Nach Messerattacke in Lindau: Verteidiger legt Revision gegen 13 Jahre Haft ein

In dieser Unterkunft für Geflüchtete im Lindauer Stadtteil Reutin ereignete sich die brutale Tat. Foto: Christian Flemming

Nach der brutalen Messerattacke in einer Unterkunft für Geflüchtete ist ein 34‑Jähriger zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Mittlerweile hat sein Verteidiger Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, wie Ferdinand Siebert, Sprecher des Landgerichts Kempten, auf unsere Nachfrage mitteilte. „Die Revision ist bislang nicht näher begründet worden.“

Während der Hauptverhandlung im Juli am Landgericht Kempten hatte der Verteidiger beantragt, den Angeklagten wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren zu verurteilen.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf 13,5 Jahre plädiert, die Nebenklage auf 14 Jahre.

Die Tat ereignete sich im März 2026

Als der Angeklagte an einem Tag im März mit einem Messer auf sein Opfer einstach, habe er es töten wollen – davon war das Landgericht Kempten überzeugt.

Der 34-Jährige, der vor einigen Jahren aus der Türkei nach Lindau gekommen ist, hatte den 36-jährigen Afghanen, der in einer Unterkunft für Geflüchtete lebt, in seiner Wohnung überrascht, als dieser schlief, und mehrfach auf ihn eingestochen.

Schwer verletzt floh das Opfer in den Hof und brach dort zusammen. Der Angeklagte folgte ihm und stach erneut mehrfach auf ihn ein.

Vor der Unterkunft kam es zu einem Blutbad. Die Tat ereignete sich kurz vor 13 Uhr – mitten am Tag und zu einer Zeit, in der zahlreiche Menschen unterwegs waren. Passanten, Schülerinnen sowie Bewohner der Unterkunft wurden so zu Zeugen.

Den Notruf wählte ein Nachbar des Opfers. Als die Polizei eintraf, war der Täter noch vor Ort und konnte direkt festgenommen werden.

Wie häufig er mit dem Messer auf sein Opfer einstach, konnte vor Gericht nicht abschließend geklärt werden. Eine Rechtsmedizinerin sprach allerdings von „multiplen Stichen in unterschiedlichen Körperregionen“. Dass der 36-Jährige den Angriff überlebt hat, bezeichnete sie als großen „Zufall“. Er habe Glück gehabt, dass der Notarzt so schnell zum Tatort gerufen worden sei. Er sei in „letzter Sekunde gerettet worden“.

Den Artikel von der Hauptverhandlung findet ihr hier.

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