Plötzlich geschlossen: Was ist bei der Lindauer Sprachschule Dialoge passiert?

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Lindau
Seit Januar bleibt die Holztür im Inselbahnhof verschlossen.
Foto: Ronja Straub

Sie brachte Schüler aus aller Welt nach Lindau: Die Sprachschule Dialoge war jahrzehntelang eine Institution in der Stadt. Doch seit Kurzem sind die Türen verschlossen, die Homepage gelöscht und Mitarbeitende gekündigt. Was ist passiert?

Um im neuen Job bessere Chancen zu haben, hat Carlos Romano im vergangenen November einen Deutschkurs bei der Lindauer Sprachschule Dialoge besucht. Am 19. Dezember stand dann die Prüfung an. Es war ein ganz normaler Tag in der Sprachschule, erzählt Romano, der eigentlich anders heißt. Viele Sprachschülerinnen und -schüler seien da gewesen – und auch viele Lehrer. „Dass die Schule bald schließen wird, konnte man da nicht ahnen.“

Kurze Zeit später erreicht der Lindauer bei der Sprachschule niemanden mehr. Als er Anfang Januar nach seinem Zertifikat fragen möchte, kann er keinen Kontakt aufnehmen – bei der Telefonnummer der Schule geht keiner ran, seine E-Mail bleibt unbeantwortet. „Die Schule war wie verschwunden“, sagt er. Auch bei der Stelle, die die Zertifikate ausstellt, weiß niemand Bescheid. Die Unterlagen sollen direkt an die Schule in Lindau geschickt worden sein, hieß es.

Anfang Januar stellen auch andere fest: Von der Lindauer Sprachschule Dialoge ist plötzlich nahezu nichts mehr zu finden. Alle Social-Media-Accounts sind gelöscht, die Homepage ist nicht mehr erreichbar. Auch in dem Gebäude in der Bahnhofstraße 1a, dort, wo über Jahrzehnte Sprachkurse stattfanden, ist niemand mehr anzutreffen. Die große Holztür bleibt verschlossen, einen Hinweis an der Tür ist nicht zu finden.

Was ist passiert?

Was ist mit der Lindauer Sprachschule passiert? Von der bisherigen Geschäftsführerin, Christine Buck-Zimmermann, haben wir auf unsere ausführliche Anfrage eine eher knappe Antwort bekommen. Einige Fragen bleiben unbeantwortet.

„Die Dialoge – Bodensee Sprachschule GmbH wurde im Dezember letzten Jahres verkauft und somit sind 100 Prozent der Gesellschaftsanteile an den Käufer übergegangen“, schreibt sie.

Das Dialoge-Team, also alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sei „über den Schritt vorab informiert“ worden. Nach dem Verkauf habe sie alle Geschäftspartner und Geschäftspartnerinnen sowie Agenturen und Direktkundschaft von Dialoge darüber informiert, ebenso die Stadt Lindau, Verbände und Organisationen, etwa die Industrie- und Handelskammer.

Ihre Zurückhaltung erklärt Buck-Zimmermann damit, dass sie als Geschäftsführerin abberufen worden sei. Deshalb könne und dürfe sie weder für Dialoge kommunizieren noch agieren, wie sie schreibt. Da gebe es „klare gesetzliche Regelungen, die ich entsprechend einhalte“.

Viele Fragen bleiben offen

Die Frage, an wen die Sprachschule verkauft wurde, bleibt unbeantwortet – und damit auch die Frage, ob und wie es mit ihr weitergeht und wieso sie jetzt geschlossen hat. Ob der neue Besitzer etwas damit zu tun hat, bleibt unklar. Unsere Anfrage an die E-Mail-Adresse der Schule beantwortet niemand.

Offenbar wurden Mitarbeitenden aus dem alten Team gekündigt. Kolumna hat natürlich versucht, mit ehemaligen Mitarbeitenden und Schülern zu sprechen. Namentlich äußern wollte sich niemand. Es heißt aber, Kündigungen seien unerwartet gekommen, manche sind ratlos zurückgeblieben. Jemand anderes sagt, die Geschäftsführung habe alles gut abwickeln wollen und mit den Mitarbeitenden klar kommuniziert.

Zu den Gründen für den Verkauf der Sprachschule äußert sich die bisherige Geschäftsführerin Christine Buck-Zimmermann nicht.

Es heißt, finanzielle Schwierigkeiten sollen ausschlaggebend gewesen sein. Unter anderem sollen die Schülerzahlen zuletzt gesunken sein.

Viele Sprachschulen stecken in der Krise. Der Markt sei hart umkämpft, sagen Branchenkenner. Spätestens seit der Coronapandemie sei es für viele schwierig geworden.

Sprachschule war schon einmal insolvent

Finanzielle Probleme jedenfalls wären für die Lindauer Sprachschule nichts Neues: Auch vor rund sieben Jahren geriet die Schule in Schieflage. Der damalige Geschäftsführer und Schulgründer meldete Ende 2018 Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Schule seit fast 30 Jahren.

Zunächst schien unklar, wie es weitergehen sollte. Doch bald fanden sich Nachfolger: Christine Buck-Zimmermann, die auch Geschäftsführerin wurde, übernahm ab 2019 die Schule, wie die Lindauer Zeitung berichtete.

Die Sprachschule sei „definitiv eine Bereicherung für Lindau“ und sie habe nicht gewollt, dass sie geschlossen wird, sagte Buck-Zimmermann damals in einem Interview mit einem Verband für Sprachzentren.

Eine Institution in Lindau

Dialoge hat sich über die Jahrzehnte zu einer Institution in der Stadt entwickelt. Viele Lindauerinnen und Lindauer sind mit der Sprachschule verbunden – sei es, weil sie dort gearbeitet, selbst einen Kurs besucht oder als Gastfamilie internationale Schülerinnen und Schüler aufgenommen haben.

Zuletzt sind laut einer Pressemitteilung von Dialoge jährlich bis zu 800 Schüler und Schülerinnen, zwischen 17 und 25 Jahren aus der ganzen Welt nach Lindau gekommen, um Sprachkurse zu belegen. Die jungen Menschen verbrachten häufig den Sommer in Lindau, machten gemeinsame Ausflüge in die Umgebung und absolvierten teilweise nebenbei ein Praktikum bei einem Lindauer Unternehmen.

Auch für Einheimische hatte die Schule Angebote: So war sie unter anderem Prüfstelle für sogenannte Telc-Prüfungen, die etwa für Einbürgerungstests oder Integrationskurse erforderlich sind. Telc steht für „The European Language Certificates“ (übersetzt: Europäische Sprachzertifikate).

Eine solche Prüfung hat auch Carlos Romano gemacht. Nachdem er auch auf weitere Nachfragen von Dialoge nichts gehört hat, hat er sein Zertifikat von der Stelle direkt angefordert und es auch bekommen. Er ist froh, dass er seine Prüfung vor der Schließung noch machen konnte, sagt er. Alternative Angebote in der Region seien rar.

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