Rednerinnen und Redner machen in Lindau auf die Hungersnot in Gaza aufmerksam, die sich immer weiter zuspitze – und fordern Solidarität mit Palästina.
„Man muss nicht Moslem sein, um gegen das zu demonstrieren, was in Gaza passiert“, sagte ein Mann bei der Kundgebung. „Es reicht schon, wenn man Mensch ist.“ Dafür bekam er Applaus von den etwa 160 Menschen, die zu der Kundgebung am Marktplatz gekommen waren.
Viele von ihnen hatten Plakate mitgebracht. „Gaza schreit – aber die Welt hört nicht hin“, stand auf dem Schild einer jungen Frau, „Free Gaza“ fordern andere.
Etwa eine Stunde haben Lindauerinnen und Lindauer Reden zur Situation in Gaza gehalten. Organisiert hatten die Kundgebung Andrea und Ingo Braun, unterstützt von Vertretern der Friedensregion Bodensee, der Linken und der Friedensräume.
„Aushungern ist die größte Stufe des Tötens“, sagte eine Frau. „Du wirst langsam und qualvoll sterben.“ Milliarden Menschen seien dabei, und keiner könne oder wolle helfen.
Die Ärztin Andrea Braun warnte vor der zunehmenden Hungersnot in Gaza. Jeden Tag warteten Palästinenserinnen und Palästinenser verzweifelt auf die Ausgabe von Lebensmitteln.
Sie wies auf die hohe Sterblichkeitsrate dort hin – diese sei fünfmal höher als vor dem Krieg, so Andrea Braun, die sich auf eine Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen bezog. Auch die Weltgesundheitsorganisation warnte vor wenigen Tagen vor einer Hungerkrise im Gazastreifen.
In Gaza verhungern Menschen
, sagte Andrea Braun.
Dietmar Stoller erinnerte an die eingeschränkte Pressefreiheit. Israel verbiete allen internationalen Journalisten den Besuch von Gaza, sagte er. Es solle in der Welt nicht bekannt werden, was dort passiert.
Stoller dankte allen Journalisten in Israel und Gaza sowie Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die trotz der Widerstände informieren, recherchieren und die Wahrheit herausfinden, wie er sagte.
Frieder Fahrbach von der Friedensregion Bodensee hatte sich Gedanken gemacht, wieso die Grausamkeit in Gaza „hier so wenig Resonanz findet“.
„Was wir in Gaza erleben, übertrifft in seiner Grausamkeit und Brutalität alles, was wir bisher mitbekommen haben.“
Er höre oft, dass Leute sich schützen möchten vor den Grausamkeiten, weil ihnen das zusetze und sie sonst nicht schlafen könnten. „Ich kenne das Gefühl“, sagte Fahrbach. Aber ignorieren und wegschauen könne nicht die Lösung sein.
Das ist ein Im-Stich-lassen der Unterdrückten.
Den Krieg in Nahost nannte er einen „asymmetrischen Krieg gegen ein kleines Volk“. Nicht nur Israel stecke dahinter, sondern auch die USA. „Die historische Verpflichtung gegenüber Israel kann keine Erklärung für die Zurückhaltung sein“, sagte Frieder Fahrbach. Er appellierte an die Solidarität mit einem bedrohten Volk und fordert einen Aufschrei.
„Free Palästina“, riefen die Menschen am Ende der Kundgebung, als einer der Veranstalter sie beendete. „Wir werden den Protest in den nächsten Monaten weiterführen.“