Seit 14 Jahren ist der 48-jährige Carsten Holz Geschäftsführer der Lindau Tourismus und Kongress GmbH (LTK). Welchen Effekt Therme und Cavazzen auf die Länge der Tourismus-Saison haben und welchen Effekt er sich vom neuen Business-Hotel auf dem Limare-Grundstück verspricht.
Mit den Osterferien beginnt in Lindau die Tourismus-Saison. Dann strömen täglich wieder tausende Touristen auf die Insel, das Festland, zu Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten. Zwischen 900.000 und einer Million Übernachtungen verzeichnet die Stadt pro Jahr.
„Seit einiger Zeit stagniert die Zahl auf diesem hohen Niveau“, sagt Carsten Holz. Etwa ein Drittel der Übernachtungen ist den beiden Campingplätzen in Zech und am Gitzenweiler Hof zuzuschreiben.
Wo soll es mit den Übernachtungszahlen hingehen?
Das übergeordnete Ziel der LTK ist es nicht, die Übernachtungszahlen immer weiter zu steigern. Es geht mehr darum, den Tourismus auf die verschiedenen Jahreszeiten zu verteilen. „Natürlich wird Lindau im Winter niemals so viele Touristen haben wie im Sommer“, sagt Holz, „das ist nicht möglich“.
Die Verlängerung der Saison in den Spätherbst und Winter soll es Betrieben aber ermöglichen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das ganze Jahr zu beschäftigen. „Menschen, die hier übernachten, sollen Einzelhandel und Gastronomie aufsuchen – die dann aber auch geöffnet sein sollten“, sagt Holz.
Wie gelingt die Saisonverlängerung?
Damit Touristinnen und Touristen auch im Herbst und Winter an den Bodensee kommen, brauche es Angebote, die unabhängig vom Wetter nutzbar sind. „Die Therme ist dabei für den Standort Lindau sehr wichtig“, sagt Holz.
Zudem habe Lindau mit dem frisch sanierten Cavazzen jetzt ein Stadtmuseum, das das ganze Jahr über geöffnet hat. „Unser Kulturbetrieb braucht sich nicht zu verstecken“, sagt Holz, der dabei Lindau dabei immer auch im Zusammenspiel mit Bregenz sieht.
Die Hafenweihnacht lockt längst viele internationale Gäste an, aber auch zum verlängerten Jahrmarktwochenende kämen immer mehr Besucherinnen und Besucher von außerhalb.
Der Campingplatz in Zech, den die LTK betreibt, hatte dieses Jahr zum ersten Mal über den Jahreswechsel bis zum 6. Januar geöffnet, am 6. März startete er bereits in die neue Saison.
„Die letzten verbleibenden toten Monate sind von Mitte Januar bis Mitte März“, sagt Holz. Die seien aber auch notwendig, für Betriebsurlaub und Revision.
Warum ist das neue Businesshotel notwendig?
In Lindau gibt es viele kleine, familiengeführte Hotels. Daran soll sich auch nichts ändern. „Der Standort Lindau lebt von individueller, privat geführter Hotellerie“, sagt Holz. „Das ist ein supergutes Verkaufsargument.“
Für die Veranstalter von größeren Tagungen sei dieser Umstand allerdings eine koordinatorische Herausforderung. „Unsere Kunden müssen die Teilnehmer zum Teil auf 13 verschiedene Hotels verteilen“, erzählt Holz. „Das sorgt für viel Stress.“
Insgesamt sei Lindau, was die Anzahl der Betten anbelangt, „mit einer leichten Unterdeckung unterwegs“, so Holz. Das neue Businesshotel, das gerade am Standort des ehemaligen Hallenbads Limare entsteht, soll ein Puzzlestück sein, um die Situation zu verbessern. Es wird 143 Zimmer und damit knapp 300 Betten haben.
So soll das neue Hotel in Légère-Hotel in Lindau aussehen. Visualisierung: Fibona GmbH
Grundlage für den Neubau seien Erkenntnisse aus dem Stadtentwicklungskonzept Isek. Weil das allerdings schon ein paar Jahre alt ist, habe man immer wieder überprüft, ob die Annahmen noch stimmen, sagt Holz. „Aber wir haben zum Beispiel festgestellt, dass die Bettenauslastung in Lindau nach der Eröffnung des Premier Inn an der Autobahn sogar gestiegen ist“, erläutert der Geschäftsführer der LTK.
Dass sich das neue Businesshotel negativ auf die bestehenden Betriebe auswirken könnte, glaubt er nicht. „Ich kann die Sorgen und Ängste aus der Lindauer Hotellerie aber dennoch nachvollziehen, denn hier herrscht oft ein Gefühl von ungleichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen.“
Deswegen ist sei es umso wichtiger, dass diese Sorgen auf offene Ohren und Verständnis bei Politik und in der Verwaltung treffen. Das Thema werde sensibel angegangen, versichert Holz. „Aber es ist auch extrem wichtig, dass da was passiert.“
Wie steht es um die Belegung der Inselhalle?
2024 hatte die Inselhalle ihr Rekordjahr mit 121 Veranstaltungen und rund 65.000 Tagungsteilnehmerinnen und Besuchern. Das vergangene Jahr komme da zwar nicht ganz ran, „Aber auch 2025 lief über Plan“, sagt Holz.
Neben den vielen Stammkunden wie dem Lindauer Seminar, den Psychotherapiewochen oder der Nobelpreisträgertagung versuchen die Betreiber natürlich auch, neue Kunden zu akquirieren.
„Unser Fokus liegt auf Tagungen und Kongressen“, sagt Holz, „sie halten die Inselhalle wirtschaftlich am Laufen“.
Die LTK habe sich mit all ihren Betriebsstätten in den letzten Jahren so positiv entwickelt, dass damit auch der Betrieb der Inselhalle zum großen Teil querfinanziert werden kann.
Die Zuschüsse, die die Stadt der LTK zahlt (zuletzt waren das 1,8 Millionen), würden komplett über Kurbeitrag und Fremdenverkehrsabgabe refinanziert, „also von den direkten und indirekten Nutznießern der wirtschaftsfördernden Maßnahmen – und nicht aus freien Steuermitteln“, erläutert Holz.
Die Lindauer Inselhalle. Foto: Stadt Lindau
Wer bestimmt, was in der Inselhalle stattfindet?
Weil die Inselhalle eine öffentliche Veranstaltungsstätte ist, kann jeder anfragen, um sie zu nutzen. Lindauer Vereine, politische Parteien, Religionsgemeinschaften, Schulen und gemeinnützige Organisationen können bei der Stadt einen Zuschuss beantragen. Er ist auf 1200 Euro für maximal eine Veranstaltung im Jahr gedeckelt.
Eine Auswahl dürfe die LTK nicht treffen. „Es gibt einen öffentlichen Zugangsanspruch, wenn es keine verfassungsrechtlichen Gründe gibt, die dagegen sprechen“, erläutert Holz.
Wie steht es um die Schäden am Gebäude?
Wegen der Schäden und Mängel in der Inselhalle und am Parkhaus befindet sich die Stadt noch immer im Rechtsstreit. Im Keller und Erdgeschoss der Gebäude gab es verschiedene Wasserschäden.
„Die Schäden betreffen die Kunden nicht, aber natürlich uns im Hintergrund“, sagt Holz. Wegen des Wasserschadens gebe es zum Beispiel nach wie vor Lagerräume, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LTK nicht nutzen können. „Es ist natürlich blöd, wenn das zu so einer dauerhaften Sache wird.“
Wann zieht die Tourist-Info in den Bahnhof ein?
Schon seit einiger Zeit ist geplant, dass die Tourist-Info in den Bahnhof auf der Insel zieht. Die Räume dafür sollten eigentlich bereits seit zwei Jahren fertig umgebaut sein. „Wir wären schon zweimal drin“, sagt Holz. Allerdings kann die Bahn auch auf unsere Nachfrage noch nicht einmal einen Termin nennen.
Aktuell ist die Tourist-Info gegenüber am Nobelplatz untergebracht. Optimal ist der Standort nicht, so Holz. „Wir sind nicht gut sichtbar und die Räume sind nicht durchgängig barrierefrei.“ Im Bahnhof wäre der perfekte Platz für die Tourist-Info, so Holz, der es grundsätzlich schön fände, wenn sich bei dessen Sanierung etwas tun würde. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
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