Wofür gibt die Stadt das meiste Geld aus?
Es gibt viele Ausgaben, die auf die Stadt zukommen. „Wir haben zum ersten Mal Investitionen im Bereich der Schulen“, freute sich Oberbürgermeisterin Claudia Alfons im Stadtrat am Mittwochabend. Darum habe man viele Jahre gerungen. Für welche größeren Projekte die Stadt 2025 Geld ausgibt:
- Mittelschule (Standort Reutin): 1,15 Millionen Euro
- Grundschule Aeschach: 800.000 Euro
- Stadtmuseum Cavazzen: 3 Millionen Euro
- Museale Strukturen: 1,96 Millionen Euro
- Kita Zech: 700.000 Euro
- Brückensanierung und -erneuerung: 500.000 Euro
Das Problem mit der Kreisumlage
Eine „bittere Pille“ ist laut Kämmerin Birgitt Richter die Kreisumlage. Das ist eine Art Mitgliedsbeitrag, den eine Stadt oder Gemeinde an den Landkreis zahlen muss. „Sie belastet den Haushalt erheblich“, so die Kämmerin. Der Landkreis plane, die Steuer um vier Prozentpunkte anzuheben.
„Knapp ein Fünftel des Verwaltungshaushaltes entfallen alleine auf die Kreisumlage“, sagte Katrin Dorfmüller (SPD) in ihrer Haushaltsrede. Dies sei eine enorm hohe Summe, die durch die Stadt nicht mehr zu schultern sei.
Wie sind die Meinungen der Stadtrats-Fraktionen zum Haushalt?
Viele Stadträtinnen und Stadträte haben den Haushalt und die Arbeit der Verwaltung in ihren Reden gelobt. Vor allem die Investitionen in die Schulen, die anstehende Wiedereröffnung des Cavazzen und die Tatsache, dass der Haushalt ausgeglichen ist, empfanden sie als positiv.
Der Stadtrat habe gemeinsam konsolidiert und müsse den Haushalt jetzt auch umsetzen, sagte Katrin Dorfmüller (SPD) in ihrer Rede. Schließlich handele es sich um Pflichtaufgaben und nicht um Angelegenheiten, die „nice to have“ sind.
Neben Laura Brombeis (Bunte Liste), Jasmin Sommerweiß (CSU), Christiane Norff (ÖDP) war sie eine von vier Frauen, die eine Haushaltsrede hielt. Das hat es im Lindauer Stadtrat wohl noch nie gegeben.
Kritik gab es vor allem aus den Reihen der CSU. Die Fraktion stimmte als einzige gegen den Haushalt. „Nicht weil wir gegen Konsolidierung sind – sondern weil wir echte Konsolidierung fordern“, sagte Jasmin Sommerweiß in ihrer Haushaltsrede.
Sie forderte eine bessere Zusammenarbeit im Stadtrat und kritisierte zu hohe Ausgaben, die „das solide Fundament“ gefährden. Es gebe zwar Lichtblicke, wie Investitionen in die Feuerwehr, die baldige Eröffnung des Cavazzens oder Fortschritte bei den Schulen. „Aber große Projekte, wie die Einhäusigkeit der Mittelschule, bleiben auf der Strecke.“
Günther Brombeiß (Freie Bürgerschaft) findet die Politik der Stadt nicht nachhaltig. Seine Fraktion hält die Auflösung der Regiebetriebe für einen Fehler. Zwar seien erhebliche Beiträge in den Kernhaushalt geflossen, allerdings nur einmalig. Viele Entscheidungen seien von seiner Fraktion nicht mitgetragen worden.
Handwerklich sei der Haushalt ordentlich ausgearbeitet und vorbereitet, „politisch aber grenzt er an einen Schlussverkauf“, sagte Andreas Reich (Freie Wähler). Dieser Haushalt sei nur möglich, weil aus Rücklagen und Einmaleffekten zugeschossen werde. Große Investitionen seien auf 2027 verschoben worden. „Und werden dann nur schwer oder gar nicht mehr zu leisten sein.“
Roland Freiberg (Bürgerunion) nennt den Haushalt „wie auch der Vorjahreshaushalt ein Sparhaushalt.“ Denn er sehe nur dringende Investitionen und die Bewältigung der Pflichtaufgaben vor.
Warum wurde über gestiegene Personalkosten diskutiert?
Am meisten Geld gibt die Stadt aktuell für Personal aus – und zwar rund 21 Millionen Euro. Grund dafür ist laut Verwaltung die verpflichtende Ganztagsbetreuung an Grundschulen ab 2026 und Personalbedarf in Kitas. Auch im Cavazzen brauche man für die Wiedereröffnung im Mai mehr Mitarbeitende. „Außerdem gibt es bei den Gehältern eine Tarifsteigerung um drei Prozent“, sagte Kämmerin Richter.
Die Meinungen im Stadtrat zu den Personalkosten gingen auseinander. „Ihr tut euer Bestes und dafür habt ihr jede Gehaltserhöhung verdient“, sagte Laura Brombeis (Bunte Liste).
Beim Personal werde zu viel Geld ausgegeben, sagte Jasmin Sommerweiß (CSU). In den letzten vier Jahren seien viele neue Stellen geschaffen worden. Prozesse und Abläufe sollten eher verschlankt werden.
Christiane Norff (ÖDP) befürwortet, dass es neue Stellen gibt. Somit werde dem zu erwartenden Personalverlust durch Ruhestand entgegengewirkt und der Umbau in eine zukunftsfähige Verwaltung unterstützt.
Wie geht es in den kommenden Jahren weiter?
Über Jahre hat die Stadt Schulden angesammelt und sie bleiben. „Unser Schuldenstand ist die größte Schwachstelle“, sagte die Kämmerin. Die Schulden sprengten künftige Haushalte und lähmten sie.
Und das, obwohl in den nächsten Jahren große Investitionen anstehen, wie Zuschüsse für Kitas oder der Umbau der Köchlinkreuzung. Nur durch neue Kredite oder mit dem Verkauf von weiteren Grundstücken kann die Stadt sich das leisten, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Finanzielle Spielräume sind nicht erkennbar.“
Nachdem der Haushalt jetzt vom Stadtrat beschlossen wurde, wird er der Rechtsaufsicht vorgelegt. Die muss den Haushalt genehmigen. „Aus meiner Sicht ist der Haushalt genehmigungsfähig“, sagte Kämmerin Birgitt Richter.