Hohe Anforderungen, mehr Arbeit
In manchen Kitas müssen Betreuungszeiten auch deshalb gekürzt werden, um Mitarbeitende nicht zu sehr zu belasten, schreibt Sybille Ehreiser, Sprecherin des Landratsamts. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf binden mehr Personal.
Die Anforderungen sind hoch, der Beruf ist mit viel Verantwortung verbunden. „Die Kinder werden herausfordernder“, sagt Susanne Roshdy, Leiterin der Kindertagesstätte Sankt Verena in Reutin. Sie können gut verstehen, wenn man den Beruf heutzutage nicht mehr machen möchte.
Einige Kinder bräuchten mehr Förderung – zum Beispiel bei der Sprache. „Trotzdem ändert sich nichts am Personalschlüssel“, kritisiert sie. In Susanne Roshdys Kindergarten sind zwei Stellen unbesetzt. Das bedeutet, dass 14 Plätze nicht belegt sind. Die Warteliste ist lang.
Lindau ist in keiner guten Lage
Das Personalproblem besteht bayernweit. Lindau steht aber durch seine Lage vor einer besonderen Herausforderung. Österreich und die Schweiz auf der einen und Baden-Württemberg auf der anderen Seite machen es nicht gerade leicht, Personal zu finden. Erzieherinnen können sich längst aussuchen, wo sie hingehen.
„Wir sind der letzte Zipfel“, sagt Leiterin Corina Zillgith, deren Kindergarten St. Maria in Zech sich kurz vor der Grenze zu Österreich befindet. Es gibt freie Stellen, aber keine Bewerbungen.
Die Arbeitsbelastung in den Einrichtungen fördert außerdem Fluktuation in andere Berufe. Obwohl Lindau eine Fachakademie für Sozialpädagogik hat, reicht das Personal vorne und hinten nicht aus. Viele Absolventinnen und Absolventen bleiben nicht in Lindau.
Wie aber das Problem lösen?
Um mehr Erzieherinnen einsetzen zu können, bildet die Stadt Lindau seit einigen Jahren eigenes Personal aus. „Wobei es aus städtischer Sicht nicht hilfreich ist, dass angehende Erzieherinnen und Erzieher in der vierjährigen Ausbildung erst im letzten Ausbildungsjahr bezahlt werden“, schreibt Stadtsprecherin Bettina Wind.
Situationen wie die in Zech seien Ausnahmen und „meist nur vorübergehend“, schreibt Robert Bläß von dem Kita-Zentrum St. Simpert. Es ist Träger der Zecher Kita St. Maria und einiger anderer in Lindau. Andere Kitas könnten St. Maria teilweise mit Personal unterstützen. Ansonsten setzte man auf Menschen mit pädagogischer Vorbildung oder auf die gezielte Schulung von Hilfskräften.
Mit einem Programm für Quereinsteiger versucht auch das Land Bayern das Problem zu lösen. Es ist bundesweit einzigartig. Menschen, die eigentlich einen anderen Beruf haben, werden weiter- und ausgebildet zur Erzieherin oder Hilfskraft.
Die Lindauerin Jana Schilling ist eine von ihnen. Eigentlich ist sie Hauswirtschaftlerin, jetzt arbeitet sie in der Kita Sankt Verena. Noch als Praktikantin. „Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten“, sagt sie. Dass es in der Branche gerade auch viele Probleme gibt, hat die 21-Jährige nicht abgehalten.