Feierlich ist am Freitagvormittag der „Ruheforst Alpenblick“ in Achberg eröffnet worden. Dabei fehlte ein Vertreter einer katholischen Pfarrei vor Ort. Denn Pfarrer Claus Blessing hatte eine Teilnahme abgelehnt und ausdrücklich seinen Segen für das Projekt verweigert. Der kirchliche Segen kam dann von anderer Stelle.
Es ist der einzige in der Region: Achberg hat jetzt einen Ruheforst. Er liegt zwischen dem Achberger Ortsteil Siberatsweiler und der Argen. Den kirchlichen Segen gab es am Freitagvormittag von Pater Stefan Havlik aus Stetten am kalten Markt sowie der evangelischen Pfarrerin Gabriele Verdeil aus Wangen.
Entstanden ist der Ruheforst auf einer 16,5 Hektar großen Fläche, die sich seit 1806 im Besitz des Fürstenhauses Hohenzollern befindet. Dort findet nun keine Jagd oder Holzbewirtschaftung mehr statt.
Für Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern endet mit der Eröffnung ein „sehr anstrengender Genehmigungsprozess“, wie er am Freitagvormittag sagte. Erstes Interesse hatte sein Haus bereits vor zehn Jahren angemeldet. Er wisse um die „geteilte Meinung zu einem Ruheforst“. Aber der Fürst stellte klar: „Wir stehen dahinter.“
Den christlichen Segen für den neuen Ruheforst gibt Pater Stefan Vavlik. Der Militärpfarrer ist aus Stetten am Kalten Markt angereist. Foto: Olaf Winkler
Jeder Mensch sollte sich hinsichtlich seiner letzten Ruhestätte frei entscheiden können. Achbergs Bürgermeister Tobias Walch erinnerte an die christliche Begräbnisliturgie. „Erde zu Erde, Staub zu Staub“ heiße es dort. „Wo, wenn nicht in einem Wald, ist das möglich?“, fragte Walch in die Runde von 70 geladenen Gästen.
Wie der Ruheforst künftig betrieben wird
Hinter der Gemeinde liege ein langer Prozess der Meinungsbildung – mit Besichtigungen bestehender Ruheforst-Anlagen, einem Bürgerinformationsabend und ausführlichen Diskussionen im Gemeinderat. Auch für Walch war es „manchmal ein sehr bürokratischer Weg“, bis letztlich alle Genehmigungen vorlagen. Der Ruheforst sei ein „Beitrag zur pluralen Bestattungskultur“. Die Gemeinde stehe aber auch zu ihren beiden „klassischen Kirchenfriedhöfen“, die weiter bestehen bleiben.
Das Fürstenhaus ist Besitzer der Fläche, die Gemeinde der Träger des Ruheforstes – Francise-Geber und künftiger Verwalter ist die Ruheforst GmbH aus dem Odenwald. Dessen Geschäftsführer Jost Arnold stellte fest: „Unserer Gesellschaft fällt es schwer, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.“ Und: „Wir benehmen uns so, als wollten wir den Tod aus dem Leben verbannen.“
Ruheforst-Geschäftsführer Jost Arnold (Mitte) brachte zur Eröffnung eine Holztafel mit, die er Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern (rechts) und Bürgermeister Tobias Walch übergab. Foto: Olaf Winkler
Gerade ein Wald zeige aber das Kommen und Gehen in der Natur auf – vornan mit sterbenden und nachwachsenden Bäumen. So verdeutliche ein „naturnaher Waldbau, wie eng Leben und Tod miteinander verbunden sind“.
Auch Arnold sieht „einen starken Wandel bei der Bestattungskultur“: Die Erdbestattung werde zurückgedrängt – das gelte zunehmend auch im ländlichen Bereich. Sein Unternehmen favorisiere die „christlich orientierte Bestattung“. Daher gibt es auch im Ruheforst Alpenblick einen Andachtsplatz mit Kreuz und Glockenturm.
Pfarrer lehnt Einladung und Segen ab
Zur Eröffnung hatte die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern auch den zuständigen katholischen Pfarrer Claus Blessing eingeladen. Er lehnte die Einladung ebenso ab wie die Bitte, der Einrichtung einen Segen zu geben.
Pfarrer Blessing hat seinen Standpunkt in einem „offenen Brief“ unter anderem im kirchlichen Teil des Achberger Amtsblattes verdeutlicht. Dabei stellt er gleich zu Beginn klar, dass sich seine „Verweigerung eines Segens nicht auf die Verstorbenen und deren Hinterbliebenen“ beziehe. Ihnen will Blessing in Abstimmung mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort „eine Begräbnisfeier nach katholischem Ritus ermöglichen“ – und zwar unabhängig von der letzten Ruhestätte und ausdrücklich auch bei einer Urnenbeisetzung im Ruheforst.
Aber der Geistliche verweist auf die „jüdisch-christliche Bestattungskultur“ innerhalb eines „eingefriedeten Gartens, die von daher Friedhöfe heißen“. Ein „Ruheforst in der freien Natur, wo Hirsche und Wildschweine über die Gräber laufen, bedeutet einen Bruch dieser abend- und morgenländischen Kultur“.
Keinen Hehl macht der Pfarrer daraus, dass er durch Angebote wie den Ruheforst eine Beschleunigung des „Niedergangs der Friedhöfe“ sieht. Denn: Kirchliche wie kommunale Friedhöfe seien auf die Einnahmen aus Bestattungen angewiesen, um ihre immer gleichen Fixkosten zu decken. Die Folge: „Dann ist die Aufgabe von Friedhöfen absehbar“.
Nicht zuletzt verweist Blessing auf die „Erdbestattung als normalen Bestattungsritus für verstorbene Katholiken“. Die Kirche lehne die Verbrennung der Toten aber nicht grundsätzlich ab, sofern damit keine Ablehnung des christlichen Auferstehungsglaubens verbunden sei.
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