„Es war mir eine Ehre“: Hans Kern verabschiedet sich sichtlich bewegt von den Weißensbergern

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Vizebürgermeister Martin Steur (li.) und Gemeinderat Maximilian Niederkrüger (re.) überreichen Bürgermeister Hans Kern, selbst leidenschaftlicher Radfahrer und Tour de France-Besucher, zum Dank ein gelbes Trikot und einen Geschenkkorb. Fotos: Uli Stock

Das Dorf hat keine Schulden und verfügt vielmehr über mehr als acht Millionen Euro an Reserven. Bei seiner letzten Bürgerversammlung präsentiert Hans Kern eine eindrucksvolle Bilanz – und bekommt dafür langen Applaus.

Es war eine Bürgerversammlung der besonderen Art, denn es war die letzte von Bürgermeister Hans Kern. Darum umfasste der Rückblick auf das Geschehen in der Gemeinde nicht nur das vergangene Jahr – sondern die kompletten 18 Jahre seiner Amtszeit. Denn am kommenden Donnerstag hat Kern seinen offiziell letzten Arbeitstag im Rathaus.

Zum Ende der Bürgerversammlung wurde es ganz still im Saal. Denn sichtlich bewegt und mit fast schon leiser Stimme verabschiedete sich Bürgermeister Kern von „seiner“ Gemeinde. Rückblickend auf seine beruflichen Stationen im Leben, insbesondere die Zeit im Landratsamt, resümierte er über seine Jahre als Bürgermeister von Weißensberg: „Das war die schönste Zeit meines Berufslebens!“ Und er fuhr fort: „Ich verlasse die Gemeinde auf dem finanziellen Höhepunkt – das macht mich stolz.“

Auch das gehört zur guten Tradition: Der Musikverein Weißensberg spielt zu Beginn der Bürgerversammlung.

 

Rund 90 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung in die Festhalle gefolgt. Vor Kerns Abschied verfolgten sie seinen rund anderthalb Stunden und 100 Seiten Präsentation umfassenden Vortrag. Er erinnerte an die wichtigsten Projekte, die während der letzten drei Amtsperioden unter seiner Führung und mit Unterstützung des Gemeinderats auf den Weg gebracht und größtenteils auch vollendet werden konnten.

Besonders am Herzen lagen ihm hierbei, wie er sagte, die Investitionen in Bildung. So sei in den Jahren 2008 bis 2020 zugunsten der Grundschule eine Schulsportanlage gebaut, eine Mensa errichtet und die Küche umgebaut worden. Es folgten eine Dachsanierung oder auch eine Sanierung der Regenwasserkanäle rund um das Schulgebäude.

Mit Abstand das meiste Geld werde in die kürzlich begonnene Sanierung, Erweiterung und den Umbau der Schule fließen – nach letztem Stand 4,37 Millionen Euro. Große Teile davon sind Fördergelder. Rund 800.000 Euro wird der ebenfalls stark geförderte Ausbau der Kita kosten.

Gewerbegebiete sind wichtig für die Gemeindekasse

Ein weiterer Meilenstein sei die Sanierung und der Umbau der Festhalle samt Flächen drumherum gewesen, insbesondere des Spielplatzes, „dem wohl schönsten in der Region“, wie Kern betonte. Abgeschlossen ist inzwischen auch der Bauabschnitt II mit Steinmauer und Treppenaufgang zum Festhallenvorplatz, Buswartehäuschen, naturnaher Bepflanzung der unteren Flächen und nicht zuletzt der Neugestaltung des Festplatzes, der unter dem Jahr als Parkplatz zur Verfügung steht. Somit kann das Projekt „Neue Dorfmitte“, für das es auch viele Fördergelder gab, als abgeschlossen betrachtet werden.

Kern machte auch klar, wie wichtig Bebauungspläne für ansässige wie auch neu ansiedelnde Unternehmen sind. Schließlich profitiere davon auch die Gemeinde in Form von Gewerbesteuer. In diesem Zusammenhang erinnerte er unter anderem an das zu Beginn seiner Amtszeit ausgewiesene Gewerbegebiet Rothkreuz und die Hindernisse, die es dabei zu überwinden galt.

Eine seiner letzten Amtshandlungen: Bürgermeister Hans Kern ehrt Gemeinderatsmitglieder für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im Kommunalparlament (von links): Max Vogler für 30 Jahre, Renate Stegmüller für 24 Jahre, Hans Weishaupt für 18 Jahre und Manfred Schmid für 6 Jahre. Nicht auf dem Bild: Christian Heiling, geehrt für 18 Jahre.

 

Mit den Ansiedlungen von Edeka und Daimler sei dies heute aber ein äußerst erfolgreiches und gelungenes Projekt. Zudem besitze die Gemeinde zwischen den Mercedes-Flächen, dem Rückhaltebecken und der Autobahn noch ein Grundstück als Reserve. Ebenso sei es den Bebauungsplänen Wildberg und Schwatzen zu verdanken, dass sich dort weltweit agierende Unternehmen wie Tecnotron und Friotherm erweitern und erfolgreich weiterentwickeln konnten. 

Neben der Sanierung und Instandhaltung der Regen- und Abwasserkanäle sei ihm stets auch der weitere Breitbandausbau wichtig gewesen, so Kern weiter. Hier sei man der letzten, inzwischen dritten Ausschreibungsrunde erfolgreich gewesen. Hier könne man mit einer Fördersumme von rund 3,7 Millionen Euro rechnen, wodurch 610 Adressen im Gemeindegebiet bedient werden könnten. Allerdings sei mit einem Baubeginn nicht vor dem Jahr 2028 zu rechnen. 

Mehr als gelohnt habe sich auch die Errichtung der Photovoltaikanlagen entlang der Autobahn und im Edelweißpark Eggenwatt, informierte Kern. Demnach werde das Kommunalunternehmen AEW der Gemeinde ab Frühjahr 2027 schuldenfrei sein.

Finanzielle Lage der Gemeinde ist „prächtig“

Bis dato hätten die insgesamt vier Anlagen knapp 30 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und gleichzeitig fast 14.000 Tonnen CO2 eingespart. Die erwartenden Einnahmen für die Restlaufzeit der Anlagen liegen bei fast zweieinhalb Millionen Euro, berichtete Kern.

Nicht nur vor diesem Hintergrund beschrieb der Bürgermeister die finanzielle Lage der Gemeinde als prächtig. Allein 2025 hätten dem Vermögenshaushalt mehr als zwei Millionen Euro zugeführt werden können. Insgesamt konnten die Rücklagen in den vergangenen Jahren auf 8,064 Millionen Euro gesteigert werden, verkündete Kern nicht ohne Stolz.

Das sollte ein gutes Fundament für die Zukunft der Gemeinde sein, denn damit könnten auch größere anstehende Investitionen wie der Neubau des Feuerwehrhauses ohne Probleme gestemmt werden. Zudem sei man im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden „bereits seit vielen Jahren schuldenfrei“. 

Die Gemeinde stehe „blendend“ da. „Es läuft alles. Schule ist auf dem Weg – da muss man nichts mehr tun, Kita ist auf dem Weg – da muss man nichts mehr tun, Breitbandausbau kommt – da muss man auch nichts mehr tun. Somit können wir mit Optimismus in die Zukunft blicken. Natürlich machen uns die Entwicklungen bundes- wie auch weltpolitisch Sorgen, aber hier in Weißensberg ist die Welt noch in Ordnung.“

Und dann folgte der eigentliche Abschied: „Ich wünsche euch alles Gute! Ich werde ab und zu vorbeischauen. Und es war mir eine Ehre!“ Dann standen alle im Saal auf und es folgte ein langer Applaus.

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