Nach tödlichem Unfall: Kommt beim Lindauer Netto-Markt eine Ampel?

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Lindau
Der Lindauer Stadtbus fährt auf der Friedrichshafener Straße in Richtung Stadtausgang.
An dieser Stelle gehen viele Menschen über die Straße. Eine sichere Möglichkeit dafür gibt es nicht.
Foto: Julia Baumann-Scheyer

Nach einem tödlichen Unfall ist vor gut einem Jahr die Diskussion über einen sicheren Fußgängerüberweg beim Netto in Aeschach entbrannt. Die Stadt hat das geprüft. Doch es gibt ein Platzproblem.

Die Frau blickt kurz nach rechts, kurz nach links, findet eine Lücke zwischen zwei Autos und huscht über die Straße.

Das ist hier im Lindauer Stadtteil Aeschach, wo sich Netto-Markt, Hofladen, Bushaltestellen, eine Kirche, verschiedene Geschäfte und ein Wohngebiet gegenüberstehen, kein ungewöhnliches Bild. Nicht nur Erwachsene mit Einkaufstüten in der Hand gehen über die vielbefahrene Friedrichshafener Straße, sondern auch Grundschüler, die zum Bus müssen.

Einen Zebrastreifen oder eine Verkehrsinsel gibt es hier nicht. Und die nächsten Fußgängerampeln sind gleich mehrere hundert Meter entfernt. Ein Umweg, den keiner in Kauf nimmt, wie Verkehrspolizist Daniel Stoll im Gespräch mit Kolumna erläutert.

Der Fußgänger schaut immer, dass er den für sich kürzesten Weg geht.

Zehn Meter hin oder her, arg viel mehr sei da nicht drin.

Mitarbeiter von Polizei und Stadtverwaltung sprechen schon seit längerer Zeit immer wieder darüber, wie die Stelle für Fußgängerinnen und Fußgänger sicherer werden könnte. Auch im Nahmobilitätskonzept der Stadt ist das Projekt aufgeführt. Priorität: mittel.

86-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle

Vor gut einem Jahr ist auch in der Lindauer Bevölkerung eine Diskussion über das Thema entbrannt. Denn kurz vor Weihnachten 2023 war es im Bereich des Netto-Markts zu einem tödlichen Unfall gekommen.

Eine 86-jährige Frau wurde von einem Auto erfasst, als sie die Straße zu Fuß überqueren wollte. Sie starb noch an der Unfallstelle. 

Eine Grafik zur Friedrichshafener Straße in Lindau.

Die Verwaltung kündigte an, zu prüfen, ob in dem Bereich eine Fußgängerampel installiert werden kann. Diese könnte dann schon 2025 gebaut werden, schrieb Bettina Wind, Sprecherin der Stadt, damals. Einen Zebrastreifen empfehlen die Experten dort wegen der hohen Verkehrsbelastung nicht. Und eine Verkehrsinsel sei bereits geprüft, aus Platzgründen aber wieder verworfen worden.

Zwar sei noch nichts final entschieden, erläutert Wind auf Nachfrage von Kolumna. Doch das Platzproblem scheint ein grundsätzliches zu sein. Denn ebenso wie für den Bau einer Verkehrsinsel benötige die Stadt auch für die Ampel Flächen, die ihr nicht gehören. „Deshalb wurden auch noch keine Gelder im Haushalt dafür eingeplant“, schreibt Wind.

Michael Jeschke, Leiter der Lindauer Polizeiinspektion, erklärt, warum: Für Fußgängerampeln müsste der Gehweg verbreitert werden, damit zum Beispiel auch Rollstuhlfahrende und Eltern mit Kinderwagen hinter der Ampel vorbeikommen. Und für eine Verkehrsinsel müsste gleich die ganze Straße verbreitert werden. Für beides gebe es an dieser Stelle keinen Puffer. „Da ist alles schon recht schmal“, sagt Jeschke.

Michael Jeschke, Chef der Lindauer Polizeiinspektion, steht in seinem Büro vor einer weißen Wand.
Michael Jeschke, Chef der Lindauer Polizeiinspektion.
Foto: Julia Baumann-Scheyer

Die Stadt müsste sowohl eine Ampel als auch eine Verkehrsinsel aus eigener Tasche bezahlen. Mit dem aktuellen Zensus hat Lindau die 25.000-Einwohner-Grenze überschritten und muss jetzt für Staatsstraßen und Ortsdurchfahren allein aufkommen. 

Nicht nur die Kosten für Unterhalt und Strom sprächen gegen eine Ampel, schreibt Bettina Wind. Eine Fußgängerampel würde sich auch „negativ auf den Verkehrsfluss auf der stark frequentierten Straße auswirken und Rotlichtverstöße hervorrufen“.

Vonseiten der Fachabteilungen werde daher eine Verkehrsinsel bevorzugt, „da sie verkehrssicherer ist und den Verkehrsfluss weniger einschränkt“. Diese Möglichkeit werde nun erneut geprüft. Das Platzproblem bleibt.  

Ermittlungen zum Unfall sind abgeschlossen

Aus Sicht der Polizei ist eine sichere Möglichkeit, die Straße zu überqueren, beim Netto-Markt zwar wünschenswert. Rein statistisch sei sie allerdings nicht zwingend notwendig, sagt Jeschke. „Dort gibt es keine auffällige Häufung von Unfällen.“

Die Ermittlungen zu dem Unfall vor gut einem Jahr sind mittlerweile abgeschlossen. Laut Pressestelle der Polizei haben sowohl die Fußgängerin als auch der Autofahrer den Unfall verursacht. Gegen den 87-jährigen Mann wurde ein Strafbefehl erlassen, er musste 6000 Euro bezahlen und bekam drei Monate Fahrverbot.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Hans Schwarz
    18.02.2025 11:09

    Vielen dank für Euren Bericht, ja das Thema ist und bleibt aktuell .Ich beobachte tag täglich, das viele Menschen hier über die Straße zum Netto Markt gehen. Man sollte eine sinnvolle Lösung finden unter Abwegung Verkehr FN Straße / Sicherheit. Die Verkehrsinsel finde ich gut, allerdings befürchte ich, das sich die Angelegenheit noch hinzieht…… Hoffen wir mal das beste 🙂

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