Friedrich Hagg, Landwirt aus Hergensweiler, plant auf seinem Grünland eine Angri-PV-Anlage. Die kommt von dem Lindauer Start-up „Sonntag Energie“ (unten rechts). Die Firma haben Mark Kugel (links) und Josef Haverkampf (rechts) vor etwa zwei Jahren gegründet.
Friedrich Hagg plant eine Agri-PV-Anlage auf einer Grünland-Fläche direkt hinter seinem Hof. Umsetzen wird er das Projekt mit einem Lindauer Start-up.
Friedrich Hagg steht auf seinem Hof in Hergensweiler, hinter ihm ragt eine große Halle in die Höhe, auf deren schrägem Dach Photovoltaikmodule angebracht sind. Die besondere Konstruktion hat der Landwirt bereits vor mehr als 20 Jahren gebaut – die Halle dreht sich mit dem Lauf der Sonne. Auch auf den meisten anderen Dächern des Betriebs sind PV-Anlagen installiert. Nun steht ein ganz neues Projekt an. „Ich habe das schon lange im Hinterkopf – jetzt ist es endlich möglich“, sagt der Landwirt.
Friedrich Hagg, Pionier in Sachen Photolvoltaik in Hergensweiler, und seine Drehhalle mit PV-Anlage.
Auf einer Grünlandfläche direkt hinter dem Hof wird bald eine Agri-PV-Anlage aufgebaut. Das heißt: Oben kann Hagg Strom ernten und unten wächst Gras, das er zu Silage macht. Mit seiner Ballenpresse könne er auch unter den Modulen problemlos arbeiten und Silage herstellen.
Er geht davon aus, dass 95 Prozent des Ertrags erhalten bleiben. Das jedenfalls habe eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ergeben.
Die Agri-PV-Anlage ist eine Konstruktion, die über Haggs Grünland gebaut wird. Darauf werden kleine Solarzellen gesetzt, die wie eine normale Solaranlage Strom erzeugen. Im Obstbau kann die Anlage so auch die herkömmlichen Hagelnetze ersetzen, die normalerweise die Ernte vor starkem Niederschlag schützen. Auch auf Friedrich Haggs Fläche überlege ein Bekannter, einige Obstbäume zu pflanzen, erzählt der Landwirt.
Das Bild zeigt eine Agri-PV-Anlage über Grünland – ähnlich wie es bei Friedrich Hagg aussehen wird. Foto: Sonntag Energy
Start-up aus Lindau liefert die Anlage
Der Hergensweilerer kauft die Anlage bei dem Lindauer Start-up „Sonntag Energy“. Das haben Mark Kugel und Josef Haverkampf vor knapp zwei Jahren gegründet. „Unser Antrieb war der Klimaschutz, aber auch der Schutz der Landwirtschaft, die dadurch eine finanzielle Säule dazugewinnt“, sagt der Lindauer Gründer und Geschäftsführer Mark Kugel.
Sein junges Unternehmen kümmert sich um die kommerzielle Anfertigung von Agri-PV-Anlagen mit Speicher.
Aktuell plane seine Firma Projekte mit etwa 50 Landwirten – vier Anlagen davon seien in der Umsetzung. Dazu gehören das in Hergensweiler, zwei Flächen in Kressbronn und ein Projekt in Oberschwaben.
Wir verkaufen direkt an Landwirte und machen kein Pachtmodell
, sagt Mark Kugel.
Somit bleibe die komplette Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft. „Wir wollen, dass Landwirte das selbst betreiben und besitzen.“
Mark Kugel, Gründer und Geschäftsführer von „Sonntag Energy“, verkauft Agri-PV-Anlagen an Landwirte in der Region. Foto: Ronja Straub
Regionalität ist den Gründern wichtig. Ihr Gerüstbauer kommt aus Oberessendorf, der Speicher aus dem Allgäu, die Transformatoren und Anschlüsse aus Weingarten – und der Maschinenring Tettnang übernimmt die Montage der Anlagen. Die PV-Module selbst kommen allerdings aus China.
Wieso gibt es immer mehr Agri-PV?
Voraussetzung für ihr Konzept sei das Baurecht, sagt Mark Kugel. Das sei vor einigen Jahren geändert worden – dadurch sei eine Genehmigung auf hofnahen Flächen deutlich schneller machbar. „Meistens sprechen wir von einer bis eineinhalb Millionen Euro Investitionssumme“, sagt Kugel, der Landwirte ermutigen möchte, selbst und nicht über einen Investor zu investieren. „Das können die meisten Landwirte auch stemmen.“
So auch Friedrich Hagg in Hergensweiler. Er hat für seine Fläche bereits alles genauestens geplant und eine Genehmigung eingeholt. Ein großer Plan zeigt die Fläche: Auf einem Hektar wird hier die Anlage aufgebaut, erzählt er und deutet auf die große Wiese.
Friedrich Hagg vor der Fläche, auf der Anlage aufgebaut werden soll. Foto: Christian Flemming
Anlage in Hergensweiler hat eine Besonderheit
Seine Anlage ist gewissermaßen ein Novum in der Umgebung: Agri-PV an sich ist ohnehin noch recht neu. Und zusätzlich zu den 2,10 Meter hohen PV-Modulen wird in Hergensweiler auch ein Batteriespeicher aufgestellt. Dadurch werde das Projekt wirtschaftlicher, erklärt Mark Kugel.
Doch es gibt ein Problem: Inzwischen gibt es so viele PV-Anlagen, dass an sonnigen Sommertagen und mittags oft mehr Strom erzeugt wird, als verbraucht werden kann. Die Folge sind negative Strompreise – und damit sinkende oder ausbleibende Gewinne für Anlagenbetreiber.
Aushelfen soll – auch in Hergensweiler – ein Speicher: „Der kann das, was die PV-Anlage mittags verliert, in den Abend retten“, erklärt Mark Kugel. Der Speicher hat noch einen Vorteil: Er kauft Strom günstig ein, speichert ihn und verkauft ihn wieder teuer.
Dadurch lohnen die Speicher sich derzeit sehr.
Um den wertvollen Strom in den Morgen- und Abendstunden zu produzieren, wird die Photovoltaikanlage in Ost-West-Richtung gebaut – und mit Trackern versehen. So richten die Module sich automatisch nach dem Sonnenstand aus, um eine möglichst hohe Stromausbeute zu haben.
Auf diesen Ertrag hofft auch Friedrich Hagg. Der Tüftler hat bereits viele Ideen entwickelt und einiges auf seinem Hof umgesetzt. Diesmal geht er jedoch etwas vorsichtiger vor. Zwar hätte er sogar eine Genehmigung für zweieinhalb Hektar Agri-PV, „aber ich will da realistisch bleiben und zunächst nicht zu viel investieren“, sagt er. Schließlich hängt finanziell einiges davon ab.
Spatenstich auf der Wiese von Friedrich Hagg. Foto: Sonntag Energy
Der Landwirt freut sich darauf, dass es bald losgeht. In dieser Woche fand gemeinsam mit Bürgermeister Wolfgang Strohmaier und der zweiten Bürgermeisterin, Sybille Englmann, der symbolische Spatenstich statt. Bis zum tatsächlichen Baubeginn wird es aber noch etwas dauern: Im Frühjahr soll eine Stromtrasse verlegt werden, im März werden voraussichtlich die Pfosten gesetzt. Pünktlich zum Sommer könnte die Anlage dann fertig sein.
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