Der Ultraläufer knackt zwar nicht die 20-Stunden-Marke, stellt aber eine neue Bestzeit auf. Und er freut sich, dass viele Hobbyläufer ihn immer wieder ein kleines oder auch großes Stück auf seinem Weg begleiten.
„Come on, Neuschwander!“ Es ist kurz vor 12 Uhr am Sonntagmittag, als Ultraläufer Florian Neuschwander an der letzten Verpflegungsstation in Friedrichshafen aus seinem Campingstuhl aufspringt und sich fürs Finale nochmal selbst anfeuert.
Nur noch wenige Kilometer, dann hat der 44-Jährige es geschafft: einmal rund um den Bodensee. Zu Fuß. In weniger als 20 Stunden wollte es Neuschwander schaffen, 20 Stunden und 29 Minuten werden es letztendlich. Neue Bestzeit. Die alte lag bei 23 Stunden und 41 Minuten.
Muskelkater des Jahrtausends
Am Samstagnachmittag war Florian Neuschwander in Friedrichshafen-Fischbach gestartet, gegen 8.30 Uhr passierte er am nächsten Morgen die Grenze zwischen Lochau und Zech. Auf die Frage, wie viel Bock er noch habe, meinte er beim kurzen Verpflegungsstopp vor der Lindauer Insel: „Nimmer so viel.“
Sein schelmisches Lächeln war zu diesem Zeitpunkt aber schon wieder zurückkehrt. Mit einem solchen kündigte der Ultraläufer auch den „Muskelkater des Jahrtausends“ an. Und: „Ihr könnt schon mal einen Rollstuhl besorgen.“
Hobbyläufer warten zum Teil mehrere Stunden auf den Rekordmann
Mental geholfen haben ihm unterwegs die Läuferinnen und Läufer, die ihn begleiteten. Zum Schluss waren es rund 40, dazu etwa 20 Radler. „Ohne die Mitläufer hätte ich schon längst aufgegeben“, so der 44-Jährige.
Hier gibt’s ein Video vom Lauf:
Manch einer war am Morgen sehr zeitig dem Bett entstiegen, um „Flo“ zu begleiten und zu unterstützen. Die beiden Hobbyläufer Rainer und Jürgen standen in Lochau schon um 5.30 Uhr bereit, fast drei Stunden, bevor Neuschwander die Stelle letztlich passierte.
Begeisterter Empfang in Nonnenhorn
Kurze Zeit später stieß auch Jakob aus Lindau zur immer größer werdenden Gruppe – und beschrieb seine Motivation gegenüber Kolumna so: „Ich kenne Flo über Social Media schon lang und bin voll begeistert von seinen coolen Videos und sehr beeindruckt von dem, was er so macht. Und da habe ich mir gedacht: Wenn er jetzt durch meinen Wohnort läuft, dann muss ich da dabei sein.“
Lautstarke Unterstützung erhielt Florian Neuschwander, dem allein auf Instagram mehr als 170 000 Menschen folgen, immer wieder auch von Zuschauern am Straßenrand – oder von Autofahrern, die zum Gruß die Hupen ertönen ließen. Begeistert empfangen wurde der gebürtige Saarländer beim Verpflegungsstopp in Nonnenhorn.
Erstmal vier Wochen Pause
Nach dem Zieleinlauf in Fischbach gab der neue Rekordhalter zu Protokoll, dass er schon nach 70 Kilometern muskuläre Probleme in den Oberschenkeln bekommen habe. „130 Kilometer mit festen Oberschenkeln zu laufen, ist natürlich suboptimal“, so Neuschwander. Seine mit schelmischem Grinsen begleitete Schlussfolgerung: „Da wäre noch viel Potenzial. Aber ob ich mir das nochmal antue – keine Ahnung.“ Jetzt werde er erst mal vier Wochen Pause machen – „falls ich das aushalte.“