Vor beiden Standorten der Grundschule Reutin-Zech stehen regelmäßig zu viele Autos von Eltern. Es kommt zu gefährlichen Situationen. Nun hat der Elternbeirat eine Aktion rund um Elterntaxis organisiert. Neben vielen Eltern und Kindern in Warnwesten war auch die Polizei vor Ort. Wie lässt sich das Problem lösen?
Schon vergangenes Jahr veranstaltete der Elternbeirat der Grundschule in Zusammenarbeit mit der Stadt und Polizei eine „Verkehrswoche“, um auf das Problem der Elterntaxis aufmerksam zu machen. Durch die Aktion verbesserte sich die Bring- und Abholsituation der Kinder kurzfristig, eine nachhaltige Verbesserung des Verkehrs ist laut der stellvertretenden Schulleiterin Christine Schwemer aber nicht eingetreten.
Nun versuche der Elternbeirat über die Kinder an die Eltern zu gelangen, erzählt die Vorsitzende des Elternbeirats Daria Ehrmann. Mit gelben Karten machten die Schulkinder auf Fehler und gefährliche Situationen aufmerksam.
Autos stehen direkt vor der Schule
Das größte Problem ist, dass die Eltern direkt vor der Schule parken. „Dort stehen dann zu viele Autos. Das gibt ein richtiges Chaos“, erklärt Schwemer.
Vor der Grundschule in Reutin gibt es einen Lehrerparkplatz (auf der Karte mit blauem Rechteck markiert), von dem aus man über einen kurzen Weg direkt zum Eingang des Gebäudes gelangt. Eigentlich dürfen Eltern dort nicht halten oder parken – dennoch stehen dort zu Unterrichtsbeginn und -ende regelmäßig Autos.
Zwar erreichen die Kinder den Eingang der Schule sehr schnell, allerdings müssen sie auch die Straße überqueren, auf der sich dann besonders viele Autos und Kinder befinden.
Ausparken wird zur Gefahr für Schüler
Wie gefährlich die Situation werden kann, sei den wenigsten Eltern tatsächlich bewusst. „Wir hatten schon mal ein Kind, das fast überfahren wurde“, sagt Schwemer. Beim rückwärts Ausparken vom Lehrerparkplatz habe ein Elternteil das Kind nicht gesehen, das hinter dem Auto gelaufen ist. Noch dazu kommt: Eigentlich dürfen Eltern nicht auf dem Lehrerparkplatz halten.
Zwar gibt es seit einiger Zeit eine Überquerungsinsel vor dem Lehrerparkplatz in der Bazienstraße. Daria Ehrmann nennt sie aber eher eine „Rettungsinsel“. Denn die Gefahr bestehe trotz der Insel nach wie vor. Im Schulwegplan der Stadt ist die Stelle als „Gefahrenstelle“ markiert.
Reutiner Straße ist testweise gesperrt
Oft haben Eltern auch in der Reutiner Straße direkt neben der Schule geparkt. Grundsätzlich war das eine Entlastung für den Knotenpunkt direkt vor dem Lehrerparkplatz.
Aber auch dort ist es zu gefährlichen Situationen gekommen. „Manche haben später beim Ausparken teilweise den Gehweg neben den Parkplätzen befahren“, sagt der Lindauer Polizist Peter Kraus bei der Aktion vor der Schule.
Um die Situation zu entschärfen, wurde die Straße mit Pfosten für Autos gesperrt. Die Stadt hat die Barriere nur testweise eingerichtet und befragt Bürgerinnen und Bürger dazu.
Durch die Pfosten hat sich das Problem allerdings verlagert. Autos wenden nun vor dem Lehrerparkplatz oder dem Eingang zur Sporthalle (rot markierte Flächen in der Abbildung oben). „Wenn Kinder gerade aus der Sporthalle kommen und die Autos in dem engen Bereich wenden, ist das sehr gefährlich“, meint Schwemer.
Zwar habe sich die Situation für Schulkinder in der Reutiner Straße laut einer Anwohnerin entspannt, das Problem besteht nun aber konzentrierter direkt vor der Schule. Eine Entlastung ist die Sperrung also nur teilweise.
In Zech ist die Situation etwas entspannter
An der Grundschule in Zech ist das Problem der Elterntaxis mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm. Dort habe man neue Schilder aufgestellt, um auf bestehende Regeln und besonders enge Bereiche hinzuweisen, sagt die Vorsitzende des Elternbeirats. Daraufhin habe sich die Situation etwas entspannt.
Die Idee mit den Schildern wurde auch an der Schule in Reutin getestet – wegen der besonderen Situation des Lehrerparkplatzes haben diese dort aber noch nicht viel bewirken können.
Bewegungspass soll Kinder zum Laufen animieren
Um Kinder zu mehr Eigenständigkeit im Verkehr zu bewegen, probiert sich die Schule an dem Bewegungsprojekt „SpoSpiTo“. Sport, Spiel und Toben sollen hier verbunden werden. Jeden Tag, an dem die Kinder gelaufen, Fahrrad oder Roller gefahren sind, bekommen sie einen Stempel. So motivieren sie sich selbstständig, erklärt Daria Ehrmann.
Man müsse den Kindern aber auch Verkehrsregeln beibringen, sagt Polizist Kraus. Einige Kinder laufen beispielsweise direkt über die Straße, anstatt einen kleinen Umweg über den Zebrastreifen zu nehmen. Bei Grundschulkindern sei das besonders gefährlich, da sie zwischen parkenden Autos nicht erkennbar sind, sagt Kraus.
Mit Bewegung in die Schule
Laut dem Polizisten sei es am besten, wenn die Kinder zu Fuß oder mit dem Rad in die Schule kommen. So macht es auch ein Junge aus der vierten Klasse, der bei der Aktion dabei ist. Er habe gerade seinen Fahrrad-Führerschein bekommen, erzählt er. Meistens begleiten ihn seine Eltern aber noch mit dem Fahrrad bis zur Schule.
Trotzdem werden immer noch viele Kinder zur Schule gefahren
Und was bleibt nach der Schulweg-Aktion? Auch wenn die Kinder und Eltern viel gelernt haben, halten noch immer viele Autos am Morgen und Mittag vor der Schule „Es ist traurig, dass es den Eltern nicht so wichtig ist“, findet die Vorsitzende des Elternbeirats, Daria Ehrmann. Sie könne kaum verstehen, warum allgemein immer mehr Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren werden.
Manchmal liegt die Schule auf dem Arbeitsweg der Eltern, oft ist den Eltern aber besonders die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg wichtig.
Es gebe in den allermeisten Fällen andere Möglichkeiten, als die Kinder mit dem Auto zu bringen, ist die stellvertretende Rektorin der Grundschule, Christine Schwemer, überzeugt.
Das Sicherheitsgefühl entspringe einem Widerspruch: Viele Autos vor Schulen sorgen für weniger Sicherheit – obwohl Eltern ihre Kinder oft mit dem Auto fahren, damit sie sicher zur Schule kommen. Laut Ehrmann sei das Wichtigste, „dass mehr Rücksicht auf die kleinsten Verkehrsteilnehmer genommen wird“.