Sabine Lorenz liebt die kraftvollen und tiefgründigen „Vollgas-Rollen“

Fotos aus den Proben: Sabine Lorenz (auf dem Sofa) spielt im Proust-Stück die Odette. Hubert Dragaschnig, einer der künstlerischen Leiter des Theaters, spielt die Rolle von Charles Swann.
Foto: Theater Kosmos

Sabine Lorenz feiert am Donnerstag, 8. Mai, mit dem Stück „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Prousts Premiere im Theater Kosmos. Warum das Bregenzer Haus für sie eine besondere Bühne ist und wie frustrierend manchmal Castings sein können, hat uns die Lindauer Schauspielerin während der Proben erzählt.

„Das war eine ganz nette Aufführung“ – wenn ihr Publikum nach einem Stück eine solch nüchterne Bilanz zieht, betrachtet dies Sabine Lorenz schon als eine „Ohrfeige“.

„Dann hat sich zwischen den Zuschauerinnen und Zuschauern und uns auf der Bühne nicht viel entwickelt, da ist kein Funke übergesprungen.“ Viel besser findet es die Schauspielerin natürlich, wenn das Publikum am Ende das Stück mit „Standing Ovations“ feiert, aber eben auch negative Reaktionen sind in Ordnung. „Wer wütend, aufgeregt und mit Türknallen die Aufführung vorzeitig verlässt, zeigt, dass das Stück wenigstens emotional etwas bewegt hat“, meint sie und lacht. 

Premiere im Bregenzer Kosmos Theater

In den vergangenen Tagen stand Sabine Lorenz gemeinsam mit ihren Bühnenkolleginnen und -kollegen mitten in den Proben für das neue Stück „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nach dem siebenteiligen Roman von Marcel Proust, das am Donnerstag, 8. Mai, um 20 Uhr Premiere im Bregenzer Kosmos Theater feiert.

In diesem Stück geht es um die fiktionale Autobiographie des französischen Schriftstellers Marcel Proust. Er beschreibt die französische Gesellschaft zwischen 1913 und 1927 und schildert die Erinnerungen an sein eigenes Leben, seine Kindheit und seine eigenen Erlebnisse.

Im Kosmos Theater stand Sabine Lorenz schon bei den verschiedensten Stücken auf der Bühne. „Das ist meine Heimat, mein Zuhause, hier erfahre ich große Wertschätzung“, erzählt sie und freut sich auf Mai und Juni, wenn sie gemeinsam mit dem Ensemble beim Heimspiel in den Werkhallen der ehemaligen Spinnerei in der Bregenzer Mariahilfstrasse das Publikum begeistern kann.  

Eine Frau und ein Mann auf einem Sofa.
Sabine Lorenz bei den Proben.
Foto: Theater Kosmos

Das nicht immer einfache Leben als Schauspielerin

Die Schauspielerin, Sprecherin und Regisseurin liebt das Theater und ist auch ein bekanntes „Fernsehgesicht“. Sie ist in Mainz geboren, lebt nach Stationen in Würzburg und München seit 13 Jahren in Lindau.

Ihre Texte lernt sie übrigens sehr gerne an ihrem Lieblingsort im Lindenhofpark auswendig. Bitte also nicht ansprechen, wenn sie irgendwo dort mit ihrem schwarzen Textbuch auf der Bank sitzt und vor sich hin spricht. Dann steckt sie gedanklich gerade wieder in einer neuen Rolle.

Seit 30 Jahren „freischaffende Schauspielerin“

Frustrierende Castings hat sie schon oft erlebt und dabei akzeptieren müssen, dass sie nach einer aufwendigen Bewerbungsschleife oft nicht einmal eine Absage bekommt. Das schmerzt sie nach wie vor.

Seit 30 Jahren ist sie als freischaffende Schauspielerin unterwegs. Das bedeutet, dass sie immer nur für ein Engagement gebucht wird. Auch jetzt in Bregenz steht sie nur für das Marcel-Proust-Stück bis Juni 2025 auf der Bühne. Wie es dann weitergeht, weiß sie heute noch nicht.

Aus wirtschaftlicher Sicht benötige sie als freischaffende Schauspielerin immer mehrere Standbeine, erzählt sie offen. Schließlich steht sie für eine Tagesgage im Fernsehen, im Theater einen Monat auf der Bühne.     

Typische Klischeerollen

Bemerkenswert findet sie, dass ihr als 52-jährige Schauspielerin oft Fernsehrollen in drei typischen Klischeekategorien angeboten werden, wie sie humorvoll erzählt: Entweder die Rolle der betrogenen Ehefrau. Zweite Variante: die gestresste, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Oder die Rolle der harten, kalten, karrierebewussten Geschäftsfrau.

Solche Rollen passten zwar zu ihrer Erfahrung und ihrem Alter, gibt sie schmunzelnd zu, aber Sabine Lorenz spielt gerne andere Frauen. Sie nennt es „Vollgas-Rollen“. Kraftvolle, tiefgründige und facettenreiche Charaktere liegen ihr besonders, da kann sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten voll ausspielen.

Kriemhild oder Medea sind Beispiele, oder Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Aber auch im neuen Proust-Stück ist sie als Odette in einem Beziehungsstück mit ihren emotionalen Talenten gefragt.

Auf der Theaterbühne und im Fernsehen präsent

Die Theaterbühne ist in jedem Fall ihre große Leidenschaft, erzählt sie. Auch im Fernsehen ist Sabine Lorenz oft zu sehen und zu hören gewesen. In vielen Fernsehdokus sprach sie den Text, bei den Fernsehsendern im ZDF, ARD, ORF, Pro 7 und arte war sie auch in verschiedenen Rollen und Serien zu sehen. Als Synchronsprecherin in Kinofilmen und auch in vielen Hörspielen ist sie präsent.

Auf die Premiere im Bregenzer Theater Kosmos freut sie sich. Nach vielen Probetagen ist jetzt das Publikum herzlich eingeladen und gefordert: Ob nach der Aufführung nur ein Kommentar „war ganz nett“ oder begeisternder Applaus kommt? Die Spannung vor der Premiere steigt.

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