Die Verwaltungen beider Nachbarorte geben erneut Stellungnahmen ab, die sich hauptsächlich auf den Verkehr und das neue Verkehrsgutachten beziehen. Die Stadt Lindau sieht darin „gravierende Mängel“, im Bodolzer Gemeinderat erhitzt das Gutachten die Gemüter. Von Julia Baumann-Scheyer und Isabel de Placido.
Alexandra und Stefan Hanser haben auf ihrem Hof am Wasserburger Ortsrand viel vor. Sie möchten in der Höhenstraße eine Reitsportanlage mit Pferdestall, Reithalle und Tierarztpraxis bauen. Daneben ist ein Wohnmobilstellplatz geplant. Das Grundstück dafür ist schon vorbereitet, die Obstbäume der ehemaligen Plantage sind bereits gefällt.
Der Wasserburger Gemeinderat steht in großen Teilen hinter dem Projekt. Im Oktober hat der Rat mit nur drei Gegenstimmen das Bebauungsplanverfahren für die neue Anlage auf den Weg gebracht. Bürgermeister Harald Voigt sieht in dem Stellplatz eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Campingplätzen und eine Aufwertung des Tourismus.
Bürgerinnen und Bürger haben Unterschriften dagegen gesammelt. Und auch die beiden Nachbarorte Lindau und Bodolz sehen das Vorhaben nach wie vor kritisch. Hauptproblem ist aus ihrer Sicht der Verkehr, und daran ändert auch ein neues Gutachten nichts, das die Gemeinde Wasserburg im Sommer anfertigen ließ.
Um zum Hof der Hansers zu kommen, gibt es für Wohnmobile und Pferdetransporter nur zwei Möglichkeiten: über den Bodolzer Ortsteil Enzisweiler und die Schachener Straße in Lindau (in der Karte rot) oder über den Wasserburger Ortskern (in der Karte orange).
Grafik: Julia Baumann-Scheyer/Canva
Sind im neuen Gutachten Fehler?
Das neue Gutachten bestätigt im Großen und Ganzen das Ergebnis einer Verkehrszählung, die Stefan Hanser, der für die CSU im Wasserburger Gemeinderat sitzt, schon vergangenes Jahr hatte durchführen lassen. Beide Erhebungen sagen: Es wird durch Reitsportanlage, Tierarztpraxis und Wohnmobilstellplatz zwar mehr Verkehr geben, dieser werde allerdings im Verhältnis zum Verkehr insgesamt kaum spürbar sein (ausführlicher könnt ihr das nochmal hier nachlesen).
In der Bodolzer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend kündigte der Bürgermeister Felix Eisenbach an, dass die Gemeinde im Zuge des Bebauungsplanverfahrens nun eine weitere Stellungnahme abgeben werde.
Die Verwaltung hatte bereits im vergangenen Jahr gefordert, dass Pferdetransporter und Wohnmobile nicht über Enzisweiler gelenkt werden dürfen. Sie fürchtet zudem, dass Lärm, den Reitanlage und Wohnmobilstellplatz Lärm produzieren könnten, Anwohnerinnen und Anwohner der Bodolzer Ortsteile Ebnet und Enzisweiler stören könnte.
Das neue Gutachten hält Bürgermeister Eisenbach offenbar für fragwürdig. Dort sei zum Beispiel die Rede von einer Abfahrt an der B31 in Hengnau – doch die gibt es gar nicht. Die „Untere Steig“ als Verbindungsstraße zwischen Enzisweiler und dem Lindauer Stadtteil Bad Schachen sei hingegen überhaupt nicht erwähnt. „Das sind nur noch Formalien, aber uns ist wichtig darauf hinzuweisen: Es kann zu Mehrverkehr führen“, sagte Eisenbach am Donnerstagabend.
Das sagen die Bodolzer Gemeinderäte
Gemeinderatsmitglied Franz Joachim (UBB) nutzte die Gelegenheit, seinen Unmut über das Vorhaben kund zu tun. „Das verschandelt die seenahe Landschaft“, sagte er und gab zu bedenken, dass „überall Fahrzeuge parken“. Gebhard Marte (BB) bezeichnete das Verkehrsgutachten als „Gefälligkeitsgutachten“.
Thomas Freilinger (BB) hat Bedenken, dass große Wohnmobile und Fahrzeuge mit Anhänger gar nicht von der Enzisweilerstraße in die Schachener Straße abbiegen könnten, ohne zu rangieren. Die Stadt Lindau habe diese Ecke verschmälert, als sie aus der Schachener Straße eine Fahrradstraße machte. „Das wird dann ’ne enge Kiste, dann gibt es Rückstau bis zum Einkaufszentrum“, sagte er. „Ich halte die Zufahrtswege allesamt für bedenklich.“
Nadja Krammer-Dinkelbach (CSU) dagegen findet „das alles gar nicht so furchtbar“.
Bürgermeister Felix Eisenbach versprach, alle Einwände im Rahmen der Bodolzer Zuständigkeit in der Stellungnahme abzubilden.
Lindauer Verwaltung spricht von „gravierenden Mängeln“
Auch die Stadt Lindau hat eine weitere Stellungnahme zum Wohnmobilstellplatz formuliert, sie ist am kommenden Dienstag Thema in der letzten Stadtratssitzung dieses Jahres. Die Lindauer Verwaltung betont, dass die grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Verkehrsaufkommens durch die geplante Anlage nach wie vor bestehen.
Zwar begrüße die Stadt neue, legale Wohnmobilstellplätze. Den Wohnmobilstellplatz in der Wasserburger Höhenstraße lehne sie aber wegen seiner Lage und der Zufahrt ab.
In den Unterlagen, insbesondere der Verkehrsuntersuchung, seien zudem „gravierende Mängel“ festgestellt worden. Das Verkehrsgutachten bewertet die Stadt als unzureichend, dort fehle zum Beispiel die Berücksichtigung der Fahrradzone „und die getroffenen Hochrechnungen und Annahmen sind stark zweifelhaft“.
Die Stadt fordert, dass der Radverkehr „fachgerecht“ berücksichtigt werde, und realistische Szenarien hinsichtlich der Verkehrsverteilung der Zufahrtsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Anteile des Schwerverkehrs sei im neuen Gutachten „völlig unplausibel“, die Zuschauerzahlen für die Turniere müssten realistisch dargestellt werden. Bei verkehrlich unangemessener Planung behalte sich die Stadt rechtliche Schritte vor, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Wenn wegen der Wasserburger Anlage mehr Autos durch die Lindauer Fahrradstraße fahren, dann konterkariere die städtische Verkehrsplanung und die Bemühungen, den Verkehr dort zu reduzieren. Sollte es dadurch zu gefährlichen Situationen kommen, dann werde die Stadt den Durchgangsverkehr in der Fahrradzone unterbinden.
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