Zufallsgast auf der Walz hilft bei Sanierung des Dorfbrunnens

Kolumna
Lindau
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Fast jeder im Dorf kennt ihn: den Brunnen im Ortskern von Bösenreute. Weil er in die Jahre gekommen war, kümmert sich der Heimatverein um seine Sanierung. Hilfe bekamen sie dabei von einem Überraschungsgast.

Der Dorfbrunnen hat eine lange Geschichte. Die Initiative für den Bau ging im Februar 1991 von den „Maibäumlern“ aus, wie der Heimatverein in einer Mitteilung schreibt. Ziel sei es gewesen, den Dorfplatz im Bereich von Kirche, Linde und Maibaum durch ein gestalterisches Element aufzuwerten.

Im Jahr 1992 wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem vier regionale Künstler ihre Entwürfe präsentierten. Die Vorschläge reichten von Granitbecken hin zu Darstellungen lokaler Sagenfiguren wie dem „Eremännle“. Letztlich entschied sich die Bevölkerung mit deutlicher Mehrheit für den Entwurf der Steinmetz- und Bildhauermeisterin Elke Bader. „Ihr Konzept überzeugte durch die sechseckige Grundform, die einen direkten Bezug zu den sechs Ortsteilen der damaligen Gemeinde herstellt.“

Brunnen kostete damals etwa 30.000 Deutsche Mark

Die Realisierung des Projekts im Jahr 1994 war eine finanzielle und organisatorische Kraftanstrengung, heißt es weiter. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 31.600 Deutsche Mark.

Als gegen Ende der Bauphase Geld fehlte, startete der eigens gegründete Verein für Heimatpflege und Förderung der Dorfkultur eine Sammelaktion. „Dank der großen Spendenbereitschaft der Haushalte konnte die Finanzierung innerhalb kurzer Zeit gesichert werden.“ Viele Arbeiten – etwa die Fundamente oder die Installation der Leitungen – wurden zudem von Bürgerinnen und Bürgern in Eigenleistung erbracht.

Nach vielen Jahren im Freien haben Witterung und Zeit ihre Spuren an Stein und Technik hinterlassen. Deshalb wurde der Dorfbrunnen im Frühjahr dieses Jahres rechtzeitig vor dem 1. Mai einer aufwendigen Sanierung unterzogen, so der Verein.

Die Arbeiten wurden von Steinmetzmeister Hermann Rudolph, zweiter Vorsitzender des Heimatvereins Bösenreutin. Hilfe bekommen hat er von der Steinmetzin Laurina von Hohenthal. Die junge Handwerkerin kommt aus Langenhagen bei Hannover und war gerade auf der Walz unterwegs. Die beiden erneuerten die kaputten Teile des Brunnens.

„35 Jahre nach der ersten Idee zum Brunnenbau möchte der Heimatverein die Erhaltung des Brunnens weiterhin auf breite Schultern stellen.“

Der Heimatverein ruft Bürgerinnen und Bürger, Freunde des Dorfes sowie Förderer dazu auf, sich an der Finanzierung der notwendigen Arbeiten zu beteiligen und sich beim Heimatverein zu melden.[/vc_column_text]

Der Brunnen zeichnet sich durch hochwertige Materialien und eine tiefgründige Symbolik aus:

Material: Gefertigt wurde der Brunnen aus grauem Sandstein (Pietra Serena) aus der Toskana. Für den Trog und den Säulensockel wurde die besonders harte und wasserfeste Sorte „Colombino“ gewählt.

Symbolik der Form: Das sechseckige Becken repräsentiert die sechs Ortsteile Bösenreutin, Hangnach, Witzigmänn, Egghalden, Zeisertsweiler und Tobel. Ihre Namen sind auf den jeweiligen Außenflächen eingemeißelt.

Historischer Bezug: Die Inschrift „1818–1972“ erinnert an die Zeit der politischen Selbstständigkeit der Gemeinde Bösenreutin.

Abmessungen und Technik: Mit einer Gesamthöhe von rund 200 Zentimetern und einem Troggewicht von etwa zwei Tonnen steht die Anlage stabil auf dem Dorfplatz. Der Trog wurde aus einem Stück gefertigt, um Undichtigkeiten vorzubeugen. Gespeist wird der Brunnen mit Trinkwasser; eine Zeitschaltuhr steuert den Betrieb von der Morgendämmerung bis zur Nachtruhe.

Wer tiefer in die Geschichte, Planung und Hintergründe des Brunnens eintauchen möchte, findet ausführliche Informationen in der „Chronik des Dorfbrunnens von Bösenreutin“. Das Heft wurde von Elke Bader und Josef Bayer mit viel Liebe zum Detail erstellt und als Heft 4 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatpflege und Förderung der Dorfkultur Bösenreutin e.V. veröffentlicht. Die Dokumentation kann direkt über den Heimatverein bezogen werden.

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