Fällt beim Boot der Motor aus, kommt die Sandbank schneller als gedacht, oder gerät ein SUP bei Sturm in Seenot, dann sind die Leute des Freiwilligen Seenot-Diensts oft direkt vor Ort. Wer hinter dem Verein steckt und bei welchen Notfällen die Ersthelfer zur Stelle sind.
Erst vor einigen Wochen ist es bei der Rund Um auf dem Bodensee zu einem Notfall gekommen: Eines der Segelboote geriet bei der historischen Regatta in Seenot, Teile der Takelage waren gerissen oder verklemmt, das Schiff ließ sich nicht mehr manövrieren. Zudem kam Sturm auf und so trieb das Segelboot ungebremst bei starkem Wellengang und Windböen Richtung Reutiner Bucht.
Ein Glück für die Crew, dass ein Mitglied des Freiwilligen Seenotdienstes (FSD) mit seinem Motorboot auf dem Wasser unterwegs war und die Situation beobachtete. So konnte er die Abschleppleine des Schiffes übernehmen und es sicher in den Yachthafen des Lindauer Seglerclubs ziehen.
Wassersportler engagieren sich
Der FSD ist eine ehrenamtliche Ergänzung zu den professionellen Rettungskräften auf den bayerischen Seen. Im Jahr 1965 am Chiemsee gegründet, ist der Verein heute mit insgesamt knapp 60 Booten auf sechs verschiedenen Seen unterwegs. Der Bodensee bildet dabei mit mehr als der Hälfte aller Mitglieder und Boote das größte Einsatzgebiet.
Thomas Ball ist seit über 15 Jahren Mitglied des FSD und inzwischen auch Revierobmann des Bodensees. Er ist, ebenso wie die meisten ehrenamtlichen Mitglieder, leidenschaftlicher Wassersportler. Ob beim Segeln oder mit seinem weißen Motorboot: Er verbringt regelmäßig viele Stunden auf dem Wasser.
Auch Hubert Pröller ist eigentlich ständig auf oder am Wasser. Als Hafenmeister arbeitet er in unmittelbarer Nähe zum See und ist oft schnell vor Ort, wenn irgendwo eine kritische Situation entsteht.
Und eben das ist auch die Idee des Freiwilligen Seenotdienstes. Die Mitglieder des Vereins sind Hobbysegler oder mit ihren eigenen Motorbooten ohnehin regelmäßig auf dem Wasser unterwegs. So können sie Seenotsignale oder andere Probleme häufig frühzeitig erkennen und oft noch vor den professionellen Rettungskräften vor Ort sein.
Beim FSD geht es darum, anderen zu helfen und sich dafür ein paar Fähigkeiten anzueignen,
fasst es Thomas Ball zusammen.
Der Verein finanziert sich durch Spenden, sowie einen kleinen Mitgliedsbeitrag. Davon werden gemeinsame Übungen, Kurse und auch eine Notfall-Grundausstattung bezahlt. So sind die Mitglieder des FSD stets bereit, auf dem Wasser zu helfen.
Aber wie sieht denn so ein Einsatz des FSD aus?
Boote abschleppen, Starthilfe geben
Beim FSD gibt es keine organisierten Schichten oder Wachen, wie es bei der Wasserwacht oder der Wasserschutzpolizei der Fall ist. Wer auf dem See mit der Flagge des FSD unterwegs ist, der ist bereit zu helfen.
„Wir betrachten uns als Ersthelfer“, sagt Thomas Ball. „Wenn die Wasserwacht kommt, dann übergeben wir.“
Solche großen Unfälle seien jedoch eher selten. Meist seien es technische Schwierigkeiten, bei denen der FSD zur Stelle ist. Nicht bei jedem Notfall auf dem Wasser müsse direkt die Wasserwacht ausrücken.
„Wenn du bei gutem Wetter auf dem See ankerst und dein Motor nicht mehr anspringt, dann ist das kein Notfall im klassischen Sinne“, erklärt Ball.
Ein Mitglied des FSD demonstriert, wie ein Boot abgeschleppt wird.
Thomas Ball befestigt die Abschleppleine.
Die FSD-Mitglieder seien in der Gemeinschaft der Wassersportler gut vernetzt. So würden sich viele auch einfach direkt per WhatsApp melden, wenn sie Starthilfe oder jemanden zum Abschleppen benötigen.
Auch für schwere Unglücke bereit
Doch auch auf große Notfälle ist der Verein vorbereitet. Dafür organisiert er für alle Mitglieder zweijährig einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs. Auch regelmäßige Übungen, beispielsweise zum Feuerlöschen, finden über den Verein statt.
Solche Übungen sind meist selbst organisiert. „Wir haben viele erfahrene Leute mit dabei“, sagt Revierobmann Ball. Rettungssanitäter, einen Arzt oder auch Mitglieder, die sich zusätzlich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Dadurch gebe es dann einen Austausch.
Besonders die Wichtigkeit der regelmäßigen Erste-Hilfe-Kurse betonen Ball und Pröller.
„Man vergisst vielleicht das eine oder andere, wichtig ist aber, dass man hilft“, sagt Pröller.
Dafür sind die Boote der Vereinsmitglieder mit einer Grundausstattung versehen. Sie beinhaltet unter anderem eine Wurfleine, Rettungswesten und eine Erste-Hilfe-Tasche.
Zum Glück wird diese Ausstattung jedoch kaum benötigt. Hubert Pröller erzählt, er habe in seinem Leben bisher nur zweimal Personen aus dem Wasser retten müssen. Die seien jedoch beide vom Landungssteg ins Wasser gestolpert.
Anderen gegenüber aufmerksam sein
Aber wie bemerken die ehrenamtlichen Helfer des FSD überhaupt einen Notfall?
„Wichtig ist, immer auf sich aufmerksam zu machen“, erklärt Ball.
Dafür gibt es beispielsweise das internationale Notzeichen, ein langsames seitliches Heben und Senken der Arme.
Auf Binnengewässern wie dem Bodensee wird außerdem eine rote Flagge als ein Zeichen für Seenot genutzt. Auch Leuchtraketen, Leuchtpistolen oder Lichtsignale können helfen, am besten jedoch in Kombination mit anderen, länger sichtbaren Signalen.
Die Boote des FSD sind an der weißen Fahne zu erkennen.
Auf solche Signale zu achten, sei natürlich für jeden, der auf dem Bodensee unterwegs ist, selbstverständlich. Die Mitglieder des FSD sehen sich jedoch in der Pflicht, besonders aufmerksam zu sein.
„Es geht darum, die Seegemeinschaft zu stärken“, sagt Hubert Pröller. Mithilfe von gebündelten Ressourcen, freiwilligen Übungen und einem Grundwissen, um anderen helfen zu können.
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