Fälle nehmen zu und werden komplexer
Die Fälle, die der Verein betreut, haben über die Jahre nicht nur zugenommen, erzählt die Vereinsvorsitzende. „Sie sind auch komplexer geworden.“ Das liege unter anderem daran, dass mittlerweile häufiger auch Frauen mit Migrationshintergrund in der Obhut des Vereins landen. Laut Landrat Elmar Stegmann kommen diese Frauen auch häufiger mit Kindern.
Mit der Eröffnung des Frauenhauses gehe es auch darum, das Hilfsangebot des Vereins auf „professionellere Beine“ zu stellen. Die Kreisrätinnen und Kreisräte im Ausschuss am Donnerstagnachmittag beschlossen eine jährliche Finanzspritze von 160.000 Euro, die ab kommendem Jahr greift. Das Landratsamt muss die Kosten übernehmen, die nicht förderfähig sind.
Die Unterstützung von Frauen und Kindern mit Gewalterfahrung sei für ihn aber nicht nur eine gesetzliche, sondern auch eine „moralische Verpflichtung“, sagt Stegmann, der sich in der Sitzung ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen bedankt.
„Anfang der 80er-Jahre hat eine Gruppe Frauen nachgewiesen, dass ein Bedarf da ist“, sagt Kreisrätin Ulrike Lorenz-Meyer (Grüne). „Jetzt kommt sogar ein Frauenhaus – das ist das, was wir uns immer erträumt haben.“
Das Landratsamt unterstützt den Verein nun auch dabei, sich um eine staatliche Förderung zu bewerben. Um die zu bekommen, musste der Verein erst einmal dem paritätischen Wohlfahrtsverband beitreten. „Hilfe für Frauen in Not“ agiert nun unter dessen Dach. Fürs Frauenhaus sollen später auch hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden, erklärt Anita Stierle.
Wann geht das Frauenhaus in Betrieb?
„Es ist ein frommer Wunsch, dass wir im Frühjahr 2026 fertig sind“, sagt Jörg Spennemann, der beim Landratsamt für den Bereich Jugend, Soziales und Migration zuständig ist, im Ausschuss am Donnerstag. „Das wäre allerdings sehr sportlich.“
Währenddessen werden die Hilfetelefone von Anita Stierle und ihren Kolleginnen weiter klingeln. „Wir könnten noch ein paar Helferinnen gut gebrauchen“, sagt sie. Schließlich hat der Verein noch viel vor. „Wir möchten uns noch mehr in der Gewaltprävention engagieren.“ Denn am besten wäre es ja, wenn das Frauenhaus gar nicht nötig wäre.