Umstrittenes Bauprojekt im Heuriedweg: Caritas springt ab

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Lindau
Ein Maisacker.
Im Heuriedweg ist der eigentlich Neubau eines Büros- und Lagergebäudes geplant.
Foto: Christian Flemming

Der Bauausschuss hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Kritik an dem Projekt gab es schon im Voraus. Jetzt stellt sich heraus: Für die Caritas ist das Projekt zu teuer.

Schon seit Langem sucht die Lindauer Caritas nach Räumlichkeiten für ihren Tafelladen. Denn die aktuellen Räume sind viel zu eng. Außerdem droht das Ende des Mietverhältnisses wegen Eigenbedarfs, wie Geschäftsführerin Katharina Pschibul sagt. Die Caritas braucht dringend eine Lösung.

Im Bauausschuss im Mai klang es noch so, als wäre diese gefunden. Die Pläne, denen der Bauausschuss zustimmte, waren konkret und sehen Folgendes vor: Im linken Teil eines Neubaus solle der Tafelladen ins Erdgeschoss kommen. In den Stockwerken darüber seien geförderte Wohnungen der Caritas geplant. In dem anderen, deutlich größeren Teil, solle das Elektro-Unternehmen Elektro Herz einziehen. „Das ist der Auftakt zu etwas Neuem“, sagte Architekt Andreas Hammer. Die vorgestellten Pläne waren von dem Architektenbüro „Feuerstein Hammer Pfeifer“ und dem Projektentwickler Bpm.

Hier soll der Neubau entstehen:

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Die Räumlichkeiten des Tafelladen in der Freihofstraße sind zu klein. Archivfoto: Christian Flemming

Jetzt stellt sich aber heraus: Für die Caritas ist das Vorhaben viel zu teuer. Das Projekt im Heuriedweg sprenge „die Investitionskraft der Caritas bei Weitem“, schreibt Katharina Pschibul, Geschäftsführerin des Caritasverbands für den Landkreis Lindau, in einer Pressemitteilung am Dienstag. 

Geplanter Neubau übersteigt die Möglichkeiten der Caritas weit

Die Caritas hat mit einem günstigen Hallenbau geplant, sagt Katharina Pschibul. Der Gestaltungsbeirat der Stadt Lindau habe angeregt, eine Wohnungsbebauung zu prüfen. Den Gedanken habe man bei der Caritas zwar gut gefunden. Allerdings sprenge das den finanziellen Rahmen. Denn der geplante Neubau mit Wohnungen sei zwei- bis dreifach so teuer wie das, was die Caritas stemmen könne. Deshalb entschied man sich dagegen.

Zu der Entscheidung sei die Caritas in einer Sitzung des Caritas-Vorstands und des Caritasrates am 5. Juni gekommen – und die fand nach dem Bauausschuss statt. In einer Sitzung davor haben dem Gremium noch die Zahlen und Fakten gefehlt, sagt Katharina Pschibul. „Das war eine unglückliche Überschneidung.“

Ausschussmitglieder kritisieren das Projekt

Im Bauausschuss wurde das Projekt länger diskutiert. Manche Mitglieder sprachen sich nur wegen der Caritas dafür aus. Christiane Norff (ÖDP) wog ab. „Mir widerstrebt dieser Neubau, aber ich stimme zu, weil die Caritas das unbedingt braucht.“ Am Ende stimmte der Ausschuss mehrheitlich für den Neubau. 

Muss jetzt erneut über das Vorhaben im Ausschuss abgestimmt werden? Es bleibe abzuwarten, was weitere Gespräche mit Projektentwickler, Vorhabenträger und der Caritas ergeben, schreibt die Stadt-Sprecherin Bettina Wind auf Nachfrage.

Bei den ersten Gesprächen zu dem Projekt seien Vertreter der Caritas in der Stadtverwaltung mit dabei gewesen, so Wind. „Seitdem haben wir keine Mitteilung bekommen, dass die Caritas ausgestiegen sei.“ Allerdings sei die Stadt selbst nicht Vorhabenträger. „Bei uns ging der Bauantrag ein, der im Bau- und Umweltausschuss zu behandeln war.“

Anwohner reicht Beschwerde bei der Regierung von Schwaben ein

Im Voraus gab es ohnehin Kritik an dem Neubau im Heuriedweg. Anwohnerinnen und Anwohner prangern an, dass sich der Verkehr mit dem Bauprojekt massiv verstärken würde und die Straße dafür nicht ausgelegt sei.

Außerdem würde der Neubau in einen der fünf Landschaftsfinger ragen. Das Gebäude, in das Elektro Herz einziehen könnte, kratzt den Landschaftsfinger an. Das, das für die Caritas vorgesehen war, würde laut Plänen komplett im Landschaftsfinger liegen.

Ein Plan
Diese Grafik zeigt, wie weit der Bau in den Landschaftsfinger (in grün) hineinragt.
Grafik: Verwaltung

Die fünf Lindauer Landschaftsfinger wurden definiert, um Wälder, Wiesen und Parks zu schützen und frische Luft in die Stadt zu bringen. Sie wurden auch im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) festgeschrieben.

Weil es immer mehr Hitzesommer gibt, sind diese doch umso wichtiger.

, sagt Anwohner Leo Hander.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sei der Eingriff in den Landschaftsfinger städtebaulich vertretbar, wie es in der Sitzungsvorlage zum Bauausschuss heißt. 

Mehrmals hatten sich die Anwohnerinnen und Anwohner an die Stadtverwaltung gewandt – ohne Erfolg. Ende Mai reichte Leo Hander dann eine Beschwerde bei der Regierung von Schwaben ein. Diese liegt Kolumna vor.

Darin führt er die Argumente bezüglich des Landschaftsfingers an. Er schreibt auch, dass nicht nachvollziehbar sei, wie man einen Sozialmarkt der Caritas sowie die geplanten Wohnungen als Gewerbe einstufen kann.

Für die Verwaltung ist der Heuriedweg ein Standort mit Entwicklungspotenzial und das Grundstück eine der letzten entwickelbaren Gewerbeflächen in Lindau.

Natur und Klima spielen für die Caritas auch eine Rolle

Auch die Caritas wurde durch die „Diskussion um die Beschneidung von Flächen, die zum Schutz von Natur und Klima von der Stadt ausgewiesen wurden“, in ihrer Entscheidung bestärkt, wie Geschäftsführerin Katharina Pschibul schreibt. Den Mitgliedern der Caritas-Gremien sei es ein besonderes Anliegen, „sowohl für Menschen in Not vor Ort da zu sein als auch die Natur als Grundlage allen Lebens zu schützen“.

Und was sagt Elektro Herz zu dem Projekt?

„Wir sind weiterhin am Projekt interessiert, unabhängig von der Entscheidung der Caritas“, sagt Geschäftsführer Alexander Meier. Sein Unternehmen suche seit Langem neue Lagerflächen, Büro- und Sozialräume für die Mitarbeiter. Die Geschäftsräume in der Köchlinstraße seien über die Jahre und mit der stetig gewachsenen Mitarbeiterzahl zu klein geworden.

Die Caritas werde in den nächsten Wochen nochmals verstärkt den Kontakt zu Vertretern der Stadt, der Gesellschaft und auch zu Unternehmen vor Ort suchen, sagt Katharina Pschibul. Möglich seien Miet- oder Eigentumsobjekte. „Wer eine Idee hat, kann sich gerne an uns wenden.“

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