Mit 27 Jahren zum ersten Mal beim Volkstheater dabei: Lea Schäfer als energische Frieda auf der Bühne

Zwei Personen auf der Bühne
Braut Frieda sorgt für Wirbel. Lea Schäfer bei ihrem ersten Auftritt auf der Bühne in Hergensweiler. Alfred Biesenberger spielt in der Hauptrolle Blasius Hesselberger.
Foto: Wolfgang Köhle

Mit dem turbulenten Schwank „No amol an Lausbua sei“ hat die Volksbühne Hergensweiler ihre Premiere gefeiert. Schon seit 76 Jahren wird das Laienschauspiel im Dorf gepflegt. Lea Schäfer schlüpfte zum ersten Mal in eine Rolle. Warum interessiert sich die 27-Jährige fürs derbe Volkstheater?

Noch eine gute Stunde bis der Gong zum Beginn des Theaterstücks ertönt: Lea Schäfer muss in die Maske. Schminken, die langen schwarzen Haare werden zu Zöpfen geflochten und damit die Frisur endgültig passt, arbeitet Maskenbildnerin Jessica Kiebele auch noch ein Pony-Toupet ein. Hinter der Bühne in der Leiblachhalle in Hergensweiler herrscht eine angespannte Heiterkeit. Zur Aufmunterung genehmigen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler noch ein Gläschen Sekt. 

„Nicht zu viel, sonst vergisst man den Text“,

sagt Beate Gruber-Knoll mit frischer Dauerwelle, die nachher als Bauersfrau Kathi auf der Bühne steht. Wie beim Friseur sitzen die Schauspielerinnen jetzt vor dem Spiegel und verwandeln sich in ihre Rollen. Der Schwank spielt im Jahre 1955, also orientieren sich Aussehen und Outfit an den 50er Jahren. Irgendwie wirken alle auf den ersten Blick ziemlich entspannt und ziemlich aufgeregt zugleich.

Frieda ist eine lustige und ruppige Braut

Lea Schäfer ist „ultra aufgeregt“. Es ist heute ihr erster Bühnenauftritt, die 27-Jährige spielt die „Frieda“, eine lustige, manchmal brutale, ruppige und derbe Braut. Eine Sprechrolle, die nicht ganz ihrem eigentlichen Naturell entspreche, gibt sie zu. „Aber als Schauspielerin muss man halt auch über den eigenen Schatten springen“, findet sie.

Große Theatertradition in Hergensweiler

Heute ist Premiere. Die Mitglieder der Volksbühne Hergensweiler führen das Stück „No amol an Lausbua sei“ auf. Ein turbulentes, heiteres Theaterstück in drei Akten. „Heute spielen wir mal wieder im Dialekt, schwäbisch-bayerisch“, erzählt Alfred Biesenberger. „Wir können aber auch Hochdeutsch, wenn es sein muss.“

Er übernimmt die Hauptrolle als Blasius Hesselberger. Gleichzeitig steckt er in einer Doppelrolle, weil er auch der erste Vorsitzende der Volksbühne Hergensweiler ist.

Der Theaterverein kann auf eine große Tradition zurückblicken. Seit 76 Jahren wird das Laienschauspiel in Hergensweiler gepflegt. Und seit gut 50 Jahren steht Alfred Biesenbergerer schon „mit großer Begeisterung“ auf der Bühne, wie er erzählt. Das nimmt man ihm auch ab, Charakterrollen spiele er besonders gerne. So wie heute den Bauer Blasius. Im feschen Janker, mit Lederhose und klobigen Holzschuhen ist er bereit für den Auftritt. 

„Das Publikum will was Lustiges erleben“

„Lausbua“ nennt man normalerweise einen frechen Jungen, der zu allerlei Streichen aufgelegt ist. Blasius Hesselberger ist schon ein älteres Semester, aber der „Lausbua“ ist eine Rolle, die zu ihm passt. Schon zum dritten Mal kommt das muntere Stück nach vielen Jahren Pause jetzt wieder auf die Bühne in Hergensweiler. 

Wichtig ist dem ersten Vorsitzenden auch, dass sie in dieser schwierigen Krisenzeit mit vielen Kriegen und Wirtschaftsflauten in der realen Welt heitere Stücke ins Programm aufnehmen. „Die Leute brauchen etwas zum Lachen, wollen an einem Abend etwas Lustiges erleben“, sagt er kurz vor der Aufführung. Bauer Blasius verkörpert ohne erkennbares Lampenfieber seine Rolle.

Bei Lea Schäfer ist das Lampenfieber schon eher spürbar. Für sie ist es heute spannend. Zünden die Gags, lachen die Zuschauer vielleicht an der falschen Stelle? Im Publikum sitzen lauter Freunde und Bekannte aus Hergensweiler und Umgebung. Das ist eine besondere Herausforderung.

Mutter Heike stand schwanger auf der Bühne

Eigentlich stand Lea Schäfer schon vor ihrer Geburt auf der Hergensweiler Bühne. Ihre Mutter Heike sei damals schwanger mit ihr gewesen, erzählt Lea. Die Mama spielte 1998 im Stück „Schwabenkinder“ mit und das muss wohl in Fleisch und Blut übergegangen sein. „Die Schauspielerei ist ein cooles Hobby“, sagt Lea. Informationswissenschaften hat sie studiert, sie arbeitete als Bibliothekarin und ist jetzt bei der Seilbahnfirma Doppelmayr in Wolfurt in Vorarlberg als technische Redakteurin beschäftigt. 

Sie sei der Heimat sehr verbunden, gibt sie zu – deshalb engagiert sie sich bei der Volksbühne. Im Musikverein Hergensweiler spielt sie Saxophon und an der Fasnet ist sie mit der Lumpenkapelle unterwegs.  Theater spielen ist für sie eine neue „wunderbare Abwechslung“. Schon früh half sie bei den Vorstellungen der Volksbühne an der Bar und hinter der Bühne mit, jetzt hat sie ihren großen Auftritt. 

Die 27-Jährige schlüpft in ihre Rolle der Frieda, hat im Stück mehrere Auftritte, muss sich dreimal umziehen und macht gleich zu Beginn ihrem Jakob (Kilian Biesenberger) den Hof. Sie macht ihm auch noch schöne Augen, doch der lässt sie kalt abblitzen und verliebt sich Hals über Kopf in Freundin Dorle.

Die Erfindung war leider nur erfunden

Es geht in dem turbulenten Schwank drunter und drüber. Verwirrungen, Täuschungen und Irritationen gibt es in Hülle und Fülle. Die Bubenstreiche zünden. Bauer Blasius lässt es mit einer Böllerkanone ordentlich krachen und behauptet, eine Hagel- und Gewittermaschine erfunden zu haben. Doch die Erfindung war leider auch nur erfunden. Ein ganzes Dorf fühlt sich betrogen und der Lausbua muss am Ende ordentlich büßen.

Lea Schäfer ist mit ihrem ersten Bühnenauftritt „ganz zufrieden“, wie sie hinterher erzählt. Keine Texthänger, obwohl die Souffleuse Bärbel Wilhelm immer präsent im Bühnenuntergrund war. In jedem Fall habe sie der „Theater vibe“ jetzt voll mitgenommen. Sie findet es wunderbar, dass ein kleines Dorf wie Hergensweiler eine solche Theatertradition pflegt. „Das ist eine echte Challenge.“

Am Donnerstag treffen sich alle Mitwirkenden nochmal zur Leseprobe, am Samstag um 20 Uhr steht dann in der Leiblachhalle die nächste „Challenge“ an.

Wann wird das Stück noch gespielt? Und wo gibt es andere Laienspiel?

Wer die Premiere versäumt hat, sollte sich die nächsten Termine notieren: Am Samstag, 13. Dezember, um 20 Uhr ist die nächste Aufführung in der Leiblachhalle in Hergensweiler. Bis zum Sonntag, 28. Dezember, sind weitere fünf Aufführungen geplant.

Laienspielgruppen in der Region feiern Premiere

Die Theatergruppe Oberreitnau feiert ihre Premiere zur Aufführung „Die Hochzeits(ver)planer“ am Freitag, 26. Dezember.

Die Hinterlandbühne Kressbronn startet mit dem Schwank „I glaub, I sieh doppelt“ am Freitag, 2. Januar, in die Theaterrunde.

Die Theatergruppe Oberdorf bringt am Samstag, 3. Januar, das Stück „Heisse Steine“ auf die Bühne.

„Die Dame vom Maxim“ hat am Samstag, 3. Januar, in Tettnang bei der Kolping Familie ihren großen Auftritt.

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