Die Restauratorin Sigrid Langowski hilft alten Möbeln wieder zu strahlen

Sigrid Langowski ist Möbelrestauratorin mit Leidenschaft
Foto:Theresa Gosch

Sigrid Langowski führt seit zehn Jahren eine eigene Restaurationswerkstatt in Lindau. Bereits mit 24 Jahren hat sie sich selbstständig gemacht und ihre erste Werkstatt geführt. Warum sie die Restauration so liebt.

Wer die kleine Restaurationswerkstatt von Sigrid Langowski im Zeughausgässele betritt, wird direkt vom Duft von Möbelpolitur, Bienenwachs und altem Holz begrüßt. Schränke, Beistelltische und Kommoden nehmen jede freie Fläche ein. Manche davon bereits glänzend und frisch restauriert, andere warten noch auf ihr neues Gewand. Auf einer alten Herdplatte dampft die frisch geschmolzene Politur, alte Bodendielen knarzen bei jedem Schritt.

Sigrid Langowski ist Möbelrestauratorin aus Leidenschaft. Hauptsächlich sind es Erbstücke, die sie für ihre Kunden wieder herrichtet. Vaters alter Schreibtisch, der Sekretär des Urgroßvaters oder Omas schöne Bilderrahmen landen in ihrer Werkstatt. Langowski repariert fehlende Ecken und Risse, malt Verzierungen nach und versieht jedes Stück mit einer neuen Politur.

Ein Beruf, der erfüllt

Am liebsten restauriert die ausgebildete Tischlerin kleine Kommoden. Dabei sei der Vorher-Nachher-Effekt am besten zu sehen. „Das Schönste ist natürlich, wenn die Kunden dann strahlen“, sagt die Restauratorin. Und auch für sie selbst sei es toll, dass sie abends immer zu sehen, was sie am Tag gemacht hat.

Das macht sehr zufrieden

,erzählt sie.

Sigrid Langowski ist ausgebildete Tischlerin. Foto: Theresa Gosch

 

Langowski stellt in ihrer Werkstatt keine eigenen Möbel her. Das liegt daran, dass sie zwar eine Ausbildung absolviert, allerdings keine Meisterprüfung abgelegt hat. Eigentlich dürfte sie ohne Meistertitel auch gar keine eigene Werkstatt führen. Weil sie jedoch ausschließlich restauriert, hat sie von der Handwerkskammer eine Sondergenehmigung erhalten.

Ausdauer und Durchhaltevermögen

Schon seit 45 Jahren übt Sigrid Langowski den Beruf der Möbelrestauratorin aus, fast die ganze Zeit davon selbstständig in ihrer eigenen Werkstatt. In dieser Zeit hat sie sich einen großen Wissensschatz angeeignet.

Besonders stolz ist sie auf die Kunst der Schellack-Handpolitur. Diese traditionelle Art der Möbelpolitur ist extrem zeitaufwendig und wird deswegen kaum noch angewandt. Dabei verbringt Langowski bis zu zehn Stunden Zeit nur mit dem Polieren eines Möbelstücks. Hier erklärt sie, wie man das Holz richtig poliert:

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Weitere Informationen

Sigrid Langowski liebt ihren Beruf und das merkt man ihr auch an. Gerne erzählt sie von Lacken und Wachsen, der richtigen Schmelztemperatur von Knochenpolituren, Holzfurnieren und der richtigen Politurtechnik. Sie liebe die Materialien, mit denen sie arbeitet, erzählt sie. 

Wobei gerade die Schellack-Politur aber auch frustrierend sein könne. Leicht könnten dabei nämlich Schlieren oder Flecken entstehen. Dann müsse sie die Arbeit unterbrechen und bis zum nächsten Tag abwarten, damit sie die fehlerhafte Stelle abschleifen kann.

„Braucht es da keinen Mann?“

Sigrid Langowskis Werdegang begann im Jahr 1980 mit einer Lehre als Tischlerin in einem Betrieb für Kunsthandwerk. Dort lernte sie auch das Restaurieren kennen. In ihrem kleinen Ausbildungsbetrieb war sie eine von drei Frauen, ungewöhnlich für diese Zeit.

In ihrer Berufsschulklasse hatte sie nur eine Mitschülerin, der Rest waren alles Jungen. Weil die beiden jungen Frauen auch mit Abstand die ältesten in der Klasse waren, verbrachten sie deshalb die Pausen meist mit einer Lehrerin. „Die war vom Alter fast näher an uns als die 15-jährigen Jungs“, erzählt Sigrid Langowski und lacht.

Trotz des hohen Frauenanteils in ihrem Ausbildungsbetrieb sei sie schon etwas anders als die Männer behandelt worden. Die Mädchen seien gut fürs Polieren, hätte sie öfter von ihrem Chef gehört. Die Männer hätten eher die körperliche Arbeit erledigt, hätten Möbel abgeholt und getragen.

„Manchmal fand ich das schade“, gibt Sigrid Langowski zu. Sie wäre schon auch gerne mal mit raus zu den Kunden gefahren.

Immer noch würde es ihr gelegentlich passieren, dass jemand ihr ihre Arbeit nicht zutrauen würde. Sigrid Langowski erzählt von Kunden, die hereinschauen würden und ganz verwundert seien, dass sie allein in der Werkstatt ist. Ob es da denn keinen Mann brauche, würden sie dann fragen.

Die Restauratorin sieht das ganz pragmatisch. Wenn sie mal Hilfe beim Tragen schwerer Schränke brauche, fragt sie einfach ihren Ehemann.

Das kann ja niemand allein, auch kein Mann

, sagt sie.

Die eigene Werkstatt

Bereits fünf Jahre nach Beginn ihrer Ausbildung als Tischlerin hat sich Sigrid Langowski selbstständig gemacht. Damals habe sie noch Design studiert und nebenbei in einer Restaurationswerkstatt gearbeitet. Als der Besitzer der Werkstatt aufhörte, übernahm sie kurzerhand den Betrieb. Damals war sie erst 24 Jahre alt. „Das war spannend“, beschreibt sie diese Zeit.

Seitdem habe sie immer allein gearbeitet. Erst in der Nähe von Hildesheim, später zog sie dann mit ihrer Familie nach Süddeutschland. Dort hatte sie eine kleine Werkstatt in Achberg, bevor sie schließlich vor zehn Jahren ihren Laden auf der Lindauer Insel eröffnete.

Die Restauratorin feiert im November das 10-jährige Bestehen ihrer Werkstatt.

Noch keinen Nachfolger

Inzwischen ist Silke Langowski 64 Jahre alt. Sie hat drei Töchter, von denen jedoch keine den Berufsweg ihrer Mutter eingeschlagen hat. Die Restauratorin hofft, ihre Arbeit noch einige Jahre ausüben zu können. Ihre Werkstatt aufzugeben würde ihr sehr schwerfallen.

Das ist mein Bereich, ich liebe das hier.

, sagt sie. Sie fände es schön, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für ihre kleine Werkstatt zu finden. Denn an Arbeit für Restauratoren würde es in Lindau nicht mangeln.

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