Die Lindauerinnen und Lindauer haben ihren neuen Stadtrat gewählt – und die vordersten Plätze sind allesamt von Frauen belegt. Wer werden die Stellvertreterinnen oder Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Claudia Alfons?
Ein paar Tränen sind nach der OB-Wahl am Sonntagabend noch geflossen, erzählt Jasmin Sommerweiß. Doch am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder ein wenig anders aus: Bei der Stadtratswahl hat die CSU-Kandidatin mit großem Abstand die meisten Stimmen (6646) bekommen. „Das fängt einen dann doch ein bisschen auf“, sagt sie.
Als sie gemeinsam mit ihren Fraktionskollegen am späten Sonntagabend die ersten Ergebnisse der Stadtratswahl verfolgt habe, sei sie sehr gespannt gewesen, wie sich das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl auf ihre Fraktion auswirken würde. Die OB-Wahl hatte Amtsinhaberin Claudia Alfons mit deutlicher Mehrheit für sich entschieden.
Claudia Alfons,hier im Bild mit ihrem Vater, gewinnt die Wahl am Sonntag mit 64,3 Prozent der Stimmen. Ihre Kontrahentin Jasmin Sommerweiß bekommt nur 21,4 Prozent. Foto: Christian Flemming
Letztendlich hat die CSU, die sich vor knapp zwei Jahren mit den Jungen Aktiven (JA) zu einer Fraktion zusammengeschlossen hatte, einen Sitz verloren und 22,2 Prozent der Stimmen bekommen.
Damit liegt sie knapp hinter der Bunten Liste (22,4 Prozent) und ist nur noch zweitstärkste Fraktion, beide haben künftig sieben Sitze im Gremium.
Wieder mehr an einem Strang ziehen
Nicht mehr Teil des Stadtrats sind ab Mai CSU-Urgestein Thomas Hummler und der zweite Bürgermeister Mathias Hotz, der sich nicht mehr zu Wahl gestellt hatte. Neu ist der Oberreitnauer Jürgen Mayer.
Das sind die neu gewählten Rätinnen und Räte der CSU:
Ihre sieben Sitze sehe die CSU „als Auftrag, an unseren Themen weiterzuarbeiten“, sagt Jasmin Sommerweiß. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ihre Fraktion auch eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Stellvertretung von OB Alfons ins Rennen schicken. Ob sie das selbst sein wird, stehe noch nicht fest. „Ich habe mich damit noch nicht beschäftigt“, sagt die 33-Jährige. Am Montagabend treffe sich die Fraktion „für eine erste Analyse“.
Erschreckt habe sie das Ergebnis der AfD, die im Lindauer Stadtrat künftig drei anstelle von bisher einem Sitz belegen wird. „Wir müssen darüber sprechen, dass wir anderen demokratischen Parteien zusammenhalten“, sagt Sommerweiß.
Den Riss, der sich zuletzt zwischen CSU, Freie Wähler/Freie Bürger und Bunte Liste, SPD, BU, LI, FDP und ÖDP durch das Gremium zog, würde sie gern wieder kitten, wie sie sagt. „Da müssen die Jungen zusammenhalten.“
Dass das gelingen kann, zeigte bereits der Wahlabend. Als das Ergebnis der OB-Wahl feststand, waren unter anderem Mitglieder der Bunten Liste am Tisch der CSU zu finden. „Dass sie rübergekommen sind, fand ich stark“, sagt Sommerweiß.
Fünf Frauen haben die meisten Stimmen
Was die Gesamtzahl der Stimmen anbelangt, belegen auch die nächsten vier Plätze nach Sommerweiß allesamt Frauen. Es folgen von der Bunten Liste Laura Brombeis (4299), Ronja Bandte-Gebhard (4192) und Ulrike Lorenz-Meyer (4140) sowie die dritte Bürgermeisterin und SPD-Stadträtin Katrin Dorfmüller (4085).
Doch obwohl Frauen am Sonntag die stärksten Stadtrats-Ergebnisse erzielt haben: Insgesamt machen sie nach wie vor nur ein Drittel des Gremiums aus.
Bei der Bunten Liste sitzen in Zukunft mehr Frauen als Männer am Ratstisch. „Wir freuen uns sehr darüber, wie gut unsere Frauen abschneiden“, sagt Fraktionsvorsitzender Daniel Obermayr.
Noch in der Nacht hatten sich die Bunten mit der CSU ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, das seine Gruppierung am Ende mit knapp 600 Stimmen mehr für sich entschieden hat.
Das ist die Sitzverteilung im neuen Lindauer Stadtrat. Grafik: Stadt Lindau
„Es war sauknapp“, sagt Obermayr, der stolz darauf ist, dass die Bunten im Vergleich zu 2020 einen Stimmenzuwachs verzeichnen. Knapp einen Prozentpunkt mehr haben sie geholt und einen Sitz dazugewonnen. Wieder im Stadtrat sind all diejenigen, die die Gruppierung zuletzt im Gremium vertreten haben, neu dazugekommen ist mit Inga Brentel eine weitere Frau.
Das sind die neu gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Bunten im Stadtrat:
Dass die AfD künftig eine größere Rolle im Lindauer Stadtrat spielt, sei das einzige, was seine Freude dämpfe, sagt Obermayr. Er könne nicht nachvollziehen, „dass man mit so wenig Inhalt so viele Stimmen bekommt“.
Bunte wollen einen Bürgermeisterposten
Als stärkste Fraktion werden die Bunten „selbstverständlich“ einen Bürgermeisterposten für sich beanspruchen. Wer diesen letztlich ausfüllen werde, steht laut Obermayr noch nicht fest.
Die beiden Stellvertreterinnen oder Stellvertreter von Claudia Alfons müssen vorgeschlagen und dann vom Gremium gewählt werden. Bei der letzten Wahl gingen die Bunten leer aus. Auch damals waren sie stärkste Fraktion und hatten Ulrike Lorenz-Meyer sowohl für den Posten der zweiten als auch für den Posten der dritten Bürgermeisterin vorgeschlagen. Vom Stadtrat gewählt wurden letztlich Mathias Hotz (CSU) und Katrin Dorfmüller (SPD).
SPD spricht von „schrecklichem“ Ergebnis
„Ich habe keine großartigen Ambitionen, zu sagen, ich muss das unbedingt wieder machen“, sagt Katrin Dorfmüller. Dass die beiden stärksten Fraktionen die Vertreterposten für sich beanspruchen, stehe ihnen zu. „Die Bunte Liste hat wirklich gute Leute und einen tollen Wahlkampf gemacht.“
Jasmin Sommerweiß sollte einen Stellvertreterposten nach Ansicht von Dorfmüller allerdings nur dann in Anspruch nehmen, „wenn sie nicht die kommenden sechs Jahre Wahlkampf macht“.
Über das Ergebnis ihrer eigenen Fraktion sei sie traurig, sagt Dorfmüller. „Es ist schrecklich, dass wir so knapp einen Sitz verloren haben.“ Mit ihr vertreten künftig noch Angelika Rundel und als neues Gesicht Thomas Freitag die SPD im Stadtrat. Nicht mehr dabei sind Uli Gebhard und Gerhard Fehrer.
Das sind die neuen Rätinnen und Räte der SPD:
„Schrecklich“ findet Dorfmüller auch das Ergebnis der AfD, die ihren Anteil im Lindauer Stadtrat von einem auf drei Sitze erhöht hat.
Rothfuß überlegt jetzt schon, sein Mandat abzugeben
Rainer Rothfuß sieht das naturgemäß anders. „Ich bin hochzufrieden“, sagt der bislang einzige AfD-Stadtratskandidat. Neben Rothfuß wurden Robert Grübel und Ralf Weichelt in den Stadtrat gewählt. Er sei sicher, dass seine Fraktion in Zukunft dem Anspruch ihrer Wählerinnen und Wähler gerecht werde, so Rothfuß.
Er selbst glänzte im Lindauer Stadtrat in den vergangenen Jahren vor allem durch Abwesenheit. Wegen seines Mandats als Bundestagsabgeordneter sei er viel in Berlin. Er habe auf Listenplatz zehn kandidiert und nicht damit gerechnet, dass er ins Gremium gewählt werde, so Rothfuß.
Darum gebe es innerhalb der AfD schon jetzt die Überlegung, ob er zurücktritt. Nachrücker wäre Hubertus von Lüttichau.
Freie Bürger/Freie Wähler verlieren zwei Sitze
Zu den Verlierern der Stadtratswahl gehören die Freien Bürgerschaft und die Freien Wähler, die für die Wahl mit einer gemeinsamen Liste angetreten sind. Sie hatten vorher insgesamt fünf Sitze und haben jetzt zusammen nur noch drei.
Neue Gesichter kommen nicht dazu, nicht mehr im Stadtrat vertreten sind Günther Brombeiß (Freie Bürger) und Roland Manz (Freie Wähler).
„Die AfD ist extrem stark, das sind die Plätze, die uns fehlen“, sagt Annette Schäfler, die für die FB/FW die meisten Stimmen geholt hat. Wie viele Stimmen die AfD in manchen Stadtteilen gesammelt habe, sei erschreckend.
Ihre Verluste müssten die Freien Wähler/Freien Bürger „jetzt hinnehmen und das Beste daraus machen“.
Das sind die gewählten Vertreter der Freien Wähler/Freien Bürger:
Die Entscheidung, dass sich die beiden Gruppierungen zusammengeschlossen haben, sei trotzdem richtig gewesen, glaubt Schäfler. „Das reduziert die Zersplitterung im Stadtrat“, sagt sie. Nach dem Ausscheiden von Günther Brombeiß sei sie außerdem froh, mit Andreas Reich nun einen sehr erfahrenen Stadtratskollegen in ihrer Fraktion zu haben.
BU verzeichnet Zuwachs, FDP verliert einen Sitz
Die Bürgerunion hat ihr Ergebnis von 2020 verbessert und ist nun mit drei anstelle von zwei Sitzen vertreten. Ulrich Schöffel bleibt im Gremium, neu dazu kommen Stefan Rösler und Theodoros Kiapidis. Nicht mehr dabei ist Roland Freiberg.
Das sind die Rätinnen und Räte der BU:
Die FDP verliert einen Sitz und damit das Urgestein Ulrich Jöckel, der einzig verbliebene Stadtrat ist Florian Nüberlin. Die Lindau Initiative ist künftig dafür mit einem Sitz mehr und Thomas Ball vertreten. Die ÖDP behält ihren einen Sitz, den wieder Spitzenkandidatin Christiane Norff ausfüllen wird.
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