Zwei Säulen erinnern an mutige Lindauer Bauern vor 500 Jahren

Die Stelen erinnern an den Bauernkrieg von 1525. Die Initiative zur Errichtung der Stelen kam von Karl Schweizer, Lokalhistoriker und Kulturpreisträger. Foto: Christian Flemming

Um ihre Rechte zu verteidigen ziehen auch die Lindauer Bauern vor 500 Jahren in den Krieg – eine frühdemokratische Massenbewegung, die heute besonders gewürdigt werden soll. Mit zwei Stelen aus Stein.

Es ist ein strenger Winter im Februar 1525 gewesen. Trotzdem versammelten sich während der Fasnachtszeit am 21. Februar 1525 in Oberreitnau etliche aufständische Bauern aus der Lindauer und Wasserburger Herrschaft sowie aus Neuravensburg. Sie werden Teil der frühdemokratischen Massenbewegung des Bauernkrieges. Damit die Lindauerinnen und Lindauer noch lange an sie denken, stehen nun zwei Stelen in Oberreitnau und Rickenbach.

„Recht, Freiheit und Gerechtigkeit“ sind die drei Worte, die in goldenen Lettern auf den beiden Gedenksteinen zu lesen sind, die am Freitag in den Lindauer Stadtteilen Oberreitnau und Rickenbach im Beisein zahlreicher Bürgerinnen und Bürger aufgestellt wurden.

Dass die Werte, für die die Bauern vor 500 Jahren gekämpft haben, an Aktualität nicht verloren haben, habe die Lindauer Oberbürgermeisterin Claudia Alfons betont. „Wenn wir uns in der heutigen Welt umschauen, erkennen wir schnell, dass die Demokratie, wie wir sie kennen, nicht selbstverständlich ist“, wird sie in einer Mitteilung des Kulturamts zitiert.

Die Initiative zur Errichtung der Stelen kam von Karl Schweizer, Lokalhistoriker und Kulturpreisträger. Gestaltet wurden die Steine von dem Lindauer Steinbildhauer René Geier.

Ein Schwerpunkt des Bauernkriegs waren das nördliche Bodenseeufer, Oberschwaben und das Allgäu. Auch Lindau war hier eingebunden, vor allem die Dörfer, die zum Landgebiet, zum Territorium der damaligen Reichsstadt Lindau zählten.

Zurück in das Jahr 1525: Noch in der Nacht sandte die Oberreitnauer Bauernversammlung zwei Abgesandte zu Fuß zu Junker Dietrich Hurlewagen im weiter östlich gelegenen Landgut Gitzenweiler. Diesen forderten die Abgesandten auf, am nächsten Mittag mit ihnen zur großen Bauernversammlung in Rappertsweiler oberhalb des Klosters Langnau im Argental zu kommen, „allda das Wort Gottes, heilig Evangelium und göttliche Gerechtigkeit zu verhelfen“. Komme er nicht, so würden sie ihn heimsuchen.

8000 Bauern aus der Region

Bevor Hurlewagen am 22. Februar zu den Aufständischen in Oberreitnau und Rappertsweiler ritt, traf er sich in Lindau noch mit Bürgermeister Hans Varnbüler und besprach mit diesem Situation und Taktik gegenüber den Bauern.

Rund 8000 Bauern der Umgebung, insbesondere Untertanen der Grafen von Montfort und des Lindauer Heilig-Geist-Spitals rund um das Wasserschloss Gießen, sowie aus Laimnau, Wasserburg und Oberreitnau hatten sich auf dem Berg und in dem kleinen Ort Rappertsweiler versammelt. Dabei verpflegten sich die Bauern aus den Lebensmittelvorräten des nahe gelegenen ungeliebten Klosters Langnau. Ihm gegenüber waren etliche von ihnen abgabenpflichtig.

Aufstieg zum Hauptmann

Hurlewagen musste zu den Bauern geloben und wurde zum Hauptmann des „Platzes“ (Versammlungsort) Oberreitnau bestimmt – später des ganzen Rappertsweiler Haufens „von der Neuen Ravensburg über Oberreitnau bis hinab nach Buchhorn“.

Am 24. Februar wurde die eigentliche Gründung des Rappertsweiler Haufens als nun östliche Hälfte des größeren „Seehaufens“ mit zusammen rund 12.000 Bauern vollzogen.

Neben Hurlewagen waren noch folgende Männer zu Räten, enge Berater des Hauptmannes, des Rappertsweiler Haufens gewählt worden: Thomas Mayerhofer und Thomas Mesmer aus Oberreitnau, Lutz Eglin aus Rickenbach, Bauer Joler aus Reutin und der Schuhmacher Jakob Lanz aus Esseratsweiler.

Der Hauptmann des benachbarten Platzes Wasserburg war Seyfried Schmid von Wasserburg. Dessen Räte waren Klaus Eberlin (Kyberlin) und Peter Münckler aus Enzisweiler, Christian Glatthaar aus Wasserburg, Hans Hagk aus Berg, Hans Hornstein aus Nonnenhorn und Melchior Klotz, von Beruf Amann von Hemigkofen, heute Kressbronn.

Die Forderungen der Bauern

Die Bauern legten ab dem 11. März ihre Forderungen schriftlich in den „Zwölf Rappertsweiler Artikeln“ fest. Das war eine der Vorarbeiten zu den später massenhaft verbreiteten „Zwölf Artikeln“ der Memminger Bauernversammlung.

Vermutlich war es der mit den Bauern solidarische „Meister Hans“, Pfarrer von Esseratsweiler in der Herrschaft Achberg, der die zwölf Rappertsweiler Artikel aufschrieb. Er verfasste für die Aufständischen auf dem Rappertsweiler Berg vermutlich auch allgemein deren Briefe.

Dank der Stelen in Oberreitnau und Rickenback werden Lindauerinnen und Lindauer noch lange an diese mutigen Bauern denken.

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