„Schön, dass ihr so viele seid“: Lindau feiert seine Engagierten beim Sommerfest

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Christine Mayer, Gaby Zobel und Werner Berschneider sind Teil des Ehrenamt-Büros.
Foto: Isabel de Placido

Ob im Sozialen, in der Kultur, im Sport oder in der Politik – ohne Ehrenamt läuft in Lindau vieles nicht. Das hat das Sommerfest der Stiftung der Sozialstation und der Stadt gezeigt: Rund hundert Ehrenamtliche sind auf die Hinteren Insel gekommen – sie alle leisten einen wertvollen Beitrag.

„Schön, dass ihr so viele seid“, begrüßte Gerhard Fehrer von der Stiftung der Sozialstation die rund hundert Engagierten, die an diesem sonnigen Abend gekommen waren. Eigentlich hätte das Sommerfest schon vor drei Wochen stattfinden sollen. Wegen des Regens war es dann verschoben worden.

Herzlich empfangen wurden die Gäste gleich am Eingang. Gaby Zobel und Susanne Kainz-Unterkirchner von der Stiftung der Sozialstation begrüßten jeden einzelnen Gast persönlich, teilten Gutscheine für leckere Brote und Getränke aus und brachten die Gäste miteinander ins Gespräch.

Anna-Lena Armbruster (Dritte von links) und Susanne Kainz-Unterkirchner (Zweite von rechts) begrüßen die Ehrenamtlichen zum Sommerfest.
Foto: Isabel de Placido
Ganz schön viele Ehrenamtliche sind zum Sommerfest gekommen
Foto: Isabel de Placido

Wie zum Beispiel Gabi Stokklauser. Die 71-Jährige erzählt, dass sie im vergangenen Jahr zusammen mit ihrem Mann nach Lindau gezogen ist und sich engagieren wollte. Wo und wofür, das wusste sie damals noch nicht. Deshalb sei sie erst einmal ins Ehrenamt-Büro gegangen und habe sich beraten lassen.

Die Entscheidung fiel dann auf „Einzelbetreuung“. Seit Oktober sorgt Gabi Stokklauser also dafür, dass eine 87-jährige gehbeeinträchtigte Dame ihre Wohnung verlassen kann und „rauskommt“. Zweimal in der Woche holt sie sie ab und geht mit ihr auf den Markt oder in den Supermarkt.

Klar könnte ich die Einkäufe auch zu ihr bringen, das würde viel schneller gehen.

Aber es gehe darum, dass die Dame das Haus verlasse. Ab und an geht Gabi Stokklauser mit ihr sogar ins Theater. Warum sie das macht? Diese Aufgabe bringt Struktur in ihre Woche. Am wichtigsten aber ist: „Die Freude, mit der sie mich immer empfängt, ist toll.“

Was das Ehrenamt-Büro, von dem Gabi Stokklauser gesprochen hat, eigentlich ist, erklärt Werner Berschneider, der dem Team der Stiftung der Sozialstation angehört und der zahlreiche weitere Ehrenämter bekleidet.

So funktioniert die Anlaufstelle für Ehrenamtliche

Das Ehrenamt-Büro nennt sich richtig „Service Punkt Ehrenamt“ und ist eine Plattform für alle, die Ehrenamtliche für Vereine, aber auch für kurz angelegte Projekte suchen. Das Büro ist auch für all jene da, die sich engagieren möchten und eine Aufgabe suchen. „Die IT kümmert sich dann drum, dass es matched“, sagt er und verweist auf das Büro in der Köchlinstraße 13, in dem Gaby Zobel und Susanne Kainz-Unterkirchner persönlich beraten.

Hintergrund ist, dass es seit geraumer Zeit schwierig ist, Menschen zu finden, die sich für etwas engagieren wollen, ohne etwas dafür bezahlt zu bekommen. Egal in welchem Bereich. Die neue Plattform soll dem entgegenwirken.

Christine Mayer, Gaby Zobel und Werner Berschneider sind Teil des Ehrenamt-Büros.
Foto: Isabel de Placido

Wallstüble profitiert vom Ehrenamt

Dass sich Ehrenamt lohnt, findet Christine Mayer. Seit dreizehn Jahren engagiert sie sich im Wallstüble und seit fünf Jahren leitet sie die Seniorenbegegnungsstätte des Roten Kreuzes auf der Insel zusammen mit einer Freundin. Das Ehrenamt hatte sie übernommen, nachdem die ehemalige Leiterin in den Ruhestand gegangen war und sich keine Nachfolge finden wollte.

Jeden Tag finden im Wallstüble verschiedene Aktivitäten für Senioren statt, wie Spiele- und Musiknachmittage oder Vorträge. Auch eine Cafeteria mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen oder Butterbrezeln gibt es dort. Ein Team von 15 Frauen kümmert sich darum, dass alles läuft. Während sich Christine Mayer um die Organisation kümmert, ist ihre Leitungsteamkollegin für das Finanzielle zuständig. Warum sie das macht? „Weil´s mir Freude macht. Die Senioren freuen sich und es kommt viel zurück.“

Gabi Stokklauser und Markus Anselment engagieren sich in Lindau.
Foto: Isabel de Placido

Seitdem er im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist, engagiert sich auch Markus Anselment ehrenamtlich. Der ehemalige stellvertretende Geschäftsführer der IHK Schwaben gehört dem Aufsichtsrat der Stiftung der Sozialstation sowie der Lebenshilfe an, hat sich gerade zum Schriftführer der Sünfzengesellschaft wiederwählen lassen und will sich demnächst noch in einem weiteren Sozialverband engagieren. „Das macht Spaß“, begründet er sein Engagement und erklärt, dass ihm die Gemeinnützigkeit ein Anliegen sei.

„Es ist mir wichtig, etwas zu tun, das Menschen zugutekommt.“ Außerdem, so sagt er, sei er ein Fan von Projektarbeit. „Und Projekte kann ich in diesen Gremien oft anstoßen.“

Nach 30 Tagen Erste Hilfe wollten sie weitermachen

Das Ehrenamt ist aber auch für junge Menschen attraktiv, das bestätigen zumindest Franziska Grüner und Hannah Vonier. Die beiden 16-jährigen Freundinnen haben mit 30 weiteren Schülern am Projekt „Junges Ehrenamt“ mitgemacht, das die Stiftung der Sozialstation an die Maria-Ward-Schule gebracht hat. 30 Tage haben sie beim Jugendrotkreuz des Roten Kreuzes mitgemacht und gelernt, Erste Hilfe zu leisten.

„Das hat uns so gut gefallen, dass wir dabei geblieben sind“, sagt Franziska Grüner. „Als wir davon gehört haben, dachten wir, das probieren wir mal aus, und jetzt gefällt es uns“, ergänzt Hannah Vonier.

Die beiden Schülerinnen Franziska Grüner (Mitte) und Hannah Vonier (rechts) haben bei einem Ehrenamtsprojekt an ihrer Schule mitgemacht.
Foto: Isabel de Placido

Moritz Grättinger und Christopher Rundel sind an diesem Abend die Gastgeber, hier im Thiersch 0. Moritz Grättinger ist im Vorstandsteam des Vereins Kultur & Musik ohne Profit, kurz Kumop, und Christopher Rundel im Vorstand von Lindau Move. Während letzterer Verein die Skater unter sich vereint, engagiert sich Kumop im Musikbereich, Street Art und hat eine Kooperation mit den Friedensräumen und dem Zeughaus.

Gegründet hat sich der Verein „aus purem Idealismus“, wie Moritz Grättinger sagt. Die vielen Mitglieder haben die Leidenschaft zur Musik und die Freude am Tanzen gemeinsam.

Und das Bedürfnis, einen Raum zu schaffen, wo man ungezwungen kommen und gehen kann.

Gegründet 2019 kann der Verein seit 2022 das Stückchen Hintere Insel nutzen, auf dem Kumop aus eigenen Mitteln Container aufgestellt hat. Bis heute fanden dort 33 kostenlose Open-Air-Veranstaltungen mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt statt. Erfolgreich. „Diese Herausforderung, die man besteht, bringt Entspannung und die Befriedigung Teil von etwas zu sein. Das ist eine große Ehre und Motivation“, sagt der 38-Jährige.

An Thiersch 0 grenzt der Skatepark an, den Move gebaut hat und der nach einigem Hin und Her schließlich Teil der Gartenschau wurde. Zusammen mit Kumop, dem Alpenverein und dem Bund Naturschutz entwickelten die vier Vereine gemeinsam die Fläche nahe der Thierschbrücke. „Mich erfüllt das extrem, auch wenn es viel Kraft kostet“, sagt Christopher Rundel und meint damit die aktuelle Situation. Denn der Verein ist schon seit einiger Zeit dabei, die Skateranlage zu erweitern.

Die beiden Vereine Kultur und Musik ohne Profit (Kumop) und Move haben Schecks über jeweils 500 Euro von der Stiftung der Sozialstation. Auf dem Foto zu sehen sind Anna-Lena Armbruster, Oliver Bender, Gaby Zobel, Moritz Grättinger, Christopher Rundel und Susanne Kainz-Unterkirchner.
Foto: Isabel de Placido

Skateverein wünscht sich Vertrag mit der Stadt

Das Problem sei, Ehrenamtliche für diese Projektarbeit zu finden. Um bis Frühjahr 2026 zum Ende zu kommen und die Bauzäune loszuwerden, sollen jetzt Fachkräfte helfen, die aus Spendenmitteln bezahlt werden. Das Ehrenamt leiste das Übrige. „Ehrenamt findet am Abend nach dem Job und neben der Familie statt“, betonte der 40-jährige Familienvater.

„Hier noch nicht ganz angekommen“ sei der Verein, weil es noch keinen Vertrag mit der Stadt gebe, sagte Christopher Rundel an Oberbürgermeisterin Claudia Alfons und die anwesenden Stadträte gerichtet und wünschte sich zudem einen Trinkwasserbrunnen. Zwar machte die Oberbürgermeisterin weder für das eine noch für das andere eine Zusage, doch sie bedankte sich im Namen der Stadt für die „große Bandbreite an Engagements“ und dankte allen, die Verantwortung „für uns alle übernehmen“.

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