Nachdem die Leiche gefunden wurde, durchsuchten die Beamten das Gebiet rund um den Fundort, die Wohnung und das Café. Auch in den Mülleimern schauten sie nach Spuren.
Mehr als anderthalb Jahre hat die „Soko Café“ im Fall der getöteten 70-jährigen Cafébetreiberin ermittelt. Jetzt hatten die Beamten einen Durchbruch – und brauchen nochmal die Hilfe der Bevölkerung.
Die Nachricht, dass Esme Eryücel getötet wurde, hatte die Region erschüttert. Anderthalb Jahre lang hat die Polizei Spuren ausgewertet und Hinweise überprüft – offenbar mit Erfolg. Zwei Männer wurden „wegen des dringenden Verdachts des Mordes in Tateinheit mit Raub“ festgenommen, so Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Mitteilung.
Die Spur führte in die Mitte Deutschlands, nach Niedersachsen. In Zusammenarbeit mit Beamten der Landespolizei in Salzgitter sei es zunächst gelungen, einen 53-jährigen Mann zu verhaften. Am Dienstag habe sich dann der zweite Tatverdächtige, ein 30-jähriger Mann, freiwillig bei der Lindauer Kriminalpolizei gestellt.
Die beiden Beschuldigten sollen Esme Eryücel am 21. Juli 2024 getötet und die Tageseinnahmen ihres Cafés in vierstelliger Höhe geraubt haben.
Der Tag, an dem die 70-Jährige zuletzt lebend gesehen worden war, war ein Sonntag. Gegen 22.30 Uhr sperrte sie ihr Café Seegarten in Kressbronn ab und machte sich auf den Heimweg.
Sie nahm die Uferstraße, die die beiden Bodenseegemeinden Kressbronn und Nonnenhorn miteinander verbindet – und die bei gutem Wetter tagsüber voller Radfahrer und Fußgänger ist. In ihrer Wohnung kam sie offenbar nie an.
Freunde und Familie suchten fieberhaft
Freunde und Familie suchten am nächsten Tag fieberhaft nach ihr, auch in den sozialen Medien gab es Aufrufe. Am Abend gegen 21 Uhr fand ein Mann ihre Leiche auf einem privaten Gartengrundstück. Sie lag neben einer Laube direkt am Bodensee – ein Stück abseits des Wegs, den sie gegangen war.
Knapp 100 Beamtinnen und Beamte, darunter Polizeitaucher und Drohnenspezialisten, durchkämmten in den Tagen darauf das Gebiet rund um den Fundort, das Café Seegarten in Kressbronn und ihre Wohnung. Die „Soko Café“ suchte an Land und im Wasser nach Beweismitteln.
An der Fahndung waren neben der Kriminalpolizei Kempten und Lindau sowie der niedersächsischen Landespolizei auch das bayerische Landeskriminalamt beteiligt.
Anderthalb Jahre ist es her, dass Esme Eryücel getötet wurde. In ihrem Café erinnert noch vieles an sie. Foto: Julia Baumann-Scheyer
Für die beiden Töchter der Getöteten ist die Nachricht über den Ermittlungserfolg eine Erleichterung. „Gott sei Dank“, schreibt Esen Eryücel. Neben der Trauer um ihre Mutter wog für sie und ihre Schwester die Ungewissheit darüber schwer, wer ihr das angetan haben könnte.
Auch im Dorf seien alle erleichtert, sagt Nonnenhorns Bürgermeister Rainer Krauß. „Bei allem Furchtbaren ist das eine gute Nachricht.“ Er sei davon ausgegangen, dass es noch Jahre dauern würde, bis man den oder die Täter findet. „Ich dachte, das kommt irgendwann einmal zufällig bei einem DNA-Abgleich raus.“ Großen Respekt habe er vor der Polizei, die in dem Fall nicht aufgegeben habe.
Esme Eryücel war sowohl in Kressbronn als auch in ihrem Heimatdorf Nonnenhorn bekannt und beliebt. Für viele Kinder ist die Café-Betreiberin eine Ersatz-Oma gewesen, die bei den Hausaufgaben half und beruhigte, wenn die Prüfungsangst zu groß wurde.
Nach der Tat waren viele geschockt. Die Trauerfeier, die die Gemeinde vergangenes Jahr organisierte, besuchten 400 Menschen. Familienmitglieder reisten aus der Türkei an, Touristen kamen zum Teil von weit her. Vor dem Café in Kressbronn lag wochenlang ein Meer aus Blumen.
Kripo bittet erneut um Hinweise
Die beiden Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, bis sie verurteilt sind, gilt die Unschuldsvermutung, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung betonen.
Um den Fall lückenlos aufzuklären, bittet die Kriminalpolizei Kempten Zeuginnen und Zeugen nun erneut um Hinweise zu den beiden Männern. „Diese haben markante Tattoos an den Armen und bewegten sich im Bereich Kressbronn und Nonnenhorn, insbesondere in der Uferstraße.“
Vermutlich waren sie mit einem Kastenwagen mit deutscher Zulassung oder einem Audi mit deutschem Ausfuhrkennzeichen im Bereich Nonnenhorn und Kressbronn unterwegs. Unklar ist bislang, ob sich weitere Personen bei ihnen befanden.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Kempten unter der Telefonnummer 0831/9909-0 entgegen.
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