Ein Neuling räumt ab: Florian Altmannsperger holt bei der Kommunalwahl in Sigmarszell die meisten Stimmen. Die Freie Bürgerschaft gewinnt einen Sitz hinzu und stärkt ihre Position im Gemeinderat, während die Unabhängige Liste einen Sitz verliert.
Mit Florian Altmannsperger hat in Sigmarszell ein Neuling in der Kommunalpolitik die meisten Stimmen abgesahnt: 1359 sind es genau genommen. „Dass ich so viele bekomme, hätte ich nicht gedacht“, sagt der 51-Jährige am Tag nach der Wahl. Ihm liegen vor allem die Vereine am Herzen, sagt Altmannsperger, der erster Vorsitzender beim TSV Schlachters ist. Gleichzeitig gehe es ihm um die vielen Projekte, die in Sigmarszell in den nächsten Jahren anstehen. Hauptsächlich sei er aber für die Freie Bürgerschaft (FBS) angetreten, weil er Jörg Agthe unterstützen wollte.
Den haben die Sigmarszeller Wählerinnen und Wähler mit einem Ergebnis von 88 Prozent in seine dritte Amtszeit geschickt. Agthe schneidet damit nur etwa zwei Prozentpunkte schlechter ab als bei der letzten Wahl 2020.
Das sein Ergebnis so eindeutig wird, war nicht immer klar. In der Vergangenheit hatte es auch immer wieder Kritik an Agthe gegeben. „Das Wahlergebnis zeigt, wie die Gemeinde das wahrnimmt“, sagt Florian Altmannsperger. Kritik sei vielleicht auch oft einigen wenigen gekommen, aber nicht von der großen Masse, vermutet er.
Die Gewichtung im Sigmarszeller Rat hat sich verschoben. Die Freie Bürgerschaft hat einen Sitz dazu gewonnen und sitzt zukünftig zu acht im Gemeinderat. Die Unabhängige Liste (UNS3) hat einen Sitz verloren und ist künftig nur noch zu sechst.
Neben Florian Altmannsperger haben auch fast alle anderen Kandidaten der FBS besser abgeschnitten als die der UNS3 – und das, obwohl sechs von acht neu in den Gemeinderat eingezogen sind. Dazu zählen Sandra Herzig, Josef Gapp, Valentin Breyer, Alwin Neulinger und Christoph Misoph.
So sind die Stimmen verteilt:
Mit Paul Breyer, Ute Kaeß, Erich Kurzemann und Jan Herwig haben vier auf der Liste aufgehört. Michael Dlugosch schafft es als einziger „alter“ Gemeinderat nicht ins Gremium. Er ist nach Daniel Padberg zweiter Nachrücker.
Das sind die künftigen Gemeinderäte der Freien Bürgerschaft Sigmarszell (bitte anklicken):
„Dass wir so gut abschneiden, hat mich überrascht“, sagt Altmannsperger, der mit den üblichen sieben Sitzen für seine Gruppierung gerechnet hat.
Das Ergebnis hat seiner Meinung „mit unserer klaren Positionierung zu Jörg Agthe zu tun“, sagt Altmannsperger. Außerdem sei die Freie Bürgerschaft über die Ortsteile breiter aufgestellt gewesen als die UNS3. „Das könnte am Ende entscheidend sein.“
Die UNS3 musste einen Platz einbüßen. Das Ziel seien sieben Sitze gewesen, sagt Sebastian Seigerschmidt, der bei der UNS3 die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte. „Schön wäre die Situation wie vorher gewesen – aber die anderen haben es verdient“, sagt Seigerschmidt. Er lag am Sonntagabend krank im Bett und ist nur kurz ans Haus des Gastes gekommen, um Jörg Agthe zu gratulieren. „Das gebührt der Anstand.“
Von den bisherigen UNS3-Räten haben es neben Seigerschmidt auch Daniel Zajonz, Norbert Kurzemann und Martin Rädler wieder ins Gremium geschafft. Neu dazugekommen sind Monika Miller und Ulrich Häußler.
Dabei hatte Liste der UNS3 eigentlich das Potenzial, den Sigmarszeller Rat weiblicher zu machen, allein die Hälfte der Kandidaten waren Frauen. Die allermeisten wurden allerdings nicht gewählt. „Das ärgert mich besonders“, sagt Seigerschmidt. Somit bleiben die Frauen mit drei Sitzen eine Minderheit im Rat.
Schlussendlich nicht mehr angetreten sind Nina Ehrle, Markus Hagen und Jürgen Hartmann.
Das sind die künftigen Rätinnen und Räte der UNS3 (bitte anklicken):
Eigentlich hatte die UNS3 eine Herausforderin für Agthe aufstellen wollen. Bärbel Schmid war auch schon nominiert, sagte dann im November aber überraschenderweise ab. Die Unabhängige Liste hatte Agthe nicht unterstützt.
Trotzdem sei jetzt „eine gute Zusammenarbeit mit der Freien Bürgerschaft sehr wichtig“, sagt Seigerschmidt. Schon am Dienstag wolle die Gruppierung sich treffen und besprechen, wie man weitermachen möchte.
Der Sigmarszeller Rat war in der Vergangenheit bei einzelnen Themen oft gespalten, immer wieder war es zu Streitereien und Diskussionen gekommen. Das soll sich ändern – und habe sich auch schon geändert, sagt Seigerschmidt. „Wir wollen noch vor der konstituierenden Sitzung Kontakt aufnehmen und einiges besprechen.“
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