Im Oktober musste Aufsichtsratsvorsitzender Jörg Bauer die VR Südbank verlassen, Ende des Jahres sind die übrigen vier Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte aus dem Bereich der Bodenseebank zurückgetreten. Jetzt erklären sie, warum.
Ihr Rücktritt hat Ende vergangenen Jahres für viel Wirbel gesorgt. Jetzt begründen Bettina Schäffler, Florian Schäfer, Mathias Sinz und Martin Zentgraf, warum sie den Aufsichtsrat der VR Südbank verlassen haben.
In einer gemeinsamen Presseerklärung sprechen die vier von einem „bewussten Schritt“. Zwar sei die Arbeit im Aufsichtsrat der Bank für sie immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Im vergangenen Jahr allerdings habe es zu verschiedenen Themen innerhalb von Vorstand und Aufsichtsrat grundlegende und „nicht überwindbare unterschiedliche Auffassungen“ gegeben.
Streitpunkte waren demnach die strategische Weiterentwicklung der Bank sowie deren Veränderungsfähigkeit „im Hinblick auf Geschwindigkeit, Anpassung an sich wandelnde Marktsituationen und eine konsequent kundenorientierte Ausrichtung“. Meinungsverschiedenheiten darüber hätten innerhalb des Aufsichtsrats zu einer Pattsituation geführt. Mit ihrem Rücktritt wollten sie nun den Weg für einen „konstruktiven Neuanfang“ ebnen.
Zentrale Fragen zur Struktur, Führung und der strategischen Ausrichtung der Bank sollten nun im Rahmen einer Vertreterversammlung „transparent beraten und neu entschieden werden“. Die 110 Vertreterinnen und Vertreter, die die knapp 11.000 Genossenschaftsmitglieder repräsentieren, sind das oberste Organ der Bank. Dort finden auch die Aufsichtsratswahlen statt.
Parität im Aufsichtsrat muss wiederhergestellt werden
Die VR Südbank ist noch jung. Erst 2024 hatten sich die Lindauer Bodenseebank und die Raiffeisenbank Westallgäu in einem Verbundmodell zusammengeschlossen. Beide Banken brachten ihre Aufsichtsräte mit, und bis vor ein paar Wochen bestand das Gremium darum noch aus zehn Mitgliedern.
Mittlerweile ist kein Aufsichtsrat aus dem Bereich der Bodenseebank mehr übrig.
Bereits im Herbst hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Bauer das Gremium verlassen, nachdem es zum Eklat gekommen war: In einem Schreiben an den Vorstand und den Aufsichtsrat hatten die Bereichsleiter der Bank Bauers Rücktritt gefordert. Sie begründeten ihre Forderung unter anderem damit, dass sich Bauer in die operative Arbeit der Bank einmische und Entscheidungsprozesse verlangsame. Später hatte es auch noch eine Petition gegen Bauer gegeben, die rund 100 von 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterschrieben hatten.
Als Bauer seinen Platz nicht freiwillig räumte, lud der Vorstand zu einer Vertreterversammlung ein, bei der seine Abwahl auf der Tagesordnung stand. Die Versammlung wurde schließlich abgesagt und Bauer verkündete seinen Rücktritt. Den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm übergangsweise seine Stellvertreterin Kathrin Koch.
Mit nur fünf Mitgliedern ist der Aufsichtsrat und damit das Kontrollorgan der Bank aktuell nicht beschlussfähig, dafür sind mindestens sechs Rätinnen und Räte notwendig. Laut Satzung muss zudem spätestens in der nächsten regulären Vertreterversammlung wieder dafür gesorgt werden, dass aus dem Bereich der Bodenseebank gleich viele Aufsichtsräte kommen wie aus dem Bereich der Raiffeisenbank Westallgäu.
Die nächste offizielle Vertreterversammlung wäre erst im Juli. Ob vorher eine außerordentliche Versammlung stattfindet, ist aktuell unklar. „Der Vorstand arbeitet gemeinsam mit dem verbleibenden Aufsichtsrat daran, die satzungsgemäßen und rechtlichen Schritte geordnet umzusetzen, um die ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit der Gremien sicherzustellen“, schreibt Vorstandssprecher Martin Öfner dazu auf unsere Nachfrage nur.
Inwiefern die Entscheidung von Bettina Schäffler, Florian Schäfer, Mathias Sinz und Martin Zentgraf, den Aufsichtsrat zu verlassen, etwas mit dem Rücktritt von Jörg Bauer zu tun hat, ist unklar. Über ihre Pressemitteilung hinaus wollen sie sich nicht äußern, wie Florian Schäfer auf unsere Nachfrage schreibt. Was Internas der Bank anbelangt, sind sie auch als ausgeschiedene Aufsichtsräte zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Bei Kreditanträgen kam es zu Verzögerungen
Damit gebrochen hatte Jörg Bauer schon kurz nach seinem Rücktritt. In einer Pressemitteilung hatte er in den Raum gestellt, dass der Vorstand mit ihm lediglich eine besonders kritische Stimme loswerden wollte. Neben gestiegenen Personalkosten habe er zum Beispiel auch die überlange Bearbeitungszeit von Kreditanträgen kritisiert, die zu Frust bei der Kundschaft geführt und Mitarbeiter belastet habe.
Auch der Vorstand der Bank darf sich wegen seiner Schweigepflicht nur bedingt äußern. Auf unsere Nachfrage räumen Martin Öfner, Armin Mesmer und Hans-Peter Beyrer aber ein, dass es bei Kreditanträgen im vergangenen Jahr zu Verzögerungen gekommen ist. „Im Einzelfall war das sicher so, dass die Bearbeitung etwas länger dauerte“, sagt Beyrer.
Das habe vor allem an der hohen Nachfrage gelegen, wodurch das Jahresziel schon im Juli erreicht gewesen sei. „Wir haben in diesem Bereich, wie die gesamte Branche, aber auch mit Fachkräftemangel zu kämpfen.“
Unstimmigkeiten innerhalb des Aufsichtsrats und zwischen Teilen des Aufsichtsrats und dem Vorstand hatte es offenbar auch hinsichtlich der Frage gegeben, ob für Geschäftsstellen im Allgäu Neubauten notwendig sind oder nicht.
Sowohl der Vorstand als auch die übrigen Aufsichtsratsmitglieder fänden den Rücktritt von Bettina Schäffler, Florian Schäfer, Mathias Sinz und Martin Zentgraf schade, schreibt Vorstandssprecher Martin Öfner auf unsere Nachfrage. „Diese Entscheidung ist für uns alle bedauerlich, da wir die wertvolle Zusammenarbeit und die Expertise der zurückgetretenen Mitglieder stets geschätzt haben.“ Dass darin auch „eine Chance für eine Neuausrichtung“ stecke, sehe er allerdings ähnlich wie die ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder.
Über Themen wie die strategische Ausrichtung der Bank, die Entwicklung der Kundenstruktur, Marktentwicklung, Digitalisierung und Optimierungschancen, würde in der nächsten Vertreterversammlung berichtet, so Öfner, der betont, dass es der Bank gut geht. „Wir freuen uns, in der nächsten Vertreterversammlung auch unsere gute wirtschaftliche Entwicklung mit überdurchschnittlichen Wachstumswerten darstellen zu können.“