Nach vielen Diskussionen: Großprojekt in Sigmarszell eingeweiht

Ein Gruppenbild
Europaminister Eric Beißwenger, Landrat Elmar Stegmann und Bürgermeister Jörg Agthe (alle vorne, von links) freuen sich über den neuen Dorflatz.
Foto: Ronja Straub

Wo früher hauptsächlich Autos parkten, ist ein richtiger Dorfplatz entstanden. Für etwa eine Million Euro wurde er saniert. Am Sonntag wurde er eingeweiht.

Die Sonne scheint vom Himmel, der große Baum vor dem Haus Sigmar im Kirchdorf spendet Schatten. Ein Paar sucht Abkühlung auf der neuen Bank am Dorfplatz. Aus dem Zelt tönt die Musik des Sigmarszeller Musikvereins.

Drinnen spricht Bürgermeister Jörg Agthe von Sigmarszell-Kirchdorf als den ersten urkundlich erwähnten Ortsteil im Landkreis Lindau. „Es gibt nicht viele Orte, die auf eine so lange Geschichte zurückblicken können.“ Schon im Jahr 700 sei das Dorf – zu dem auch die Kirche Sankt Gallus und das denkmalgeschützte Haus Sigmar gehören – in den Büchern des Klosters von St. Gallen erwähnt worden.

Jetzt habe man das Kirchdorf und den Dorfplatz aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, sagt Agthe. Viele Jahre lang diente der Dorfplatz hauptsächlich als Parkplatz. Jetzt habe er noch immer seine Funktionalität – aber an Charme dazugewonnen.

Neue Pflastersteine, Barrierefreiheit und mehr Rasen

Seit Baubeginn im Oktober 2024 hat sich auf dem Dorfplatz einiges getan. Neue Granitpflastersteine sind verlegt und Hochbeete mit Blumen wurden aufgestellt. Der Eingang ins Haus Sigmar wurde mit einer Rampe barrierefrei gemacht, die Wege des Friedhofes sind neu gepflastert.

Ein großer Teil der Parkplätze wurde umverlagert – dadurch konnte Fläche entsiegelt und mehr Rasenfläche geschaffen werden.

An den übrig gebliebenen Parkplätzen können künftig auch E-Autos laden, außerdem gibt es neue Fahrradstellplätze.

1,03 Millionen Euro für die Sanierung

Insgesamt kosteten Umbau und Sanierung 1,03 Millionen Euro. Alleine hätte die Gemeinde sich das nicht leisten können. Immer wieder diskutierte der Gemeinderat über das Projekt, zweimal hatte man sich erfolglos um Zuschüsse beworben, zwischenzeitlich das Projekt sogar aufgegeben.

Dann kam der 4. Mai 2024. Ein wichtiger Tag für den Dorfplatz, wie auch Jörg Agthe am Sonntag betont. Kurz vor den Europawahlen brachten Michaela Kaniber, bayerische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und Europaminister Eric Beißwenger einen großen Förderbescheid in das kleine Dorf. Sie hatten fast 430.000 Euro für die Dorferneuerung dabei.

Durch eine lebendige Dorfmitte werde Leben in ein Dorf eingehaucht, sagt Eric Beißwenger bei der Einweihung am Sonntag. 60 Prozent der Menschen in Bayern lebten in Dörfern, so der Europaminister. Sie seien das aktive Rückgrat des Landes. „Deshalb unterstützen wir das Projekt.“

Auslöser für die Sanierung des Dorfplatzes waren übrigens marode Regenwasserkanäle. Drumherum kamen Überlegungen hinzu, ob und wie die Ortsmitte generell aufgewertet werden kann.

„Aus der Not hat man eine Chance gemacht“, sagt Landrat Elmar Stegmann in seiner Rede. Die Ortsmitte sei jetzt auch städtebaulich aufgewertet worden. Ein solcher Platz werde allerdings nicht von alleine zum Ort der Begegnung – es seien die Menschen, die ihn zu einem solchen machen.

Wettkämpfe lassen den Dorfplatz aufleben

Für jede Menge Spaß sorgt bei dem Fest der neu gegründete Narrenverein Sigmarszeller Bären. Als Programm für den Nachmittag hatte der sich etwas einfallen lassen: Auf der Wiese direkt neben dem Dorfplatz finden die ersten Sigmarszeller Bärenfestwettkämpfe statt.

Schon früher habe es an diesem Ort das Bärenfest gegeben, erklärt Bürgermeister Agthe. Der Bär ist auch auf dem Wappen der Gemeinde abgebildet. Er ist das Attribut des heiligen Gallus, nach dem die Pfarrkirche geweiht ist.

Neun Teams hatten sich für die Bärenfestwettkämpfe angemeldet. Beim Baumstammziehen und Holzscheiteschichten treten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen gegeneinander an. Zuschauerinnen und Zuschauer feuern die Spieler an.

Die Idee kommt so gut an, dass sich viele wünschen, sie im nächsten Jahr wieder umzusetzen – am liebsten am neuen Dorfplatz.

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