Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Puppenbauer Martin Gobsch habe das Team überzeugt, die optischen und technischen Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen zu können. Die Bühnenmaschinerie sei eigens für diese Inszenierung verändert und um etliche „Spielereien“ erweitert worden.
Schon als elfjähriger Bub hinter der Bühne
Es ist natürlich auch ein guter Anlass, auf den Start im Jahr 2000 zurückzublicken. Der gebürtige Bad Tölzer kam früh mit dem Marionettentheater in seiner Heimatstadt in Kontakt. Als elfjähriger Junge war er hinter der Bühne im Einsatz – und kam davon nicht mehr los.
Start mit der Oper „Die Entführung aus dem Serail“
Er bezeichnet es heute als großes Glück, dass die Stadt Lindau damals seine Idee und sein Konzept, eine Marionettenoper zu etablieren, voll unterstützte und eben auch die passenden Räumlichkeiten im Stadttheater zur Verfügung stellte. Mit 21 Jahren ging Bernhard Leismüller am 2. Juli 2000 mit der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ an den Start und entwickelte einen immensen Ehrgeiz, Oper sozusagen im Kleinformat, aber doch authentisch auf die Bühne zu bringen.
„Im Eröffnungsjahr wollten wir richtig was bewegen und präsentierten gleich vier Premieren.“ Die Akteure mussten zum Start allerdings viel Geduld mitbringen, schließlich wollte sich der Erfolg der Marionettenoper nicht sofort einstellen, obwohl sie mit viel Perfektion und Kreativität ans Werk gingen. „Wir haben auch vor drei Zuschauern gespielt“, erinnert sich Leismüller an den schwierigen Beginn.
96 Prozent Auslastung der Aufführungen
Heute, nach 25 Jahren, kann er von einer Erfolgsgeschichte sprechen. „Wir verzeichnen eine Auslastung im Schnitt von 96 Prozent.“ Darauf sind er und sein 20 Mitarbeiter starkes Team mächtig stolz und froh, dass die Stadt Lindau die Spielstätte im Theater Lindau mit 100 Plätzen ebenfalls unterstützt.
Auf Zuschüsse aus Kulturtöpfen will Leismüller nicht angewiesen sein. Förderverein und Sponsoren bringen sich finanziell ein, ansonsten könne er den Betrieb mit Eintrittsgeldern gut finanzieren und „damit auch überleben“.
Die künstlerische Freiheit ist ihm außerordentlich wichtig, wohl deshalb werden die Figuren und das Bühnenbild selbst entworfen und gefertigt.
Der Blick hinter die Bühne des Marionettentheaters ist beeindruckend. Da hängen insgesamt 500 Figuren im Fundus, die in insgesamt 16 verschiedenen Stücken im Einsatz waren oder in den derzeit zehn aktuellen Opern griffbereit sind.
Die Bühne liegt eine Etage tiefer, auf den verschiedenen „Spielbrücken“ lassen die Akteure buchstäblich „die Puppen tanzen“. Derzeit stehen zehn verschiedene Opern auf dem aktuellen Spielplan. „Die Fledermaus“, „Brandner Kasper“, „Schwanensee“ und „Zauberflöte“ – alles bekannte Opern, die Bernhard Leismüller und sein Team auch deshalb gerne anbieten, weil sie bekannt sind und das Publikum anziehen.
Marionetten werden lebendig
Bernhard Leismüller bezeichnet sich selbst als Perfektionist, als anstrengend und meint selbstkritisch: „Man kann es mir nicht immer recht machen.“ Der Erfolg in den vergangenen 25 Jahren gibt ihm recht. Die Puppenspieler wollen immer eine perfekte Illusion bieten.
„Wenn es uns gelingt, dass das Publikum glaubt, auf der Bühne stehen lebendige Sänger, die richtig atmen und sämtliche Gefühlsausbrüche beherrschen, dann haben wir alles richtig gemacht.“ Und dann ist auch Bernhard Leismüller zufrieden mit sich und seinem Team.