In der Kolumna-Redaktion sind unzählige Nachrichten von Leserinnen eingegangen. „Unsere Enkelin ist seit gestern im Aquamarin in Wasserburg beim Schwimmkurs“, schreibt eine Frau. Jetzt, wo auch die bereits begonnen Kurse abgesagt seien, gebe es für Kleinkinder überhaupt keine Alternative mehr. Die Lindauer Therme bietet gemeinsam mit dem TSV Lindau Schwimmkurse erst ab 6 Jahren an.
Die Tochter von Nicola Blaume ist vier Jahre alt, bald wird sie fünf. Kommende Woche wäre ihr Schwimmkurs in Wasserburg gestartet. Sie habe sich mit anderen Eltern zusammengetan und privat einen Kurs gebucht, erzählt die dreifache Mutter. „Alle regulären Kurse waren schon voll.“
Dass der Kurs nun abgesagt ist, sei nicht nur eine Enttäuschung für ihre Tochter. „Das bedeutet für uns jetzt erst einmal einen unsicheren Sommer.“ Sie könne zwar mit ihrer Tochter selbst üben. „Aber das können nicht alle Eltern.“ Ausweichmöglichkeiten in der näheren Umgebung gebe es kaum, zumal Schwimmkurse fast überall ausgebucht seien.
Höhe der Pacht ist der Knackpunkt
Dass das Aqua Kolleg seine Kurse so kurzfristig einstellt, hat offenbar mit einem nicht-öffentlichen Gemeinderatsbeschluss vom Dienstagabend zu tun. Wie Bürgermeister Harald Voigt im Gespräch mit Kolumna sagt, wurde dort eine Pacht für die Schwimmschule festgesetzt. Denn bisher habe diese das Freibad Aquamarin pachtfrei genutzt.
Der Knackpunkt scheint allerdings nicht die Pacht an sich, sondern deren Höhe zu sein. Aqua-Kolleg-Inhaber Michael Jeschke verweist auf Nachfrage von Kolumna darauf, dass er sich nicht konkret äußern könne. Als Schwimmmeister des Freibads ist er bei der Gemeinde angestellt.
Er bestätigt aber, dass die angesetzte Pachthöhe der Grund ist, warum die Schwimmschule ihren Betrieb vorerst einstellt. „Ich habe einen Beschluss vorgelegt bekommen, der für mich nicht tragbar war“, sagt er.
Gemeinde will Umsatzbeteiligung an der Schwimmschule
Jeschke habe die Schwimmschule vor Jahren als Nebenerwerb gegründet, so Voigt. „Mittlerweile hat sich daraus ein ordentlicher Gewerbebetrieb entwickelt, der unsere Liegenschaft, das Aquamarin, quasi mietfrei nutzt.“
Auch wegen der gestiegenen Energie- und Bewirtschaftungskosten des Freibads habe der Gemeinderat eine Entscheidung treffen müssen, wie sich das Aqua Kolleg an den Kosten beteilige, „die bislang die Allgemeinheit getragen hat“. Auch die Surfschule und der Kiosk im Freibad müssten eine Pacht zahlen.
In einer Stellungnahme der Gemeinde heißt es, die Gemeinde habe eine Umsatzbeteiligung an der Schwimmschule vorgeschlagen. Dass diese vonseiten der Gemeinde hoch angesetzt worden ist, räumt Voigt ein. „Es wurde aber auch viele Jahre nichts bezahlt.“ Eine konkrete Zahl nennt er nicht, es sollen aber 25 Prozent sein, wie es in Wasserburg heißt.
Schon bisher bekommt die Gemeinde die Einnahmen aus den Freibad-Eintritten der Schwimmschüler. Diese haben früher vergünstigte Eintrittspreise bezahlt. Das hat sich mittlerweile auch geändert. Wer einen Schwimmkurs besucht, muss laut Voigt nun den vollen Eintrittspreis bezahlen – darf dafür aber natürlich den ganzen Tag im Freibad bleiben.