Die Zahlen seien gut, und auch die jüngste Vertreterversammlung soll harmonisch abgelaufen sein. Dort wurde unter anderem eine Erhöhung des Aufsichtsratsbudgets beschlossen. Auch der Zwist rund um den Jahreswechsel war Thema – zumindest dessen Nachwehen.
Die Zeit des Konflikts scheint vorbei zu sein: Viel Diskussion habe es bei der Vertreterversammlung vergangene Woche in der Weißensberger Festhalle nicht gegeben, wie die drei Vorstandsmitglieder und Aufsichtsratsvorsitzende Kathrin Koch berichten.
„Wir haben gute Zahlen präsentiert“, sagt Vorstandssprecher Martin Öfner. Dass danach alle Beschlüsse einstimmig erfolgt sind, wertet er als Vertrauensbeweis.
Bauer und Blättner vorerst nicht entlastet
Öfner und seine beiden Vorstandskollegen Armin Mesmer und Hans-Peter Beyrer wurden bei der Versammlung am Dienstagabend, die mit 49 von 110 Vertretern unterdurchschnittlich besucht war, fürs Geschäftsjahr 2025 ebenso entlastet wie der Großteil der Aufsichtsräte.
Der Vorstand der VR-Südbank (von links): Martin Öfner, Armin Mesmer und Hans-Peter Beyrer. Foto: VR Südbank
Zurückgestellt worden sind allerdings die Entlastungen des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Jörg Bauer und von Hans-Martin Blättner, der im Sommer 2025 als Vorstand der Bank ausgeschieden war.
In diesen beiden Fällen sei die Bank „verpflichtet, eine rechtliche Prüfung durchzuführen, bevor eine Entlastung stattfinden kann“, sagt Aufsichtsratsvorsitzende Kathrin Koch im Pressegespräch nach der Versammlung. Dabei arbeite die Bank mit dem bayerischen Genossenschaftsverband zusammen.
Die Gründe für die Prüfung nennt Koch mit Verweis auf ihre Verschwiegenheitspflicht nicht. Aktuell laufe das Verfahren noch. „Entweder es kommt etwas raus, oder die Entlastung wird erteilt“, sagt sie.
Unfreiwillig gegangen
Zumindest im Fall des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Jörg Bauer liegt die Vermutung nahe, dass die Prüfung mit dem Zwist rund um seinen Rücktritt zu tun hat.
Jörg Bauer scheidet als Aufsichtsratsvorsitzender VR Südbank aus.
Rückblick: Als Bauer Ende Oktober vergangenen Jahres seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender abgab,geschah das nicht freiwillig. Zuvor war bereits eine außerordentliche Vertreterversammlung im Raum gestanden, bei der seine Abwahl auf der Tagesordnung stand.
Die Versammlung wurde letztlich kurzfristig abgesagt, Bauer ging – und wandte sich kurz darauf mit verschiedenen Vorwürfen gegen die Bank sowie Bankeninterna an die Öffentlichkeit. Als ausgeschiedener Aufsichtsrat unterliegt er allerdings nach wie vor einer Verschwiegenheitspflicht gegenüber der Bank.
Was die Betroffenen sagen
Dass ihm ein Bruch der Verschwiegenheitspflicht vorgeworfen werde, sei möglich, sagt Bauer im Gespräch mit Kolumna. Grundsätzlich habe er sich aber nichts vorzuwerfen, so der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende. „Ich habe ein reines Gewissen.“
Hans-Martin Blättner, der zur Zeit von Bauers Rücktritt bereits nicht mehr zum Vorstand der Bank gehörte, hatte sich öffentlich immer wieder hinter Bauer gestellt.
Hans-Martin Blättner
Im Gespräch versichert er aber, dass er „nie einen Streitpunkt mit der Bank hatte, der mit meiner Tätigkeit als Vorstand zu tun hatte“. Dass er nicht entlastet wurde, wundere ihn. Mitgeteilt worden sei ihm das im Vorfeld nicht.
„Und ich wurde zur Versammlung auch nicht eingeladen“, so der 69-Jährige, der mittlerweile wieder einen befristeten Job im Vorstand der VR Bank Mittelbaden angenommen hat.
Aufsichtsrat ist wieder paritätisch besetzt
Nach dem Ausscheiden Bauers hatten auch alle anderen Aufsichtsräte aus dem Bereich der Bodenseebank ihr Mandat niedergelegt. In einer außerordentlichen Vertreterversammlung im März wurden vier der fünf freien Sitze wieder besetzt.
Seit der Vertreterversammlung vergangene Woche ist das Gremium nun wieder paritätisch besetzt. Denn dort wurde mit Gebhard Bilger ein langjähriges Mitglied aus dem Westallgäu verabschiedet.
Als sich die Lindauer Bodenseebank und die Raiffeisenbank Westallgäu 2024 zur VR Südbank zusammenschlossen, war vereinbart worden, dass der Aufsichtsrat aus gleich vielen Mitgliedern der beiden Bereiche und mindestens sechs Personen bestehen muss. Jetzt hat das Gremium acht Mitglieder.
Vergütungsrahmen für Aufsichtsrätinnen und -räte wurde erhöht – aber nicht so stark wie vorgesehen
Ein Punkt, zu dem es bei der Vertreterversammlung vergangene Woche zumindest etwas Diskussionen gegeben hatte, war die Vergütung des Aufsichtsrats. Die war bisher außerhalb der Satzung geregelt und wurde nun in diese aufgenommen.
Bisher hatte sie sich an der Bilanzsumme der Bank orientiert. Inzwischen wurde das System aber umgestellt: Bezugsgröße sind jetzt die Eigenmittel des Instituts.
In der von der Bank vorgeschlagenen Satzungsänderung war ein Vergütungsrahmen von fünf Promille der Eigenmittel vorgesehen. In der Versammlung wurde der Anteil auf Hinweis eines Vertreters dann allerdings auf drei Promille nach unten korrigiert.
Wie viel das in Summe ist, lässt sich nicht konkret berechnen. Die Eigenmittel einer Bank bestehen aus verschiedenen Posten, die nicht alle in der Bilanz ausgewiesen werden.
Der größte Teil sei aber das Eigenkapital, wie Vorstandssprecher Martin Öfner sagt. Und das liegt laut Bilanz bei rund 47 Millionen Euro. Der Vergütungsrahmen für den Aufsichtsrat dürfte jetzt also mindestens doppelt so hoch sein wie die 85.000 Euro, die ihm bisher zur Verfügung standen.
Kathrin Koch. Foto: privat
„Es ist mehr als vorher“, räumt Aufsichtsratsvorsitzende Kathrin Koch ein. Gerechtfertigt sei das, weil der Zeitaufwand für das Ehrenamt „explodiert“ sei. Welches Aufsichtsratsmitglied wie viel Vergütung bekommt, entscheidet das Gremium selbst. Laut Koch hängt das davon ab, wie oft und wie intensiv sich die einzelnen Mitglieder an Sitzungen beteiligen.
„Bank wächst in allen Bereichen“
Dass es der VR Südbank gut geht, hatten die Verantwortlichen in der Vergangenheit immer wieder betont. Die Bank wachse in allen Bereichen, hieß es nun beim Pressegespräch.
Das Kreditgeschäft sei mit 5,7 Prozent „deutlich über Plan“, wie Vorstand Armin Mesmer sagt. Rechnet man die Kredite dazu, die 2025 zwar vergeben, deren Mittel vor Jahresende aber noch nicht abgerufen wurden, sind es sogar 7,6 Prozent.
Mesmer betont, dass das Wachstum aber nicht durch höhere Risiken „erkauft“ worden sei. Die Kreditausfälle lägen bei der VR Südbank unter dem Schnitt des bayerischen Genossenschaftsverbands.
Fast die Hälfte der 5,7 Prozent Wachstum komme von elf Finanzierungen in einem Umfang von 20 Millionen Euro. „Die hätten wir als jeweils einzelne Häuser nicht machen können“, sagt Mesmer. Das sei eine Wirkung der Fusion: „Dass wir mit den Unternehmen wachsen können.“
Die Verzögerungen, die es zwischenzeitlich bei der Vergabe von Krediten gegeben hatte, sind laut Hans-Peter Beyrer mittlerweile alle aufgearbeitet.
Auch die Kundeneinlagen sind laut Bank leicht gewachsen, und zwar auf 692 Millionen Euro (Vorjahr: 689 Millionen Euro). Wertpapiere, Bausparverträge und Versicherungen eingerechnet, für die die VR Südbank mit Partnern zusammenarbeitet, betreut die Bank laut Beyrer insgesamt ein Anlagevolumen von rund 1,3 Milliarden Euro.
Der Jahresüberschuss ist laut Bank mit etwas mehr als einer Million Euro stabil, die Mitglieder bekommen drei Prozent Dividende.
Alle Stellen wieder besetzt
Fast eine halbe Million Euro hat die Bank im vergangenen Jahr in Digitalisierung und Technik investiert, darunter Geldautomaten, Zählgeräte, Rollengeber und Pen-Pads für Formulare, wie Vorstandssprecher Öfner sagt.
Die zuletzt 17 offenen Stellen konnten wieder besetzt werden, unter anderem, weil die Bank die letzten vier Azubis übernommen habe. Grundsätzlich sei die Fluktuationsrate im Unternehmen mit 3,5 Prozent – Renteneintritte eingerechnet – weit unterdurchschnittlich, so Öfner. „Das macht uns schon stolz.“
Insgesamt beschäftigt die Bank 132 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 13 Azubis und zwei duale Studierende. Pro Jahr investiere sie etwa eine Million Euro in ihre Auszubildenden und das Thema Weiterbildung.
Zudem seien im vergangenen Jahr gut 116.000 Euro in Form von Spenden an Schulen, Vereine und soziale Einrichtungen in der Region übergeben worden.
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