der sich in der Sitzung ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen bedankt.

„Anfang der 80er-Jahre hat eine Gruppe Frauen nachgewiesen, dass ein Bedarf da ist“, sagt Kreisrätin Ulrike Lorenz-Meyer (Grüne). „Jetzt kommt sogar ein Frauenhaus – das ist das, was wir uns immer erträumt haben.“

Das Landratsamt unterstützt den Verein nun auch dabei, sich um eine staatliche Förderung zu bewerben. Um die zu bekommen, musste der Verein erst einmal dem paritätischen Wohlfahrtsverband beitreten. „Hilfe für Frauen in Not“ agiert nun unter dessen Dach. Fürs Frauenhaus sollen später auch hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden, erklärt Anita Stierle.

Wann geht das Frauenhaus in Betrieb?

„Es ist ein frommer Wunsch, dass wir im Frühjahr 2026 fertig sind“, sagt Jörg Spennemann, der beim Landratsamt für den Bereich Jugend, Soziales und Migration zuständig ist, im Ausschuss am Donnerstag. „Das wäre allerdings sehr sportlich.“

Währenddessen werden die Hilfetelefone von Anita Stierle und ihren Kolleginnen weiter klingeln. „Wir könnten noch ein paar Helferinnen gut gebrauchen“, sagt sie. Schließlich hat der Verein noch viel vor. „Wir möchten uns noch mehr in der Gewaltprävention engagieren.“ Denn am besten wäre es ja, wenn das Frauenhaus gar nicht nötig wäre.

Wer sich beim Verein „Hilfe für Frauen in Not“ engagieren möchte, kann sich melden unter der Telefonnummer 0172/ 885 1483.

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