Für den großen Traum geht’s erst nach Berlin, und dann in die USA

Die beiden Schwestern Sara und Hanna Weichenhain ziehen gemeinsam nach Berlin. Foto: privat

Alles fürs Eishockey: Die beiden Lindauer Talente Hanna und Sara Weichenhain ziehen in die Hauptstadt, wo sie sich ganz ihrem Sport widmen wollen. Warum sie sich dafür entschieden haben, und weshalb Eishockey ihre große Leidenschaft ist.

Das Wettkampf-Gen liegt den Weichenhains im Blut. „Wenn wir als Familie spielen, dann ist das schon immer sehr kompetitiv“, sagt die 17-jährige Hanna Weichenhain lachend.

An diesem heißen Nachmittag ist noch ein Beachvolleyball-Match geplant. Hanna, ihre jüngere Schwester Sara, die beiden kleinen Brüder und die Eltern treten dann drei gegen drei an. 

In Zukunft werden solche Familienduelle seltener werden: Hanna und Sara ziehen nach Berlin.

Ein Jahr nur Eishockey

„Andere gehen nach der Schule reisen, ich hab’ mich dazu entschieden, das Eishockey vorn anzustellen“, sagt Hanna Weichenhain. Vor ein paar Wochen hat sie ihr Abitur am Lindauer Bodenseegymnasium gemacht, nun nimmt sie sich ein „Gap-Year“, das sie voll und ganz dem Training widmet.

Dafür wechselt die Lindauerin von ihrem bisherigen Verein ECDC Memmingen als Sportsoldatin zu den Eisbären Juniors. 

Dort freut sie sich nicht nur auf tolle Trainingsbedingungen im Sportforum und am Olympiastützpunkt, sondern vor allem aufs neue Team, in dem sie einige bekannte Gesichter aus der Eishockey-Frauen-Nationalmannschaft wieder treffen wird.

Die neue Mannschaft sei jung – für Hanna eine Chance, in eine neue Rolle zu schlüpfen und mehr Verantwortung zu übernehmen. 

Der große Traum ist geplatzt – zumindest vorerst

Eishockey bedeutet Hanna viel. Wie viel, das hat sie Anfang des Jahres schmerzlich gespürt, als sie sich bei einem WM-Vorbereitungsspiel der U18-Frauen gegen Norwegen das Schlüsselbein brach, nachdem sie wegen eines Checks zu Boden gegangen war.

Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter sein können: Durch die Verletzung platzte nicht nur die Weltmeisterschaft, sondern vor allem der große Traum von Olympia. Wenn sie daran zurückdenkt, ringt die 17-Jährige noch immer mit sich. 

Damals lernte sie auch die Schattenseiten des Profisports kennen. Aus Whatsapp-Gruppen, in denen Interna besprochen wurden, wurde sie sofort entfernt.

„Bei Insta bin ich selbst ein paar Leuten entfolgt“, sagt sie. Denn so sehr sie sich für ihre Teamkolleginnen freute: Es tat auch weh.

Heute versucht sie, das Positive zu sehen. „Ich hatte Zeit, fürs Abitur zu lernen.“ Und für Olympia gibt es eine zweite Chance.

Denn die Verletzung, die habe sie zwar verändert – allerdings positiv. „Entweder geht man aus sowas ängstlicher raus oder stärker“, glaubt die 17‑Jährige. „Ich bin jetzt stärker.“

Und dankbar, dass es wieder nur ein Knochenbruch war. Dass sie im Krankenhaus auch Kinder getroffen hat, die chronisch oder unheilbar krank sind, hat sie nicht kalt gelassen. „Das erdet einen ganz schön.“

Kürzere Wege im Leistungssportzentrum

Bis bei Sara die Abiturprüfungen anstehen, wird es noch knapp drei Jahre dauern. Sie wird sie aber nicht am Bogy, sondern im Internat des Schul- und Leistungssportzentrums schreiben. Die 16-Jährige hat entschieden, ihrer Schwester nach Berlin zu folgen. 

Auch Sara, die in der vergangenen Saison mit der deutschen U18-Nationalmannschaft den Wiederaufstieg in die weltweite Top-Division feierte, wechselt von den Memminger Indians zu den Eisbären Juniors. 

„Ich kann dort Eishockey und Schule besser verknüpfen“, sagt sie. Der Gedanke, künftig in einer Großstadt zu leben, ist für die 16-Jährige zwar noch befremdlich. Aber letztlich seien die Wege im Leistungssportzentrum kürzer als jetzt, wo sie fürs Training unter der Woche regelmäßig mit dem Zug nach Memmingen pendelt – und dort vom Bahnhof mit dem Cityroller zur Eisarena.

„Für uns ist das eine Riesenerleichterung“, sagt ihr Vater Tobias Weichenhain. Nach dem Training in Memmingen seien seine Töchter unter der Woche abends spät nach Hause gekommen. „Und wenn ich am Bahnhof auf sie gewartet habe, habe ich jedes Mal gehofft, dass sie auch wirklich aus dem Zug steigen.“

Fürs Eishockey entschieden

Die große Eishockey-Leidenschaft der beiden Schwestern hat ihre Wiege beim EV Lindau. Hanna hat schon immer gern Straßenhockey gespielt, bevor sie über ihren kleinen Bruder aufs Eis kam.

Sie hätte auch im Fußball Talent gehabt. Dort hat sie es bis in die württembergische Auswahl geschafft. Mit 14 musste sie sich dann entscheiden.

Ihre jüngere Schwester Sara war drei Jahre lang Eiskunstläuferin, „bevor ich dann zum Training gezwungen wurde“, sagt sie und lacht. Auch für sie war die Entscheidung schnell klar.

Was sie am Eishockey liebt: „die Action, und dass man schnell denken und reagieren muss.“

Für Hanna ist ausschlaggebend, dass Eishockey ein Teamsport ist. „Man ist mit Leuten zusammen, mit denen man ein ganzes Leben teilt.“

Für sie ist Berlin nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem großen Ziel: Nächstes Jahr möchte sie in die USA, um dort an einem College zu studieren und professionell Eishockey zu spielen.

Vielleicht kommt ihre Schwester Sara nach dem Abitur nach.

Und wenn sie zu Besuch zu Hause sind, gibt’s ein Volleyballmatch.

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