Apothekenstreik: Warum die Apotheken am Montag geschlossen bleiben

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Lindau
Auch in der Inselapotheke wird am Montag gestreikt.
Foto: Theresa Gosch

Ein bundesweiter Streik der Apotheken steht bevor – auch im Landkreis Lindau bleiben die Türen aller Apotheken geschlossen. Was hinter dem Streik steckt und wie die Versorgung trotzdem gewährleistet wird.

Keine guten Aussichten für die Apotheken im Landkreis Lindau: „Es funktioniert wirtschaftlich einfach nicht mehr so wirklich“, sagt Lena Jost, Sprecherin des bayerischen Apothekerverbands für den Landkreis Lindau.

Bundesweit ist sogar schon von einem Apothekensterben die Rede. Auch in Lindau könne es wegen der wirtschaftlichen Situation langfristig zu verkürzten Öffnungszeiten oder sogar Schließungen kommen. „Irgendwann hapert es dann an der Medikamentenversorgung.“

Um auf die schwierige Lage der Apotheken aufmerksam zu machen, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zum Streik ausgerufen. Wie in allen anderen Apotheken im Landkreis Lindau bleiben auch in der Steigapotheke, deren Inhaberin Lena Jost ist, die Türen am Montag geschlossen.

Die Patientinnen und Patienten sollten ihre Rezepte am besten noch vor Montag einlösen. Wer jedoch am Montag trotzdem dringend ein Medikament benötigt, kann in Lindau den Notdienst der Steigapotheke in Anspruch nehmen. Außerdem stehen in Friedrichshafen die Nestle Apotheke am See und in Ravensburg die Apotheke in Oberzell für Notfälle zur Verfügung.

Streik für Erhöhung der Apothekerhonorare

Die Situation der Apotheken und somit die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung sei schon seit Jahren angespannt. Apothekerinnen und Apotheker kritisieren unter anderem, dass die letzte Honorarerhöhung für verschreibungspflichtige Medikamente 13 Jahre her ist. Dieses sogenannte Apothekenhonorar macht einen großen Teil des Umsatzes aus. 

Im selben Zeitraum seien die Betriebskosten um mehr als 65 Prozent angestiegen, schreibt die ABDA in einer Pressemitteilung.

„Die Balance stimmt da nicht“, sagt auch Lena Jost und erklärt, dass der Streik sich gegen die Politik richte. Die Apotheken selbst haben keinen Einfluss auf die Preise der Arzneimittel, die sie verkaufen. Das sogenannte „Fixum“, das Apothekerinnen und Apotheker pro verkaufter Arzneimittelpackung erhalten, müsse vom Bund angehoben werden. 

Auch Rainer Duelli, Inhaber der Lindauer Inselapotheke, betont die Notwendigkeit des Streikes. „Ländliche Apotheken haben inzwischen gar keine Chance mehr“, sagt er. Er fühlt sich von der Bundesregierung unverstanden, weil diese seit Jahren Verbesserungen verspreche und doch nichts ändere.

Auch die ABDA fordert die Bundesregierung auf, das Honorar zu erhöhen. Im Koalitionsvertrag sei das sehr konkret vorgesehen.

Onlineapotheken sorgen für weniger Einnahmen

Ein weiterer Faktor in der schwierigen Lage der Apotheken ist laut Lena Jost die zunehmende Nutzung der Kunden von Onlineapotheken.

Sie habe erst vor kurzem wieder eine Kundin gehabt, die in die Apotheke kam, um eine selbst hergestellte Creme zu kaufen. Ihre Medikamentenrezepte löste sie jedoch lieber in der Onlineapotheke ein. Dort bekomme sie es günstiger.

„An den Salben und Kapseln verdienen wir nichts“, sagt Jost. Die Apotheke sei auf die Einnahmen durch Medikamente angewiesen.

Sie betont, dass der Onlinedienst die Apotheke vor Ort nie ganz ersetzen könne. Denn online könne man nicht nachts noch schnell ein Fieberzäpfchen für das kranke Kind kaufen. Dafür sei man auf den Notdienst der lokalen Apotheke angewiesen.

Wenn es immer weniger Apotheken gibt, sei das irgendwann auch bei den Notdiensten spürbar, warnt die Apothekerin. Und das betreffe alle. 

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