Aufputschmittel stimmen freundlich, fröhlich und friedlich

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Lindau
Menschen auf der Bühne
Die Theatergruppe Partout in Lindau probt für ihr neues Stück "Alles bleibt gut" und verteilt leuchtende Aufputschmittel
Foto: Wolfgang Köhle

„Alles bleibt gut!“ heißt der Titel des neuen Stücks der Lindauer Generationen-Theatergruppe „Partout“. Die Proben in der Freien Schule Lindau auf der Hinteren Insel sind größtenteils gelaufen, jetzt bereitet sich das Amateurschauspiel-Team auf die Premiere im Forum vor.

Schon das Plakat wirkt bedrohlich: Die schwarze Schrift und ein Stacheldraht, der sich quer durchs Motiv zieht, machen deutlich, dass da eher düstere Perspektiven zu erwarten sind: Regisseurin Ute Bisinger und Regisseur Mario Richter berichten darüber, warum sie genau dieses Stück ausgesucht haben und wie sie die Handlung gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern, die mit großer Freude in ihrer Freizeit Theater spielen, entwickeln und inszenieren.

Der Jüngste im Team, Leander, ist gerade 15 Jahre alt, die älteste, Angela ist 63. Sie alle stehen jetzt gemeinsam auf der Bühne und versuchen sich einem Stück anzunähern, das „schon einen gewissen gesellschaftlichen Anspruch“ hat, wie es die beiden Regisseure vorsichtig formulieren. Eben keine leichte Kost, weil gerade in der aktuellen realen Welt vieles in Unordnung geraten ist.

George Orwell entwickelte in seinem Roman „1984“ eine düstere Zukunftsvision von einem totalitären Staat am Beispiel der damaligen Sowjetunion. Diese Gedanken finden sich in der Handlung der Lindauer Theatergruppe wieder.

Die Regisseure haben sich daran orientiert, aber sie haben trotzdem ein komplett neues Stück kreiert. Orwell habe in dem 1949 geschriebenen Buch davor gewarnt, dass totalitäre Systeme die Wahrheit, die individuelle Freiheit und sogar das Denken des Menschen zerstören können. 

Zwei Personen Regisseure Partout
Mario Richter und Ute Bisinger – die beiden führen Regie beim Theaterteam „Partout“

Das Publikum ist gefordert

So entstand eine Geschichte, die heute aktueller denn je ist. Kriege im Iran, in Gaza und in der Ukraine sowie die irritierenden politischen Entwicklungen in den USA werden in dem Theaterstück auch thematisiert: „Uns ist schon bewusst, dass wir unser Publikum, aber auch unsere Schauspielenden sehr fordern“, gibt Regisseurin Ute Bisinger zu, sie selbst spielt die Lore, die in dem Stück für sich einen Ausweg sucht. Es ist eine Liebes-Geschichte, die in einem totalitären System funktionieren soll.

Die Menschen leben in einem abgeschlossenen Gebiet, umringt von Mauern und sind ständig überwacht. Aufputschmittel sollen sie künstlich „freundlich, fröhlich und friedlich“ stimmen. Alles soll eben gut bleiben, wie es im Titel heißt.

Theater bedeutet nicht nur oberflächliche Wohlfühlthemen

Auf eine heitere und unbeschwerte Liebesgeschichte darf das Publikum also nicht hoffen. Regisseur Mario Richter ist überzeugt, dass das Theater „die besondere Freiheit habe, eben nicht nur oberflächliche Wohlfühlthemen anzusprechen“. 

Seit gut sechs Monaten arbeitet das Team gemeinsam an der Inszenierung und dabei sei allen klar geworden, dass Orwell seine Leserschaft mit seiner düsteren und beängstigenden Erzählung bewusst belastet habe und auch hoffnungslos zurückliess.

Folterszene sehr fordernd

Die Folterszene, die im Stück auf einem Friseurstuhl dargestellt wird, werde wohl die schwierigste Szene werden, sagt Mario Richter: „Sie erweckt sicherlich Widerstand im Publikum, sie soll aber deutlich machen, dass Gewalt niemals und unter keinen Umständen eine Lösung ist.“ 

Natürlich sind die Akteure gespannt, wie das Publikum auf die Folterszene reagiert. Denis Mercelat, er übernimmt die Rolle des Folterers im Theaterstück, setzt sich sehr intensiv mit der schwierigen Szene auseinander. Sie beschäftigt ihn deutlich mehr, als er zugeben möchte.

Die Aufführung ist am Samstag, 9. und am Sonntag, 10. Mai, im Forum Lindau, Brettermarkt 10, zu sehen. Karten können unter TheaterPartout@web.de reserviert werden.          

 

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