Warum genügend Kitaplätze wichtig sind? Sie hat den Beleg

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Portrait einer jungen Frau.
Marina Krauß aus Augsburg ist eine von knapp 300 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an der aktuellen Nobel-Tagung der Wirtschaftswissenschaften teilnehmen.
Foto: Julia Baumann-Scheyer

Marina Krauß ist eine von knapp 300 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die diese Woche bei der Nobel-Tagung der Wirtschaftswissenschaften sind. Über ihre Forschung, Tipps der Laureaten und viele neue Kontakte.

Viel Zeit hat sie an diesem Nachmittag nicht. „Das Programm hier ist ganz schön voll“, sagt Marina Krauß. Genau so hat sie sich das erhofft.

Marina Krauß arbeitet am Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie an der Universität Augsburg, wo sie im April ihre Doktorarbeit verteidigt hat. Ihre Uni hatte sie für die Tagung in Lindau vorgeschlagen. Sie durchlief das aufwendige Bewerbungsverfahren – und durfte schließlich kommen.

In der Lindauer Inselhalle hat die 32-Jährige jede Menge Vorlesungen von Laureaten und Podiumsdiskussionen besucht. Beim sogenannten Wissenschaftsspaziergang über die Insel hat sie sich mit dem israelisch-US-amerikanischen Preisträger Joshua Angrist unterhalten und ihm ihre Forschung vorgestellt. „Er hat mit jedem ganz entspannt gequatscht und uns dann noch ein paar richtig gute Tipps zum Publizieren unserer Arbeiten gegeben“, sagt sie. 

Die vermutlich aufregendsten sechs Minuten hatte Marina Krauß aber am Mittwochnachmittag, als sie ihre Forschung vorstellen durfte. Im Publikum saßen nicht nur jede Menge andere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern gleich mehrere Laureaten. „Es ist total cool, dass die Nobelpreisträger sich das anhören.“

Ein großes Experiment mit 600 Frauen

Für ihre Doktorarbeit hat die Wissenschaftlerin ein großes Feldexperiment begleitet. Die Probandinnen waren 600 Mütter mit niedrigem Bildungsabschluss, also ohne Abitur. Mit ihrer Hilfe erforschten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen die Faktoren, die mütterliches Arbeiten beeinflussen.

Einer dieser Faktoren ist der Zugang zu Kitaplätzen. Im Experiment bekamen die 600 Mütter Hilfe. „Wir haben ihnen ein Video mit allen wichtigen Informationen gezeigt, ihnen erklärt, dass sie einen Rechtsanspruch haben und dass es Zuschüsse gibt“, erzählt Krauß. Wer wollte, bekam sogar eine Studentin oder einen Studenten als Unterstützung an die Seite gestellt.

Bei der Tagung in der Inselhalle darf Marina Krauß ihre Forschung vorstellen.
Foto: Nobel-Tagung der Wirtschaftswissenschaften
Ein Mann am Laptop, umringt von vielen jungen Menschen
Nobelpreisträger zum Anfassen: In der Inselhalle kommen junge Wissenschaftler mit den Laureaten in Kontakt.
Foto: Nobel-Tagung der Wirtschaftswissenschaften

Das Ergebnis: Von diesen 600 Müttern arbeiteten 18 Monate später viel mehr in Vollzeit als Mütter mit niedrigem Bildungsabschluss einer Kontrollgruppe, die keine Hilfe hatten. Für Krauß der Beleg: „Da ist eine Gruppe, die mehr arbeiten will, und wir lassen sie nicht.“

Die Empfehlung an die Politik: „Man muss den Kita-Ausbau vorantreiben. Solange es Konkurrenz um die Plätze gibt, werden die besser gebildeten Mütter immer bessere Chancen haben.“ Außerdem müsste die Bewerbung für den Kitaplatz vereinfacht und der Prozess insgesamt transparenter werden.

Ein weiterer Faktor, der beeinflusst, ob Mütter arbeiten, sind soziale Normen und wie diese von den Müttern wahrgenommen werden. „Es hat sich herausgestellt, dass viele ihre Umgebung konservativer einschätzen, als sie ist“, sagt Krauß.

Und wie geht es den Kindern damit?

Die Entwicklung der Kinder war nicht Teil des Feldexperiments. „Aber in der Fachliteratur heißt es, dass gerade Kinder aus schlechter gebildeten Familien oft enorm von einem frühen Kitabesuch profitieren“, so Krauß. „Sie kommen in Kontakt mit Kindern aus höher gebildeten Familien und lernen zum Beispiel schnell die Sprache.“

Bei der Lindauer Tagung hat sich Marina Krauß nicht nur mit Preisträgern unterhalten, sondern natürlich auch mit vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. „Wir haben den ganzen Tag richtig viel Input, und trotzdem sind dazwischen alle noch total motiviert, sich zu vernetzen“, freut sie sich. „Ich habe mir schon ein paar E-Mail-Adressen aufgeschrieben von Leuten, deren Paper ich total interessant finde – oder deren Forschung sich mit meiner überlappt.“

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