Ehemaliges Felix-Wankel-Institut steht für 16 Millionen Euro zum Verkauf

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Lindau
Luftbild von einem außergewöhnlichen Gebäude.
Das Immobilien-Unternehmen Engel&Völkers bietet das ehemalige Felix-Wankel-Insitut zum Verkauf an.
Foto: Engel & Völkers

Erst vor rund fünf Jahren hatte die Obrist-Gruppe das Industriedenkmal gekauft und saniert. Jetzt braucht das Unternehmen Geld, um in seine Technologie zu investieren. Eine Chance, das Gebäude doch zu behalten, gibt es aber noch.

Als die Obrist-Gruppe 2020 das ehemalige Felix-Wankel-Institut in Lindau kaufte, war das nicht nur eine unternehmerische Entscheidung. Es gab auch eine starke emotionale Verbindung. Der österreichische Unternehmer Frank Obrist war einer der letzten Mitarbeiter des Lindauer Erfinders Felix Wankel.

In dem futuristischen Gebäude war ab den 1960er-Jahren an der Entwicklung des berühmten Wankel-Motors gearbeitet worden. Nun sollten Entwickler und Erfinder wieder Raum für zukunftsweisende Ideen und Lösungen bekommen.

Gerade einmal fünf Jahre später steht das Institut wieder zum Verkauf, wie das Immobilienmakler-Unternehmen Engel & Völkers in einer Pressemitteilung verkündet. Die Firma sei exklusiv mit der Vermarktung der unter denkmalschutz stehenden „Sonderimmobilie“ beauftragt, die für einen Kaufpreis von 16 Millionen Euro über den Tisch gehen soll.

„Unternehmen oder private Investierende haben hier die einmalige Gelegenheit, eine architektonische Ikone mit historischer Bedeutung zu erwerben“, wird Richard Jennewein, Geschäftsführer von Engel & Völkers am Bodensee, zitiert. Ein Käufer könne das Objekt auf Wunsch leer oder vermietet übernehmen.

Suche nach Investoren schwieriger als gedacht

Bei der Obrist-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Lustenau hat, ist man von der Pressemitteilung überrascht. Marketing-Chef Thorsten Rixmann bestätigt den Verkauf allerdings auf Nachfrage von Kolumna. 

Die Obrist-Gruppe braucht Geld, „um weitere Investitionsmittel für die weitere Firmenentwicklung zur Verfügung zu stellen“. Zuletzt hatte das Unternehmen nach Investoren gesucht, „die unseren Weg in die Zukunft der Energieversorgung mit unterstützen wollen“, sagt er.

Für die nächsten Schritte seien niedrige, zweistellige Millionen-Beiträge notwendig. Die Suche nach Investoren dauere allerdings länger als gedacht.
Eine große Halle mit abgedackten Autos.
Im Showroom des Felix-Wankel-Instituts stehen Protoypen.
Foto: Engel&Völkers
Foto von einem futuristischen Haus
Besonders markant ist der große Turm am Gebäude.
Foto: Engel&Völkers

Seiner Ansicht nach hängt das mit der politisch-wirtschaftlichen Situation in Europa zusammen. „Die Politik in Europa geht Richtung Verbrenner-Verbot.“ Doch die Innovation, mit der sich die Obrist-Gruppe in ihrem Lindauer „Tech Center“ beschäftigt, hängt mit einem Verbrenner-Motor zusammen. „Aber eben mit einem guten.“

Die Obrist-Gruppe hat das sogenannte „aFuel“ entwickelt. Das ist ein synthetischer Kraftstoff auf Methanolbasis. Dessen Produktion soll der Atmosphäre mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) entziehen als beim Autofahren ausgestoßen wird. Dadurch wäre der Kraftstoff klimafreundlich.

Um den neuen Kraftstoff zu nutzen, hat Obrist ein serielles Antriebskonzept entwickelt. In sogenannten Hyper-Hybrid-Motor wirken ein Akku und ein Zwei-Zylinder-Motor, der Strom erzeugt, zusammen. In der Praxis tankt man einen kleinen Verbrenner-Motor, fährt dann aber mit einem Elektromotor.

Eine kleine Chance gibt es noch

Zuletzt hatte die Obrist-Gruppe verkündet, sie stehe kurz davor, dass ein Automobilhersteller mit dem Konzept in Serienproduktion gehe. Das habe nicht geklappt, erklärt Rixmann auf Nachfrage. Der Hersteller forsche nun selber an einer ähnlichen Technologie. „Dafür sind wir jetzt mit einem Autohersteller in China an Vertragsverhandlungen für den Hyper Hybrid.“ 

Geplant ist zudem, große Anlagen zu bauen, um das „aFuel“ in großer Menge herzustellen. Unter anderem dafür sei das Geld der Investoren – oder eben aus dem Verkauf des Gebäudes – gedacht. 

Aufgeben will das Unternehmen seine größte Erfindung nicht, wie Rixmann auf Nachfrage sagt. Mit dem Verkauf des Wankel-Gebäudes solle die gesamte Firmengruppe erhalten und die Technologie weiterentwickelt werden. „Wir sind davon überzeugt und werden dranbleiben, wenn auch vielleicht zunächst in einer abgespeckten Variante.“

Vom jeweiligen Käufer hänge letztlich ab, ob die Obrist-Gruppe weiter als Mieter im Wankel-Gebäude und damit in Lindau bleiben kann oder ob Bereiche in andere Industriegebäude in Österreich ausgelagert werden.

Auch die Chance, dass die Obrist-Gruppe das futuristische Gebäude am Wäsen behält, ist laut Rixmann noch nicht vom Tisch. „Wenn wir bald Investoren finden, ziehen wir den Verkauf zurück.“

Daten und Fakten zu Gebäude und Grundstück

Das Grundstück, auf dem sich das ehemalige Felix-Wankel-Institut befindet, hat laut Engel & Völkers eine Größe von knapp 10.000 Quadratmetern, „davon sind circa 2000 Quadratmeter Fläche im See“, heißt es. Die Bruttonutzfläche des Gebäudes umfasse rund 1200 Quadratmeter auf zwei Geschossen und dem dritten Geschoss des Turms. „Das zweite Geschoss kann zur Hälfte als Wohnung genutzt werden.“ Zum Haus gehören Garagen, Parkplätze und Ladestationen.

Felix Wankel selbst hat das futuristische Gebäude entworfen, gebaut und betrieben wurde es von der Fraunhofer-Gesellschaft. Es wurde 1961 fertig. Wankel arbeitete dort an der Entwicklung des nach ihm benannten Wnkelmotors. Nach seinem Tod ging das Gebäude in den Besitz der Felix-Winkel-Stiftung über, die es ab 1997 zum Verkauf anbot. Zwei jahre später übernahm es die Volkswagen Group.

Seit 2004 steht das Haus unter Denkmalschutz. 2008 übernahm es die Audi AG, seit 2013 wird es von einem Oldtimer-Club für Treffen und Präsentationen genutzt. Laut der Mitteilung von Engel & Völkers übernahm die Obrist-Gruppe das Gebäude 2020 und sanierte es. Seitdem ist deren „Tech Center“ dort untergebracht.

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