Die Wasserburger Gemeindekasse ist leer, und zwar komplett. Die bislang schuldenfreie Gemeinde muss einen Kredit von 2,6 Millionen Euro aufnehmen, um den Vermögenshaushalt auszugleichen.
Im Verwaltungshaushalt klafft ein Loch von zwei Millionen Euro. Um das zu stopfen, plant die Gemeinde, Steuern und Gebühren zu erhöhen und Ausgaben zu reduzieren. Einiges davon wird die Bürgerinnen und Bürger treffen. Manche Rätinnen denken zudem darüber nach, Gebäude zu verkaufen.
Festgezurrt ist noch nichts. Die Maßnahmen samt ihrer Auswirkungen sollen in der Haushaltssitzung, die voraussichtlich am 3. Juni stattfindet, vom kompletten Gemeinderat einzeln beschlossen werden. Kämmerin Veronika Yagussevich soll sie auflisten und deren Wirkung auf den Haushalt ausrechnen. Der Finanzausschuss hat sich am Montagabend mit verschiedenen Sparmöglichkeiten beschäftigt, die die Kämmerei vorschlägt.
Woher kommt das große Finanzloch?
Weil die Steuerkraft der Gemeinde in den vergangenen Jahren gut war, entfällt die Schlüsselzuweisung, erklärt Veronika Yagussevich am Montagabend. Dadurch fehlten 700.000 Euro. Die Schlüsselzuweisung ist eine Finanzierungshilfe vom Freistaat.
Ebenfalls wegen der guten Steuerkraft der vergangenen Jahre steigt die Kreisumlage, also der Beitrag, den die Gemeinde ans Landratsamt zahlen muss, um 1,5 Millionen auf 3,74 Millionen Euro.
Zudem muss Wasserburg 380.000 Euro Gewerbesteuer an Unternehmen zurückzahlen. „Das kann vorkommen, wenn die Vorauszahlungen tatsächlich höher waren, als was dann über den Steuermessbetrag des Finanzamtes mit unserem Hebesatz verrechnet wird“, erläutert Bürgermeister Harald Voigt auf Nachfrage.
Der Zuschuss, den die Gemeinden zum Umbau der Lindauer Kläranlage zahlen müssen, schlägt mit 1,3 Millionen Euro zu Buche. Dazu kommen Tarifsteigerungen beim Personal.
Zweiter Teil der Halbinselsanierung wird voraussichtlich auf 2028 verschoben
Die Halbinselsanierung ist in vollem Gange. Der Bereich um Seekrone und Kiosk ist so gut wie fertig, im September sollte es eigentlich im Bereich von Kreuzung, Festwiese und dem Uferweg weitergehen. Doch wie es aussieht, muss die Gemeinde jetzt die Notbremse ziehen. Die Kämmerin empfiehlt, den zweiten Bauabschnitt, der mit 5,5 Millionen Euro veranschlagt ist, bis 2028 zu verschieben.
„Ich schlage einen Workshop für eine Light-Version der Sanierung vor“, sagt Stephan Demmerer (fraktionslos). „Wir können das nicht als Baustelle lassen.“ Bauamtsleiter Jens Müller versichert, dass die Gemeinde sich noch um Optisches wie die Bepflanzung und Asphaltarbeiten kümmern werde. Auch der Parkplatz an der Festwiese soll wieder hergerichtet werden. „Das wird alles sehr ordentlich aussehen“, verspricht er.
„Wir können uns auch die Billigvariante nicht leisten“, sagt Michael Lohrmann (CSU).
Dass der zweite Bauabschnitt verschoben werde, sei ziemlich sicher, so Voigt auf Nachfrage von Kolumna. Schon jetzt müsse die Gemeinde Teile des Kredits nutzen, um Restzahlungen für den ersten Abschnitt der Halbinselsanierung zu leisten, erklärt er. Die bisherigen Sanierungsarbeiten kosten rund sieben Millionen Euro, etwa die Hälfte davon wird gefördert.
Auch für den zweiten Bauabschnitt wurden schon Förderungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro bewilligt, die Ausschreibungsunterlagen sind fertig, so Bauamtsleiter Jens Müller. Laut Voigt muss die Gemeinde nun schauen, dass sie den Förderzeitraum verlängert bekommt.
2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Mein verstorbener Vater Anton Seitz war langjähriger Wasserburger Bürger. Seit 1978. Kaum eine Gemeinderatsitzung hat er in den Jahren ausgelassen. Er wäre entsetzt über die neuen Entwicklungen in der Gemeinde Wasserburg.
Schon interessant zu lesen, wie offensichtlich recht plötzlich festgestellt wurde , dass man laut Kämmerei mehr oder weniger „Pleite“ ist und nun mit dieser plötzlichen Erkenntnis hastig alle möglichen Ausgaben- & Einnahmenstellschrauben bis zum Notverkauf von Gemeindeeigentum gedreht werden müssen. Mich wundert diese schon etwas bzw. ich frage mich, ob wir in unserer Gemeinde oder „Kämmerei“ wirklich funktionierende und zeitgemäße Planungs-/Steuerungssystem installiert haben, um bei derartigen Entwicklungen nicht schon sehr frühzeitig entgegen steuern zu können oder liegt es „nur“ an der unberechenbare hohe Kreisumlage?