Eine Ära geht zu Ende: Wasserburgs Ortsheimatpfleger Fridolin Altweck übergibt sein Amt

Bürgermeister Harald Voigt (rechts) und Landrat Elmar Stegmann (links) verabschieden Fridolin Altweck (Zweiter von rechts) und begrüßen Andreas Schmid. Foto: Isabel de Placido

26 Jahre lang war er Ortsheimatpfleger von Wasserburg und damit Hüter der Wasserburger Geschichte. Jetzt gibt er den Posten an Andreas Schmid weiter.


Eines hat sich Fridolin Altweck schon lange gewünscht: „Einen Nachfolger, den ich in aller Ruhe in den nächsten Jahren einarbeiten und dem ich mein Archiv übergeben könnte.“ 

Gute zehn Jahre hat es gedauert, bis sich dieser Wunsch erfüllen sollte. Doch jetzt hat sich mit dem 40-jährigen Wasserburger Andreas Schmid ein Nachfolger gefunden, der ebenso heimatverbunden ist, wie Fridolin Altweck selbst.

Abgesehen davon, dass der Büroangestellte und Versicherungskaufmann eine große Begeisterung für die Geschichte seines Heimatortes mitbringt, ist er schon seit einigen Jahren zweiter Vorsitzender des Museumsvereins. Und sein Großvater Fritz war auch schon Ortsheimatpfleger. Beste Voraussetzungen also, um in Fridolin Altwecks Fußstapfen zu treten. 

Aufgewachsen im „kleinen Dörfle“ 

Und die sind groß. Fridolin Altweck hat sich über eine lange Zeit hinweg für Wasserburg engagiert – und das, obwohl er eigentlich 1945 als ältestes von drei Geschwistern in Mariaberg, einem „kleinen Dörfle“ bei Kempten, geboren ist. „Ich war ein Hirtenbub“, sagt er und erzählt schmunzelnd weiter, dass ihn bei der Arbeit einer „z’sammengefahren“ hat. Daraufhin hätten seine Eltern beschlossen, ihn aufs Gymnasium zu schicken, denn zum Hüten sei er ja „zu blöd“.

Wer Fridolin Altweck kennt und ihn schon einmal auf einem seiner unzähligen Vorträge erlebt hat oder dabei gewesen ist, wenn er mit Gedichten in Mundart die Zuhörer begeisterte, kennt seine fröhliche und augenzwinkernde Art zu erzählen.

Weil die Eltern auch die anderen beiden Kinder finanzieren mussten, konnte Fridolin Altweck nur bis zur mittleren Reife auf dem Gymnasium bleiben. Er machte eine Ausbildung zum technischen Zeichner, war acht Jahre bei der Bundeswehr und hat in England Radarelektroniker ausgebildet. Zurück in Deutschland machte er sein Abitur nach und studierte Elektrotechnik, Mathematik als Zweit- und Pädagogik als Drittfach kamen hinzu.

Wie Fridolin Altweck nach Lindau und dann nach Wasserburg kam

Nach dem Abschluss lehrte er zuerst an einer Klosterschule in Kempten Deutsch und Geschichte, danach an einer Mädchenrealschule in Kaufbeuren Mathe und Physik. Sein Wunsch, Berufschullehrer zu werden, sollte sich erst in Lindau erfüllen, wohin er zum Schuljahr 1979/80 versetzt wurde, um an der Fachoberschule (FOS) Mathe zu lehren und das Fach Technologie aufzubauen.

Längst war Fridolin Altweck da schon mit seiner Veronika verheiratet und die beiden hatten eine Tochter. Doch nach Lindau ging er erst einmal allein. Erst als er ein ganzes Jahr später eine Wohnung in Wasserburg für die Familie gefunden hatte, ließ er seine beiden Lieben nachkommen. Seitdem wohnen die Altwecks dort, und in der Wohnung ist in diesem beinahe halben Jahrhundert eine bemerkenswerte Privat-Bibliothek entstanden.

Lang hatte es nicht gedauert, bis sich Fridolin Altweck in seiner neuen Heimatgemeinde eingebracht hat. Schließlich, so sagt er heute, „bin ich seit 1979 hier daheim“. Erst war er Schriftführer im Museum im Malhaus, dann wurde er Museumsleiter. Zahlreiche Ausstellungen und Vorträge gehen auf sein Konto. Auch die Wiederbelebung der Wasserburger Tracht ist ihm zu verdanken.

Mit Martin Walser, Wasserburgs berühmtem Literaten, schloss er Freundschaft. Ihm widmete Altweck im Museum eine Extra-Abteilung und bekam zum Dank und zur Unterstützung etliche private Dokumente. Auch vor heiklen Geschichtsthemen ließ er sich nicht abschrecken, sondern arbeitete sie auf.

Mit dem Westallgäuer Heimatpreis ausgezeichnet

Etwa die Wasserburger Hexenprozesse. Dass auf der Halde, genau an der Stelle, wo bei den Hexenprozessen zwischen 1656 und 1664 mehr als 25 Wasserburger verbrannt wurden, ein Galgenkreuz als Mahnmal steht, ist seiner Initiative zu verdanken. Auch die nicht durchweg schönen Wasserburger Geschichten aus der Zeit zwischen 1914 und 1945 brachte er ins Malhaus. Beteiligt war er zudem an den archäologischen Ausgrabungen beim Schloss, aus denen Erkenntnisse über die ehemalige Herrschaft Wasserburg gewonnen wurden.

Als Fridolin Altweck dann vor 26 Jahren von Frank Zieger das Amt des Ortsheimatpflegers übernahm, war das eigentlich nur eine logische Konsequenz.

Besonders ist in Wasserburg, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Ortsheimatpflege zweigleisig organisiert ist: Mit Rainer Strohmayer hat die Gemeinde einen Ortschronisten, der sich mit der Geschichte von vor hundert Jahren beschäftigt – und mit Fridolin Altweck einen Ortsheimatpfleger, der sich um die neueren Geschehnisse kümmert. Als eines der Highlights in seinem Amt bezeichnet der passionierte Lokalhistoriker die 1225-Jahrfeier, die er 2009 mitorganisierte und ausrichtete.

Erst in diesem Jahr ist Fridolin Altweck mit dem Westallgäuer Heimatpreis ausgezeichnet worden. Und wer weiß: Vielleicht bekommt den auch irgendwann sein Nachfolger Andreas Schmid.

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