Im Mordfall Esme aus Nonnenhorn hat die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen

zwei Beamte der Kriminalpolizei durchsuchen Mülleimer.
Nachdem die Leiche gefunden wurde, durchsuchten die Beamten das Gebiet rund um den Fundort, die Wohnung und das Café. Auch in den Mülleimern schauten sie nach Spuren.
Foto. Archiv von Davor Knappmeyer

Mehr als anderthalb Jahre hat die „Soko Café“ im Fall der getöteten 70-jährigen Cafébetreiberin ermittelt. Jetzt hatten die Beamten einen Durchbruch – und brauchen nochmal die Hilfe der Bevölkerung.

Als Esme Eryücel im Juli 2024 auf dem Nachhauseweg von ihrem Café getötet wurde, hat das die Region erschüttert. Anderthalb Jahre lang hat die Polizei Spuren ausgewertet und Hinweise überprüft – offenbar mit Erfolg. Die Beamten haben zwei Männer „wegen des dringenden Verdachts des Mordes in Tateinheit mit Raub“ festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben.

Die Spur führte in die Mitte Deutschlands, nach Niedersachsen. In Zusammenarbeit mit den Beamten der Landespolizei in Salzgitter sei es zunächst gelungen, einen 53-jährigen Mann zu verhaften. Am Dienstag habe sich dann der zweite Tatverdächtige, ein 30-jähriger Mann, gestellt.

Die beiden Beschuldigten sollen Esme Eryücel am 21. Juli 2024 getötet und die Tageseinnahmen in vierstelliger Höhe geraubt haben.

Der Tag, an dem die 70-Jährige zuletzt lebend gesehen worden war, war ein Sonntag. Gegen 22.30 Uhr sperrte sie ihr Café Seegarten in Kressbronn ab und machte sich auf den Heimweg.

Sie nahm die Uferstraße, die die beiden Bodenseegemeinden Kressbronn und Nonnenhorn miteinander verbindet – und die bei gutem Wetter tagsüber voller Radfahrer und Fußgänger ist. In ihrer Wohnung kam sie offenbar nie an.

Freunde und Familie suchten fieberhaft

Freunde und Familie suchten am nächsten Tag fieberhaft nach ihr, auch in den sozialen Medien gab es Aufrufe. Am Abend gegen 21 Uhr fand ein Mann ihre Leiche auf einem privaten Gartengrundstück. Sie lag neben einer Laube direkt am Bodensee – ein Stück abseits des Wegs, den sie gegangen war.

Knapp 100 Beamtinnen und Beamte, darunter Polizeitaucher und Drohnenspezialisten, durchkämmten in den Tagen darauf das Gebiet rund um den Fundort. Die „Soko Café“ suchte an Land und im Wasser nach Beweismitteln.

An der Fahndung waren neben der Kriminalpolizei Kempten und Lindau sowie der niedersächsischen Landespolizei auch das bayerische Landeskriminalamt beteiligt. 

Ein Portrait von einer Frau, daneben Kerzen und bemalte Steine.
Anderthalb Jahre ist es her, dass Esme Eryücel getötet wurde. In ihrem Café erinnert noch vieles an sie. Foto: Julia Baumann-Scheyer

 

Für die beiden Töchter der Getöteten ist die Nachricht über den Ermittlungserfolg eine Erleichterung. Neben der Trauer um ihre Mutter wog für sie auch die Ungewissheit darüber schwer, wer ihr das angetan haben könnte. Wir haben ihre Geschichte hier erzählt.

Esme Eryücel war sowohl in Kressbronn als auch in ihrem Heimatdorf Nonnenhorn bekannt und beliebt. Für viele Kinder ist die Café-Betreiberin eine Ersatz-Oma gewesen, die bei den Hausaufgaben half und beruhigte, wenn die Prüfungsangst zu groß wurde.

Nach der Tat waren viele geschockt. Die Trauerfeier, die die Gemeinde vergangenes Jahr organisierte, besuchten 400 Menschen. Familienmitglieder reisten aus der Türkei an, Touristen kamen zum Teil von weit her. Vor dem Café in Kressbronn lag wochenlang ein Meer aus Blumen.

Kripo bittet erneut um Hinweise

Die beiden Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, bis sie verurteilt sind, gilt die Unschuldsvermutung, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung betonen.

Um den Fall lückenlos aufzuklären, bittet die Kriminalpolizei Kempten Zeuginnen und Zeugen nun erneut um Hinweise zu den beiden Männern. „Diese haben markante Tattoos an den Armen und bewegten sich im Bereich Kressbronn und Nonnenhorn, insbesondere in der Uferstraße.“

Vermutlich waren sie mit einem Kastenwagen mit deutscher Zulassung oder einem Audi mit deutschem Ausfuhrkennzeichen im Bereich Nonnenhorn und Kressbronn unterwegs. Unklar ist bislang, ob sich weitere Personen bei ihnen befanden.

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