Räte und Eltern einigen sich bei Kitagebühren – Eine Krippengruppe wird aufgelöst

Kinder auf einem Boden.
Kinder in einem Kindergarten.
Symbolbild: Canva

Statt „um jede fünf Euro zu kämpfen“ soll nun umstrukturiert werden. Wie die Gemeinde nun 350.000 Euro „generieren“ will.

Das Thema Kita-Gebühren hatte in Wasserburg für so viel Aufregung gesorgt, dass der Gemeinderat für seine Sitzung am Mittwochabend extra ins Bürgerbegegnungshaus umgezogen ist. Um Platz zu haben, für die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer, die erwartet wurden. Gekommen sind zwei. Einer davon vertrat die Eltern.

Der Gemeinderat schmiss nochmal alles um – und ging in einigen Punkten auf die Wünsche der Eltern ein. Vergangene Woche hatten sich die dritte Bürgermeisterin Beate Meßmer (CSU) und Sozialbeauftragte Birgitta Enderle-Kling (Freie Bürgerschaft Wasserburg) mit den Leiterinnen von Kindergarten und Krippe sowie Elternvertreterinnen zu einem ausführlichen Gespräch getroffen. Kolumna hat darüber bereits berichtet, den Text findet ihr hier.

Das Treffen war notwendig geworden, weil sich viele Eltern über die geplanten Gebührenerhöhungen der Gemeinde geärgert hatten. Bei den Haushaltsberatungen vor ein paar Wochen hatte Kämmerin Veronika Yagussevich unter anderem vorgeschlagen, die Kita-Gebühren um 30 Prozent anzuheben. 

Die Wogen scheinen sich beruhigt zu haben

Nachdem Kolumna über das Thema berichtet hatte, überreichte der Elternbeirat der Gemeinde einen offenen Brief, der von 75 Familien unterstützt wurde. Und bei der Bürgerversammlung standen zwei Mütter auf und kritisierten die Pläne öffentlich. Die Wasserburger Kitas gehörten ohnehin schon zu den teuersten, mit der Erhöhung würden sie zum Spitzenreiter, lautete ein Argument.

Mittlerweile scheinen die Wogen wieder geglättet. „Wir haben für viele Themen einen Konsens gefunden“, hatte Beate Meßmer bereits im Gespräch vor der Sitzung am Mittwochabend gesagt.

Auf Vorschlag der Eltern hat sich die Gemeinde auf ein vom Einkommen abhängiges Stufenmodell eingelassen. Demnach soll die Gebührenerhöhung für Familien, deren Jahresverdienst unter 80.000 Euro brutto liegt, niedriger ausfallen als für diejenigen, die mehr verdienen, erklärte Meßmer ihren Ratskolleginnen und -kollegen. „Familien, die weniger verdienen, müssen der Gemeinde einen Nachweis bringen.“ 

Auch auf die Bitte der Eltern, dass die Gebührenerhöhung nicht prozentual, sondern in absoluten Summen erfolgen soll, ging die Verwaltung ein. Eine prozentuale Erhöhung hätte vor allem die Eltern getroffen, die lange Betreuungszeiten benötigen.

Der Gemeinderat entschied sich am Ende sogar einstimmig für die Summen, die die Eltern vorgeschlagen hatten (die stehen im Kasten am Ende des Texts). Die Verwaltung hatte deutlich höhere Summen vorgeschlagen.

Hohes Defizit pro Kind und Jahr

Allerdings müssten manche Familien jetzt auch Zeitfenster buchen, die sie nicht ganz ausnutzen, argumentierte Birgitta Enderle-Kling für die Eltern. Denn anstelle von sechs sind jetzt nur noch vier Buchungsmodelle möglich.

„Es werden Wochenstunden gebucht, in denen sich die Eltern flexibel bewegen können“, erklärte Doreen Falge, Gesamtleiterin der Wasserburger Krippen und Kindergärten, in der Sitzung. Bis zu 43 Stunden pro Woche sind möglich. Auf Wunsch der Eltern öffnen die Wasserburger Kindertageseinrichtungen jetzt außerdem einheitlich um 7 Uhr in der Früh.

„Wir haben dieses Jahr pro Kind ein Defizit von 10.000 Euro“, sagt Stefan Hanser (CSU). Dass das keine Dauerlösung sein kann – darin waren sich die Rätinnen und Räte einig. „Wir sollten jetzt aber nicht um jede fünf Euro kämpfen, sondern die Eltern dafür belohnen, dass sie diesen Weg mit uns mitgehen“, sagte Birgitta Enderle-Kling, die ohnehin davon überzeugt ist: Größeres Einsparpotenzial habe die Gemeinde, wenn sie innerhalb der Kitas umstrukturiert. „Wir brauchen nicht so viele kleine Satelliten, sondern mehr Blöcke und bessere Buchungsstrukturen.“

Krippenräume in der Nonnenhorner Straße werden aufgegeben

In Wasserburg gibt es drei verschiedene Kindertageseinrichtungen im Ortskern, Hattnau und Hege. Weil der Platz knapp wurde, hatte die Gemeinde 2023 zudem in der evangelischen Kirche weitere Räume für die Betreuung von Krippenkindern angemietet – als Übergangslösung.

„Wir werden die Krippe in der Nonnenhorner Straße schließen“, verkündete die dritte Bürgermeisterin Beate Meßmer am Mittwochabend. Zusammen mit den Gebührenerhöhungen könne die Gemeinde dadurch 350.000 Euro generieren, die in den angespannten Haushalt fließen.

Der Mietvertrag mit der evangelischen Gemeinde laufe Ende des Jahres aus, erklärt Wasserburgs Bürgermeister Harald Voigt auf Nachfrage. „Der Betrieb wird noch in das neue Kitajahr hineinlaufen, da die dort untergebrachten Kinder nicht vorher in den Kindergarten wechseln können.“ Die Krippengruppe werde dann Ende Oktober eingestellt.

Die vier Krippenkinder, die ab dem 1. September einen Platz in der Nonnenhorner Straße gehabt hätten, kommen in den Krippen Hattnau und Hege unter. Damit werden die Gruppen dort etwas größer, das Landratsamt habe das aber bereits genehmigt. 

So sehen die neuen Kitagebühren aus

Die Betreuung eines Kinds in einer Wasserburger Krippe wird für Eltern unter der Bemessungsgrenze von 80.000 Euro brutto jetzt pro Monat zwischen zehn und 25 Euro teurer, bei der längsten Buchungszeit gibt es keine Erhöhung. Bei Eltern, die mehr als 80.000 Euro brutto verdienen, liegt die Gebührenerhöhung bei 40 Euro im Monat.

Eltern von Kindergartenkindern zahlen jetzt pro Monat 15 Euro mehr, wenn sie unter der Bemessungsgrenze liegen, und 30 Euro mehr, wenn sie darüber liegen.

Umbuchungen der Betreuungszeiten sind jetzt nur noch zu Beginn oder zur Halbzeit des Kitajahrs möglich, ansonsten kosten sie 70 Euro. Und der Geschwisterbonus wird auf 25 Euro pro Kind reduziert. Vorher bekam das zweite Kind 25 Euro, das dritte 50.

In der Sitzung wurden auch die Gebühren für die Mittagsbetreuung um 15 Prozent erhöht.

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