Die letzten Änderungen sind eingearbeitet, jetzt geht der Bebauungsplanentwurf für das viel diskutierte Sondergebiet Wohnmobil und Reitsport in die letzte öffentliche Auslegung. Wann das Projekt endgültig beschlossen werden soll – und wie die Nachbargemeinden reagieren. Von Isabel de Placido und Julia Baumann-Scheyer
Noch ein letztes Mal können Bürgerinnen, Behörden und Nachbargemeinden ihre Bedenken zu Reitsportanlage und Wohnmobilstellplatz äußern, bevor der Gemeinderat den Bebauungsplan dafür in einer Sondersitzung beschließen wird. Diese ist für den 20. April angesetzt. Wegen des umfangreichen Materials sind dafür drei bis vier Stunden terminiert.
Der Obstbauer und CSU-Gemeinderat Stefan Hanser will auf seinem Grundstück eine Reitsportanlage samt Tierarztpraxis bauen. Seine Tochter ist erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin, sein Sohn studiert Tiermedizin. Auf einer ehemaligen Obstplantage soll außerdem ein Wohnmobilstellplatz entstehen. Feriengäste gehören zur Haupteinnahmequelle der Hansers.
Die Wasserburger Verwaltung wie auch der Gemeinderat sehen in dem Wohnmobilstellplatz sowohl einen Gewinn für den Wasserburger Tourismus als auch eine Lösung wild parkende Wohnmobile.
Das Verfahren dauert bereits Jahre – und soll nach Willen der Gemeinde nun abgeschlossen werden. Am Dienstagabend hat der Gemeinderat noch einmal Änderungen des Bebauungsplanentwurfs zugestimmt.
Nachbargemeinden haben nach wie vor Bedenken
Das Projekt in der Wasserburger Höhenstraße ist umstritten. Es gibt eine Online-Petition und eine Streitgemeinschaft. Bodolz und Lindau haben bereits mehrfach Bedenken angemeldet, sie fürchten vor allem negative Auswirkungen durch die Zunahme des Verkehrs im Bodolzer Ortsteil Enzisweiler und dem Lindauer Stadtteil Bad Schachen – und Lärm durch die Reitturniere.
Um zum Hof der Hansers zu kommen, gibt es für Wohnmobile und Pferdetransporter nur zwei Möglichkeiten: Über den Bodolzer Ortsteil Enzisweiler und die Schachener Straße (in der Karte rot) oder über den Wasserburger Ortskern (in der Karte orange). Karte: Canva/Julia Baumann-Scheyer
Das Städteplanungsbüro Opla, das die Gemeinde Wasserburg für die Erstellung des Bebauungsplans beauftragt hat, wird von einer Rechtskanzlei begleitet. Ziel sei, so sagte Städteplaner Werner Dehm im Gemeinderat am Dienstagabend, „eine hohe Rechtssicherheit“ zu erlangen. Auch deswegen werde der Bebauungsplanentwurf noch einmal öffentlich ausgelegt, allerdings ist die Frist auf zwei Wochen verkürzt.
Wie Werner Dehm berichtete, habe es Abstimmungsgespräche mit der Gemeinde Bodolz und der Stadt Lindau gegeben. Dabei sei vereinbart worden, dass es einen städtebaulichen Vertrag geben werde, in dem festgelegt ist, dass es auf dem Wohnmobilplatz allerhöchstens 48 Stellplätze geben darf und die Anzahl der Reitturniere auf drei beschränkt ist.
Laut dem Bodolzer Bürgermeister Felix Eisenbach hatte es Ende Januar noch einmal einen Austausch gegeben, bei dem auch über einen städtebaulichen Vertrag gesprochen wurde. Unterschrieben sei dieser bislang noch nicht.
Felix Eisenbach.
Die Gemeinde werde auch in der letzten Runde noch einmal ihre Einwände gegen den Bebauungsplan einbringen. „Schließlich sind wir für unsere Bürger da“, sagt Eisenbach.
Über den städtebaulichen Vertrag will er wenigstens erreichen, „dass der Suchverkehr gegen null tendiert“. Dafür soll vertraglich festgehalten werden, dass man den Stellplatz nicht spontan anfahren kann, sondern Plätze nur per Reservierung vergeben werden.
Der Gemeinderat sei über das geplante Projekt nach wie vor „nicht glücklich“, so Eisenbach. Es wundere ihn zwar, dass in dem Gutachten, das die Gemeinde Wasserburg hatte erstellen lassen, die Zunahme des Verkehrs als nicht kritisch gesehen wird. „Aber irgendwann sind uns die Hände gebunden.“ Vor Gericht ziehen und gegen den Bebauungsplan klagen werde Bodolz jedenfalls nicht.
„Haltung der Stadt Lindau hat sich nicht geändert“
Die Stadt Lindau hatte sich eine Klage vor dem Verwaltungsgericht bereits als letztes Mittel vorbehalten – und damit gedroht, die Schachener Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren.
„Die Haltung der Stadt Lindau hat sich nicht geändert“, schreibt deren Sprecherin Bettina Wind. Die Kritikpunkte, die das Bauamt Ende vergangenen Jahres in einer ausführlichen Stellungnahme zusammengefasst hatte, gelten nach wie vor.
Die Lindauer Verwaltung hält einige Angaben aus dem Verkehrsgutachten für zweifelhaft und sieht auch im Umweltbericht des Bebauungsplans Mängel. Zuletzt verweigerte sie ihre Zustimmung zum Bebauungsplan.
Das Städteplanungsbüro habe auch mit dem Landratsamt Gespräche geführt, „damit alles sach- und fachgerecht abgearbeitet ist“, erklärte Werner Dehm vom Büro Opla.
Grundlegendes geändert hat sich bei der neuen Fassung des Bebauungsplans nicht, wie seine Kollegin Angela Talpos den Wasserburger Gemeinderäten erklärte.
Es gab einige formale Änderungen, wie die Umbenennung des „Reiterstübles“ in die im Baurecht bekanntere Bezeichnung „Schank- und Speisewirtschaft“.
Hinzu kamen einige gestalterische Festsetzungen, wie etwa die Farbe der Dachziegel. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Visualisierungen, die zeigen, wie sich das Vorhaben ins Landschaftsbild einfügt, hat das Büro Opla zudem eine neue Visualisierung erstellen lassen, die zeigt, wie die neue Bebauung von der Schachener Straße aus aussehen wird. Laut Angela Talbot fügen sich die Neubauten in die Kulisse der bestehenden Gebäude ein.
Wenn der Gemeinderat den Bebauungsplan im April beschließt, dann steht dem Wohnmobilstellplatz nichts im Weg – außer, es kommt tatsächlich zur Klage.
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