(Fast) kein Wassersport im Kleinen See: Ausbaggern könnte teuer werden

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Lindau
Schlamm und Seegras schimmern schon durch: Könnte der Kleine See irgendwann verlanden? Foto: Christian Flemming

Niedrigwasser, Seegras und Schlamm machen den Kleinen See für Ruderer, Kanuten, Bootsbesitzer und Angler zunehmend unbrauchbar. Ihn komplett auszubaggern, würde wohl Millionen kosten. Fraktionen fordern jetzt zumindest eine kleine Lösung.

Die Lindauer Ruderer können seit vier Wochen nicht mehr aufs Wasser raus. Ihr Steg liegt mittlerweile fast im Trockenen, die Boote können nicht abgelassen werden, sagt Jürgen Krampert, erster Vorsitzender des Vereins am Kleinen See. Teilweise weichen sie nach Bregenz aus, teilweise müssen sie auf ihr Training verzichten.

Wie in anderen Häfen, können manche Bootsbesitzer auch im Kleinen See ihre Liegeplätze nicht mehr nutzen. Sie können wegen des Niedrigwassers nicht auf den See hinausfahren.

Auch für den Kanuclub, dessen Mitglieder den Kleinen See ebenfalls als Trainingsrevier nutzen, sind Seegras und der dadurch entstehende Schlamm ein Problem. „Das Fahren ist dadurch fast unmöglich“, sagt Sarah Juhre vom Kanuclub. Würde das Seegras regelmäßiger gemäht, würde das helfen.

Das grundsätzliche Problem wäre aber wohl nicht gelöst: „Der Kleine See verlandet“, befürchtet ein Ruderer.

Im kleinen See befindet sich aktuell viel Seegras und Schlamm. Foto: Ronja Straub

 

Das Thema ist nicht neu und wurde in Lindau immer wieder diskutiert. Zuletzt komplett ausgebaggert wurde der Kleine See vor etwa 60 Jahren. Das Gelände des ehemaligen Seeparkplatzes auf der Hinteren Insel wurde damals mit diesem Material aufgeschüttet.

Seitdem sammelt sich der Schlamm immer wieder an. Ausgebaggert wurden nur Fahrrinnen oder der Durchlass unter dem Bahndamm.

Seit dessen Bau vor mehr als 150 Jahren gilt der Kleine See zwischen Bahndamm und Seebrücke als Binnengewässer, für das nicht der Freistaat, sondern die Stadt selbst verantwortlich ist.

Lindau müsste also auch die Kosten für das Ausbaggern tragen – und die wären ziemlich hoch. Deshalb hat die Stadt sich trotz vereinzelter Forderungen bisher dagegen entschieden.

Anders in der Nachbarschaft: Das Wasserburger Hafenbecken wurde vor drei Jahren – ebenfalls wegen Niedrigwassers – ausgebaggert. Der Hafen drohte zusehends zu verlanden.

Dort waren allerdings auch Berufsfischer und die Feuerwehr betroffen. Aktuell sind wegen des Niedrigwassers trotzdem nicht alle Liegeplätze nutzbar.

Für das Boot der Wasserburger Feuerwehr ist es in diesem Jahr zwar auch wieder knapp. Ohne die Ausbaggerung wäre die Feuerwehr allerdings noch stärker eingeschränkt: „Dann könnten wir aktuell gar nicht an unseren Liegeplatz“, sagt Wasserburgs Kommandant Christian Schorer.

Das Wasserburger Hafenbecken sieht relativ leer aus. Foto: Isabel de Placido

Wie viel kostet das Ausbaggern?

Teuer ist nicht das Abbaggern an sich, sondern das Entsorgen des Materials. Es sei zwar grundsätzlich nicht verboten, den Schlamm an anderer Stelle in den See zu kippen – allerdings nur, wenn der nicht belastet ist, schreibt Sibylle Ehreiser, Sprecherin des Landratsamts.

Als etwa 2011, 2019 und 2021 der Nonnenhorner Hafen ausgebaggert wurde, habe man das Material im Bodensee „verklappt“. Ähnlich sei es 2006 im Zecher Hafen abgelaufen.

Beim Kleinen See könnte das allerdings schwierig werden.

Denn für den Umgang mit Aushubmaterial am Bodensee gibt es einen speziellen Leitfaden der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB), schreibt Stadtsprecherin Stefanie Czuday.

Eine zentrale Vorgabe des Leitfadens laute: Sediment, das Beurteilungswerte überschreitet, darf nicht an andere Stellen im See verbracht werden.

Diese Überschreitung betreffe große, wenn auch nicht alle Bereiche im Kleinen See.

Es gehe um die Frage, wie Werte von Kohlenwasserstoffen und zinnorganischen Verbindungen beurteilt werden. „Hierzu findet bereits ein Austausch zwischen den regionalen Fachstellen statt“, schreibt Czuday.

Ist der Schlamm belastet, müsse er auf einer Deponie entsorgt werden. Und das wird teuer.

Wie teuer eine Ausbaggerung wäre, könne man erst sagen, wenn feststeht, wo und wie viel Material abgetragen werden muss, schreibt Czuday. Die Kosten liegen bei etwa 150 bis 250 Euro pro Kubikmeter.

Die Stadtratsfraktionen CSU und Freie Bürger/Freie Wähler trauen sich dennoch an eine Kostenschätzung heran. Die Stadt müsse demnach mit fünf bis sechs Millionen Euro rechnen, wenn der Kleine See komplett ausgebaggert wird. Das schreiben die Fraktionen in einem interfraktionellen Antrag zu dem Thema.

Sie begründen die hohe Summe ebenfalls mit belastetem Sediment.

Was die Fraktionen fordern

Diese Kosten seien für die Stadt Lindau nicht darstellbar, schreiben die Fraktionen. Sie schlagen vor, zunächst nur einzelne Fahrrinnen auszubaggern. So könnte der Betrieb für Sportler und Bootsbesitzer wieder ermöglicht werden.

Dafür sollen nächstes Jahr 200.000 Euro im Haushalt eingeplant werden, fordern sie.

Zuvor solle anhand einer Klassifizierung bestimmt werden, wie stark der Schlamm im Kleinen See belastet ist.

Außerdem fordern die Fraktionen ein sogenanntes Strömungsgutachten. Es soll klären, wie sich eine weitere Versandung des Kleinen Sees verlangsamen lässt.

Um beides zu finanzieren, soll unter anderem ein Haushaltsrest aus dem Jahr 2025 in Höhe von etwa 77.000 Euro verwendet werden.

Zudem schlagen CSU und Freie Bürger/Freie Wähler vor, Einnahmen aus den Liegeplätzen am Kleinen See in den nächsten Jahren für die Umsetzung des Gutachtens zu verwenden.

Die Stadt nehme mit den Liegeplätzen im Kleinen See jährlich etwa 505.000 Euro ein. Was nach Ausgaben wie der Bewirtschaftung des Hafens oder Personalkosten übrig bleibt, sollte dem Kleinen See zugutekommen. Wie viel das wäre, schreiben sie nicht.

Die Fraktionen verweisen außerdem darauf, dass sinkende Wassertiefen zu höheren Temperaturen, Sauerstoffmangel und einer Verschlechterung des Lebensraums für Fische, Amphibien und Wasservögel führen könnten.

Sie sprechen das sogenannte „Verschlechterungsverbot“ an, eine EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Das Verschlechterungsverbot sei im Fall des Kleinen Sees nach ihrem Kenntnisstand kein Argument für eine Ausbaggerung, schreibt Bettina Haas vom Wasserwirtschaftsamt in Kempten auf unsere Anfrage.

Ob die Fahrrinnen im Kleinen See zeitnah ausgebaggert werden, wird also wohl eine politische Entscheidung.

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