Der Club Vaudeville stellt sich wieder breiter auf in seinem Programmangebot. Mit „Cabaret con Carne“ aus München holt er eine bunte, schrille Mischung aus Magie, Comedy, Drag und Burlesque an den Bodensee.
Schön, dass der Club Vaudeville sein Repertoire vorsichtig wieder etwas ausweitet. Dass dies nicht gleich für überquellende Kassen sorgt, ist auch den Verantwortlichen klar. Der Auftritt von „Cabaret con Carne“ aus München hätte jedenfalls noch einige Gäste mehr vertragen.
Diejenigen, die den Weg in den Club gefunden hatten, wurden von Markus Laymann erwartet. Er ist Mitglied des magischen Zirkels von Deutschland und ehemaliger Vorsitzender des Clubs der Zauberer München.
Bei Cabaret con Carne ist er als Moderator für Magie und Comedy zuständig – und nicht etwa als Jurist, der er im Alltag ist. Sein Stil seiner Zauberei ist eher kabarettistisch als ernsthaft magisch zu verstehen. Da scheint schon mal etwas danebenzugehen. In solchen Momenten brilliert er dann mit seiner Schlagfertigkeit, die allerdings einmal in Gefahr geriet: Ein Zuschauer, den er auf die Bühne geholt hatte, legte seinerseits unverzagt los – zur Freude des Magiers wie auch des Publikums. Nein, bierernst geht es da nicht zu.
Hier gibt es die Bilder des Abends zum Durchklicken:
Vielmehr steht die Auflösung oder Verschmelzung traditioneller Rollen und/oder Geschlechter im Fokus des Abends, der zusätzlich mit der ukrainischen Opernsängerin Samantha Jackson musikalische Schwerpunkte setzte. So mit Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ oder mit einer Arie aus der Oper Carmen, bei der Samantha, eh schon riesig, noch in gefühlt halbmeterhohen Absätzen und Sohlen auf die Bühne schwebt. Oder ist das gar keine Frau?
Mit Vicky Voyage, die als Schneekönigin die Welt der Musicals repräsentiert, ist eine bezaubernde Schönheit auf der Bühne, die auch an der Pool-Dance-Stange beeindruckt. Unterstützt wird sie von Ruby Tuesday, die zwei Spraydosen schattengleich bedient. Und dann tritt Vicky erneut auf, perfekt aufgetakelt, und was passiert? Sie demaskiert sich im wahrsten Sinne, trennt sich vom dekorativen Kleid, den Stiefeln, schminkt sich ab und am Schluss bleibt ein zarter junger Mann im Adamskostüm auf der Bühne übrig.
Und Ruby Tuesday? Sie bezaubert als Burlesque-Tänzerin ein ums andere Mal, aber auch ihre Verwandlung steht bevor. Dann nämlich, als Ruby als Mann das Macho-Gehabe von Männern tänzerisch auf die Schippe nimmt, sich einem Kleidungsstück nach dem andern entledigt, bis auf die Unterhose, auf deren Rückseite eindrucksvoll „Man“ zu erkennen ist, Ruby aber jetzt ihre Brüste unverziert zeigt.
Alles scheint zu verschmelzen, die Frage schwebt im Raum, ob das alles nun Magie, Traum, Alptraum, verdrehte Wirklichkeit oder Realität ist. Die Frage darf sich jeder selbst beantworten oder nach der Vorstellung mit den Künstlern ausdiskutieren, denn die stehen nach Ende im Foyer gerne bereit für Selfies und Gespräche.