Was das neue Verkehrsgutachten zu Wohnmobilstellplatz und Reitanlage ergibt

Ein Foto von Obstplantagen, einer gerodeten Fläche, dem Bodensee und Häusern.
Die Fläche, auf der der Wohnmobilstellplatz entstehen soll, ist bereits vorbereitet. Foto: Christian Flemming

In seiner jüngsten Sitzung hat der Wasserburger Gemeinderat den Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Weil es im Vorfeld einige Einwände gegeben hatte, gab es verschiedene Neuerungen. Auch ein zweites Verkehrsgutachten wurde vorgestellt.

Es ist ein Thema, das polarisiert. Dementsprechend viele Besucherinnen und Besucher hatte die jüngste Sitzung des Gemeinderates, auf der das Gremium den Entwurf des Bebauungsplans beschlossen hat.

Rund 25 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, vier von ihnen meldeten sich bei der Bürgersprechgelegenheit zu Wort, um ihre Bedenken gegen den geplanten Wohnmobilstellplatz samt Reitsportanlage an der Höhenstraße vorzubringen.

In ihrer Argumentation stellten sie den Nutzen eines Wohnmobilstellplatzes für den Wasserburger Tourismus infrage. Zudem fürchten sie sowohl Lärm als auch mehr Verkehr durch Reitsportanlage und Camper. Einer von ihnen forderte angesichts des Widerstands, das Bebauungsplanverfahren auszusetzen und stattdessen mit den Bürgern in den Dialog zu treten.

Das Vorhaben, bei dem der Obstbauer und CSU-Gemeinderat Stefan Hanser eine Reitsportanlage in Kombination mit einem Wohnmobilstellplatz auf einer bisher für den Obstbau genutzten Fläche zwischen Reutenen und der Höhenstraße schaffen will, ist bei Anwohnern in Wasserburg und Lindau umstritten. Auch die Gemeinde Bodolz ist davon betroffen, Bürgermeister Felix Eisenbach hatte Bedenken angemeldet.

Verwaltung und Großteil des Gemeinderates sehen in den Plänen einen Gewinn

Neben einer Online-Petition, die aktuell 764 Menschen unterschrieben haben, gibt es auch einen Zusammenschluss von Bürgern, die sich anwaltliche Hilfe genommen haben, um das Bauvorhaben zu verhindern.

Die Verwaltung wie auch ein Großteil des Gemeinderates sehen dagegen in dem Wohnmobilstellplatz sowohl einen Gewinn für den Wasserburger Tourismus als auch eine Lösung, um wild parkenden Wohnmobilen entgegenzuwirken.

 

Eine Ehepaar sitzt nebeneinander
Stefan und Alexandra Hanser wollen eine Reitsportanlage und einen Wohnmobilstellplatz bauen. Foto: Julia Baumann-Scheyer

 

Ein Vorentwurf des Bebauungsplans, der am Ende Baurecht schaffen soll, lag bereits öffentlich aus. Von verschiedenen Seiten waren Einwände gekommen, die das Städteplanungsbüro Opla in einen neuen Entwurf eingearbeitet hat. Eingang fanden auch die Ergebnisse verschiedener Gutachten, wie etwa zum Artenschutz, zum Immissionsschutz und zur Entwässerung.

Hauptthemen der Einwände waren der Verkehr und die Integration ins Landschaftsbild. Letztere wurde anhand einer 3D-Visualisierung untersucht.

Was im Bebauungsplan festgesetzt wurde

Fest steht nun, dass es auf dem Wohnmobilplatz allerhöchstens 48 Stellplätze geben darf. Und auch die Anzahl der Reitturniere ist auf zehn Kalendertage jährlich begrenzt. Zudem wurde festgelegt, wo es auf dem Gelände Parkplätze geben soll, wie groß die Terrasse des Reiterstübles und der Reitplatz sein dürfen.

Auch die Dachhöhen und -formen wurden festgelegt. Auf dem Gelände sind mehrere neue Gebäude geplant. Darunter eine Pferdebewegungshalle, an der sich das Reiterstüble sowie zwei Ställe anschließen. Auch eine Betriebsleiterwohnung soll als separates Gebäude gebaut werden, ebenso eine Veterinärpraxis mit Untersuchungsräumen.

Neu sind ein Regenrückhaltebecken und die Bestimmung, dass Flächen nicht versiegelt, sondern wasserdurchlässige Beläge bekommen sollen.

Einzig die Zufahrtsstraße von der Höhenstraße zum Wohnmobilstellplatz ist versiegelt und soll zudem statt wie ursprünglich geplant vier jetzt fünf Meter breit werden, damit Wohnmobile ungehindert aneinander vorbeifahren können.

Hecke wird doppelt so breit

Dafür gibt es mehr Grün. Die Hecke, die die Anlage nach Wasserburg hin von den Obstplantagen abtrennt, soll doppelt so breit werden wie zunächst geplant und mehr Bäume bekommen. Hinter dieser Bepflanzung und den bestehenden Obstplantagen verschwinden auch die Neubauten nahezu, wie die 3D-Visualisierung von verschiedenen Richtungen aus zeigte.

 

Die 3D-Visualisierung zeigt die Ansicht von der Höhenstraße aus. Visualisierung: Büro Opla

 

„In ein paar Jahren wird man nichts mehr erkennen“, sagte Angela Talpos vom Büro Opla. Zudem ließen die Visualisierungen auch erkennen, dass die Anlage von keinem Standort aus den Blick auf die Berge versperrt. Auch der Blick vom See aus zeigte: „Die Neubauten werden nicht wahrnehmbar sein.“

Außerdem befindet sich das sogenannte Sondergebiet auf den Ausläufern eines Hügels und nicht auf der Hügelkuppe. Schon vor einiger Zeit musste die Gemeinde den Standort nachjustieren. Zusammen mit dem Landratsamt verlegte sie ihn. Damit war das Sondergebiet auf der zuvor kritisierten exponierten Lage neben dem denkmalgeschützten Ponyhof in der Höhenstraße aus dem Blickfeld gerückt.

Neues Gutachten in der Hochsaison

Ein neues Verkehrsgutachten sollte zudem klären, wie hoch die Belastung für die Nachbarn werden wird. Stefan Hanser hatte bereits ein Gutachten erstellen lassen. Die Verkehrszählungen erfolgten im Oktober 2024 und wurden von den Gutachtern mithilfe von vorhandenen Daten auf den Sommer hochgerechnet.

Um den Bedenken der Nachbargemeinden und Anwohner Rechnung zu tragen, hatte die Gemeinde nun ein zweites Gutachten erstellen lassen – und zwar mitten in der Sommersaison. Dessen Ergebnis entkräftet die Bedenken.

So erklärte Reiner Neumann von Modus Consult Ulm, dass wegen des gesamten Sondergebietes im „Worst Case“ mit einem Neuverkehr von insgesamt 200 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen sei, die durch Wohnmobilstellplatz und Reiterhof in die Höhenstraße kommen, davon 16 Wohnmobile über 3,5 Tonnen.

Beim Wohnmobilstellplatz rechnet er in der Hochsaison und bei Vollbelegung pro Tag mit maximal 16 An- und Abreisen. Das sind also 32 Wohnmobile, die ankommen und abfahren. Hinzu kommen noch Besucher und Dienstleisterinnen, wodurch Neumann in der Hochsaison auf maximal 60 Fahrzeuge kommt, also 30 pro An- und Abfahrt.

Beim Reiterhof geht der Experte von insgesamt 40 Fahrzeugen täglich aus, bei Turnieren von insgesamt 100.

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Weitere Informationen
Zufahrt Wohnmobilstellplatz von Julia Baumann

Der Neuverkehr würde sich hälftig auf Zufahrt über den Wasserburger Ortskern und die Zufahrt über Enzisweiler und die Schachener Straße verteilen. „Das sind acht Fahrten pro Stunde, die dort zusätzlich auftreten“, sagte der Experte.

Letztendlich sei dieses Mehr an Verkehr in Spitzenzeiten jedoch kaum spürbar: Denn allein an normalen Werktagen fahren 1500 KFZ pro 24 Stunden über den Lindenplatz, 1200 KFZ gehen dann über die Höhenstraße weiter Richtung Bad Schachen, wo sie sich in der Schachener Straße zu 2300 Fahrzeugen aufbauen.

Von der Enzisweilerstraße kommen ebenfalls 2300 Autos auf die Schachener Straße. Über die Wackerstraße kommen nochmal 4100 Autos hinzu. Spürbar zunehmen würden die Lieferdienste und in den Sommermonaten der Radverkehr. Rund 5000 Radfahrer täglich befahren den Bodenseeradweg über die Schachener Straße, 1000 seien es in der Höhenstraße. Neumanns Fazit lautete daher: „Die Situation wird sich nicht spürbar verändern.“

Am Ende stimmten nur Stefan Hilger, Ulrich Epple und Markus Heitinger (alle UWL) gegen den Entwurf, der ab sofort öffentlich ausliegt.

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