Draußen ist es warm. Vor dem Alten- und Pflegeheim Maria-Martha-Stift fährt eine ältere Dame gemeinsam mit ihrer Begleitung auf einem Tandemfahrrad am Seeufer. Weitere Senioren schlendern zufrieden die Wege entlang.
Trotz des guten Wetters sitzen einige Bewohnerinnen drinnen in einem Kreis zusammen. Sie strahlen, als Anne-Sophie Seidler den Raum betritt. Sie stellt einen Stapel Kisten vor sich ab, begrüßt die Seniorinnen herzlich. Eine von ihnen erzählt freudig, wie der bisherige Tag verlief.
Dann fängt Anne-Sophie Seidler mit ihrem „Aufwärmprogramm“ an: Spanische Musik läuft. Alle nicken sich wiederholt zu. Sie klopfen Arme, Beine und Gesicht ab.
Seit März engagiert sich Anne-Sophie Seidler einen Nachmittag pro Woche ehrenamtlich beim Maria-Martha-Stift. „Ich wollte immer schon Menschen helfen“, sagt sie.
Ein kompletter Karrierewechsel
Beruflich war sie eigentlich als Übersetzerin und im Online-Marketing tätig.
Ich habe nichts hinterlassen, ich war austauschbar. Das war Quatsch.
, schließt die Ehrenamtliche nun.
Die Arbeit mit den Heimbewohnern macht ihr so viel Spaß, dass sie sich entschloss, einen kompletten Karrierewechsel zu wagen. Nach nur drei Monaten Ehrenamt kündigte Anne-Sophie Seidler ihren Job und ließ sich zur Alltagsbegleiterin ausbilden – ein Beruf, bei dem sie nicht für die hygienische Pflege der Anwohnenden zuständig ist, und den sie über mehrere Monate hinweg online erlernen konnte.
Spiele gegen Einsamkeit
Grund für ihr erstmaliges Interesse an ehrenamtlicher Arbeit war unter anderem das Älterwerden ihrer Kinder. In der ungewohnten freien Zeit beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Thema Einsamkeit.
Es gibt Menschen, die wirklich niemand anderen haben.
Daran wollte sie etwas ändern.
Wusste sie ursprünglich noch nicht genau, wie genau ihr Engagement aussehen sollte, stieß sie durch Zufall in den sozialen Medien auf einen Mann, der Geschicklichkeitsspiele in Altersheimen anbietet. „Ich wusste dann sofort, das will ich auch machen“, sagt sie.
Über eine Freiwilligenbörse wurde sie auf das Alten- und Pflegeheim aufmerksam. Nach einer Anfrage stieß ihre Idee dort auf Begeisterung.
Luftballons, Wurfringe, Tischtennisbälle und Eierkartons
Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims veranstaltet sie Gruppensitzungen im Gemeinschaftsraum. Alle, die können und wollen, sind herzlich eingeladen.
Gemeinsam spielen sie diverse Geschicklichkeitsspiele mit Luftballons, Wurfringen, Tischtennisbällen und Eierkartons.