Wieder geht ein Stück altes Schachen verloren: Gärtnerei Meßmer schließt nach 70 Jahren 

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Viele Jahren haben sie hier in ihrer Gärtnerei Blumen, Gemüse und mehr verkauft. Bald ist das Geschichte.
Foto: Isabel de Placido

Fehlender Nachwuchs, extreme Wetterlagen und persönliche Gründe: Bald endet die lange Geschichte des Familienbetriebs im Lindauer Stadtteil Bad Schachen. Für viele war die Gärtnerei mehr als nur ein Geschäft – sie war ein Treffpunkt.

„Ja, es ist ätzend, aber es ist der Lauf der Zeit. Vor allem ist es der Lauf der Dinge“, sagt Melanie Meßmer und zuckt die Schultern. Schnell dirigiert sie eine Kundin in das Gewächshaus neben dem Verkaufsraum. Dort, wo eigentlich die zarten Pflänzchen für das kommende Frühjahr gedeihen sollten, sind nun Blumentöpfe, Dekomaterialien und Vasen aufgereiht. „Alles 50 Prozent“ ist auf einem Schild zu lesen. Spätestens dort drinnen wird jedem klar: Die Gärtnerei Meßmer schließt. Und zwar schon zum Ende des Jahres.

Die Entscheidung, den Familienbetrieb nach 70 Jahren aufzugeben, ist der 55-jährigen Chefin nicht leicht gefallen. „Ich habe keinen Nachfolger“, nennt Melanie Meßmer den Hauptgrund. Ihr Sohn sei Mechatroniker, von daher sei der Gedanke über die Jahre hinweg gereift, „dass es dann irgendwann auch aus sein muss“.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien alle schon „betagt“ und größtenteils schon seit Jahrzehnten dabei. Viele junge Menschen haben die Meßmers über die Jahrzehnte hinweg zur Floristin oder zum Gärtner ausgebildet. Und einige von jenen, die einst bei ihnen gelernt hätten, seien entweder geblieben oder wieder gekommen. Aber trotzdem kommen keine jungen Leute nach, die die Gärtnerei weiterführen wollen.

Ein weiterer Grund für die Schließung sei, dass im vergangenen Jahr Melanie Meßmers Vater Wolfgang gestorben sei. „Der hat auch noch im Alter viel mitgeholfen.“

Sturm, Schnee und Hitze haben dem Betrieb zugesetzt

Und dann ist da noch das Wetter, das der Gärtnerei-Chefin in den letzten Jahren zugesetzt hat. Erst der viele Schnee, der vor ein paar Jahren die Gewächshäuser hat zusammenbrechen lassen, dann der Sturm im vergangenen Jahr, der drei Folienhäuser zerstört hat. Ganz zu schweigen von den übrigen Wetterkapriolen des vergangenen Jahres.

Zuerst kam die Hitze, vor der wir alles gerettet haben. Dann kam der Regen, durch den wir alles verloren haben.

Denn sowohl die Kräuter als auch das Gemüse wie Tomaten, Paprika, Auberginen, wachsen direkt im Boden. „Alles war aufgepflanzt und gerichtet.“ Dann kam der Regen und setzte die Gewächshäuser unter Wasser. „Wir haben halt viel mit der Natur zu kämpfen.“

Auch die eigene Gesundheit sei ein Grund für die Entscheidung.

„Ja, es ist schade. Es geht auch ein Treffpunkt verloren“, sagt Melanie Meßmer, nachdem ihr eine langjährige Kundin ihren kleinen Hund vorgestellt und erklärt hat, warum sie sich den vierbeinigen Freund zugelegt hat.

Die Leute, die hier herkommen, sind mehr als nur Kundschaft

sagt Melanie Meßmer

Sie erzählt von Kundinnen, die früher als Kind mit Zettel und Einkaufstasche in die Gärtnerei gekommen sind, und für die sie heute den Brautstrauß gebunden habe. Und sie erinnert sich an Kunden, die einfach nur mal so vorbeischaue, etwa um ihr Herz auszuschütten, den Frust von der Arbeit, mit dem Mann oder der Freundin loszuwerden, um Neuigkeiten auszutauschen oder Freude zu teilen.

„Zu uns muss man herkommen, hier geht man nicht einfach nur vorbei“, sagt Melanie Meßmer und verweist auf die versteckte Lage der Gärtnerei zwischen der Enzisweilerstraße und dem Kapellenweg im Lindauer Stadtteil Bad Schachen.

Die Gärtnerei Meßmer schließt zum Jahresende: Waltraud und Melanie Meßmer hören nach langer Zeit auf.

 

Als die Gärtnerei an diesem Tag zur Mittagspause schließt und die Mitarbeiter sich verabschieden, setzt sich Mutter Waltraud mit an den runden Tisch neben all den roten, rosafarbenen und weißen Weihnachtssternen. Obwohl sie schon 80 Jahre alt ist, und den Betrieb 1995 an die Tochter übergeben hat, arbeitet sie noch voll mit.

So ganz genau wisse sie das Gründungsjahr der Gärtnerei eigentlich gar nicht, sagt sie und tippt auf das Jahr 1950. „Es sind also eher 75 Jahre.“

Wie ist die Gärtnerei entstanden?

„Wir wollen nicht übertreiben, deswegen sagen wir, die Gärtnerei gibt es seit mindestens 70 Jahren“, sagt Melanie Meßmer. Ihre Mutter erinnert an ihren Vater Hans, der eine Landwirtschaft hatte und die Gärtnerei zuerst als Nebenerwerb betrieb. Erst mit der Zeit entwickelte sich die Gärtnerei zum Hauptgeschäft.

Damals habe es noch viele Gärtnereien in Lindau gegeben. Allein rund um das Wiesental seien da der Auer, der Kunzendorf, der Kohler – und Richtung Wasserburg, der Baumgartner – gewesen. Etliche haben im Lauf der Jahre bereits aufgehört.

Und auch bei den Meßmers sei es beinahe schonmal so weit gewesen. „Wir waren mal größer und hatten mehr Gewächshäuser“, erzählt Waltraud Meßmer. Gewächshäuser aufgegeben und Grundstücke verkauft hat die Familie damals, in den 1990er Jahren, als Tochter Melanie noch nicht wusste, dass sie die Gärtnerei der Großeltern und Eltern übernehmen will.

Und jetzt, wenn die Gewächshäuser Ende des Jahres leergeräumt sind, wird es so weit sein und die Gärtnerei wird Geschichte werden. Die Gebäude würden abgerissen und ein Bauträger werde hier Wohnungen bauen, sagt Melanie Meßmer.

Die Gewächshäuser ein Stückchen weiter Richtung Bahnstrecke blieben hingegen noch erhalten. „Das ist mein Hobby“, sagt die Gärtnerei-Chefin und erzählt, dass sie bereits einen neuen Arbeitsplatz in einer Gärtnerei in der Region habe, auf den sie sich freue. Und ihre Mutter? „Ich geh‘ jetzt mit 80 in Rente.“

Und trotzdem: Ein bisschen Wehmut empfinden die Frauen allemal – genauso wie ihre Kundinnen und Kunden. Viele werden den Betrieb vermissen, da ist sich Melanie Meßmer sicher. „Und wir auch.“

Fest steht, dass mit der Gärtnerei Meßmer einmal mehr ein Stück Schachen verloren geht.

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