Zwischen Paddelbooten und Zahnarztrechnungen – So engagiert sich Barbara Krämer-Kubas unermüdlich bei Wir helfen

Ehrenamt
Lindau
Barbara Krämer-Kubas ist Beirätin bei "Wir helfen"
Foto: Theresa Gosch

Barbara Krämer-Kubas kümmert sich in einem vierköpfigen Team darum, Menschen, denen es am Nötigsten fehlt, finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. In unserer Ehrenamtsserie bieten wir den Menschen eine Bühne, die sich mit Herzblut für andere einsetzen.

„Da gab es einmal eine Frau, der haben wir ein Paddelboot bezahlt“, erzählt Barbara Krämer-Kubas. Ein eher ungewöhnlicher Fall für den Verein „Wir helfen“, und doch einer derer, die der Beirätin am meisten in Erinnerung geblieben sind.

Die Frau sei psychisch sehr angeschlagen gewesen und hätte eine besonders schwere Phase gehabt. Da habe ihre Betreuerin sich an den Lindauer Verein „Wir helfen“ gewandt. „Es ist zwar kein Notfall, tut ihr aber so gut“, erzählt Barbara Krämer-Kubas mit einem Lächeln. Die Kundin habe danach auch ein „ganz liebes Brieflein“ geschickt, um sich für die Unterstützung zu bedanken.

Unermüdlicher Einsatz

Barbara Krämer-Kubas engagiert sich bereits seit über zehn Jahren bei „Wir helfen“. Dorthin können sich Menschen wenden, wenn sie eine anstehende dringende Anschaffung nicht bezahlen können. Entstanden ist „Wir helfen“ bereits 1993, zunächst als Bürgeraktion der Lindauer Zeitung.

Seit 2023 ist die Initiative ein eingetragener Verein und hat sich längst als eines der bekanntesten Hilfsprojekte in Lindau etabliert. Bedürftige Menschen wenden sich mit den unterschiedlichsten Anliegen an „Wir helfen“: Das kann ein neuer Kühlschrank sein, eine Reparatur oder eine Zahnarztrechnung.

Die Arbeit verrichten Ehrenamtliche, wie Barbara Krämer-Kubas. Hauptsächlich sie kümmert sich dann um den Antrag, bespricht das Anliegen im Team und überweist häufig auch selbst das benötigte Geld. „Ich mach’ schon viel“, gibt sie, ein wenig verlegen, zu.

Außerdem Teil Teams sind Burglind Tanz, Harald Thomas und Beate Birk. Sie bilden zusammen den Beirat, der im Verein die praktische Arbeit verrichtet.

Dass Barbara Krämer-Kubas zu „Wir helfen“ kam, das hat sich einfach so ergeben. Als Beirätin und Ideengeberin des Vereins Uschi Krieger sich nach 15 Jahren aus „Wir helfen“ zurückzog, wurde Barbara Krämer-Kubas gefragt, ob sie nicht übernehmen wolle.

Und sie wollte.

„Ich finde es ungeheuer wichtig, Menschen zu unterstützen“

 

Kleine Hilfe, große Wirkung

Wenn Barbara Krämer-Kubas von ihren Fällen spricht, ist sie sichtlich berührt. Einige Male stehen ihr sogar die Tränen in den Augen. Sie berichtet von einer alten Dame, die Probleme mit ihren Beinen hatte und oben im dritten Stock wohnte. Es gab keinen Aufzug und die Frau konnte die Treppe nicht mehr allein bewältigen.

Normalerweise macht der Verein „Wir helfen“ nie Hausbesuche, aber dort haben die Mitglieder eine Ausnahme gemacht. Und das mit Erfolg. Die Ehrenamtlichen organisieren, dass aus der Nachbarschaft regelmäßig jemand bei der Dame vorbeischaut. So ist immer jemand da, falls sie Hilfe braucht.

„Manchmal ist es nicht viel, was man machen muss“

Barbara Krämer-Kubas ist bereits ihr Leben lang ehrenamtlich sehr aktiv gewesen. Schon als junge Frau hat sie sich als Jugendleiterin für den Kreisjugendring engagiert. Später war sie Vorstandsmitglied mehrerer Vereine, unter anderem des Schwimmvereins, sowie Mitglied des Seniorenbeirats. Zudem war die Lindauerin auch noch viele Jahre politisch aktiv. Sie hat sich im Stadtrat und auch im Kreisrat engagiert.

„Es macht mir einfach Spaß“, sagt sie dazu. Zu viel sei es ihr nicht geworden. Ihr Mann habe ihr den Rücken freigehalten. Erst als er erkrankte und zu Hause gepflegt werden musste, hat Barbara Krämer-Kubas viele ehrenamtliche Tätigkeiten niedergelegt. Nur ihre Arbeit für „Wir helfen“ habe sie weitermachen können, weil da vieles auch online und per Video möglich ist.

Die schweren Seiten der Arbeit

Barbara Krämer-Kubas erzählt nicht so gern von sich selbst. Viel lieber spricht sie über den Verein, über die Menschen und die gemeinsame Arbeit. Immer wieder betont sie, wie schön es sei, dass „Wir helfen“ in so guter Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Caritas, Sozialstation und Diakonie steht.

Denn wenn jemand die Unterstützung des Lindauer Vereins in Anspruch nehmen möchte, muss er zuerst einen Antrag bei einem dieser Träger oder einer anderen sozialen Organisation stellen. So kann sichergestellt werden, dass die Kunden, so nennt Krämer-Kubas diejenigen, die die Hilfe in Anspruch nehmen, auch tatsächlich bedürftig sind und auch, dass nicht an mehreren Stellen das Gleiche beantragt wird.

Manchmal sei es auch gar nicht so leicht, „abzuwägen, wer wirklich in Not ist oder nur versucht, Trittbrett zu fahren“, berichtet die Beiratssprecherin.

„Da musst du ein breites Kreuz haben.“

Jede Woche gehen mindestens zwei Anträge bei Barbara Krämer-Kubas ein. Und auch wenn „Wir helfen“ fast alle der Anträge annimmt, einige müssen auch abgelehnt werden. Das liegt häufig daran, dass manche Menschen schlecht abwägen können, was sie gerade tatsächlich brauchen und was ein Luxus ist, den sie sich einfach nicht leisten können.

Da gebe es Menschen, die sich dann beim Zahnarzt eine kostenpflichtige Privatbehandlung machen lassen und danach mit der Rechnung zu „Wir helfen“ kommen. So etwas muss der Verein grundsätzlich ablehnen.

Dieser Teil der Arbeit könne auch durchaus belastend sein, erzählt Barbara Krämer-Kubas. Da muss man gelassen bleiben und auch mal konsequent sein können.

Das Schönste an „Wir helfen“

Besonders schön findet Barbara Krämer-Kubas die Zusammenarbeit im Team. Sie alle teilen die Verantwortung, für die schwierigen und die schönen Fälle. Und alle bringen sie große Freude und viel Engagement für die Arbeit mit.

„Wir bekommen auch viel zurück“, sagt Barbara Krämer-Kubas und meint damit nicht nur die Dankbarkeit der Kunden. Es ist schön zu sehen, wenn eine kleine Hilfe einen großen Beitrag für eine bessere Lebensqualität leisten kann. Viele Menschen leben auch in Lindau an der Armutsgrenze. Ein kaputter Kühlschrank kann da zur unüberwindbaren Hürde werden.

Doch manchmal sind es auch nicht nur die praktischen Dinge, die diese Menschen brauchen. Manchmal ist es auch ein Paddelboot, das einen Unterschied macht.

Dieser Beitrag ist Teil der Kolumna-Ehrenamtsserie:

Hier wollen wir Menschen eine Bühne bieten, die sich mit Herzblut für unsere Gesellschaft einsetzen – sei es im Sport, in der Kultur, im sozialen Bereich oder anderswo. Wir möchten ihren Einsatz sichtbar machen und die Geschichten hinter dem Engagement erzählen.

Die Menschen, die hier vorgestellt werden, wurden von Kolumna-Leserinnen und -Lesern vorgeschlagen. Wir freuen uns über weitere Ideen! Gerne an redaktion@kolumna.org.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Uwe Peschka
    16.10.2025 19:16

    Wenn ihr über diesen wichtigen Verein berichtet – könntet ihr vielleicht noch einen Link zur Webseite oder eine Kontaktmöglichkeit erwähnen?

    • Theresa Gosch
      21.10.2025 13:14

      Um „Wir helfen“ zu unterstützen, gibt es ein Spendenkonto:
      DE10 7315 0000 1002 7701 86, Sparkasse Schwaben-Bodensee

      Um die Hilfe des Vereins in Anspruch zu nehmen, kann man über amtliche Betreuer, das Landratsamt, die Caritas, Sozialstation, Diakonie oder das Familienzentrum Minimax einen Antrag stellen.

      Ich hoffe, das hilft Ihnen!

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