Drei Eckpfeiler sollen helfen: Kann das Ruder beim Eichwaldquartier nochmal herumgerissen werden?

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Lindau
Ein Luftbild von einem Gelände am Bodensee.
Das Grundstück hinter der Therme, auf dem aktuell die Thermenparkplätze und Schrebergärten untergebracht sind, soll entwickelt werden. Rechts unten im Bild ist gut die Fläche zu erkennen, die ohne Genehmigung gerodet wurde.
Foto: Stadt Lindau

In den Konflikt soll endlich Ruhe einkehren. Wie die Stadt das schaffen will, warum das Strukturkonzept dabei keine große Rolle mehr spielt – und wie es mit Gärten, Naturschutz, Eis- und Kletterhalle jetzt weitergeht.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lindauer Bauamt haben in den vergangenen Wochen Fleißarbeit geleistet. Sie mussten dutzende Anmerkungen und Einwände sortieren, die es zum Strukturkonzept für das 80.000 Quadratmeter große Gelände hinter der Therme gab. Herausgekommen sind drei Varianten, die dem Stadtrat am Mittwochabend präsentiert werden. Allerdings werden sie am Ende gar nicht entscheidend sein.

Grundstücksbesitzer Andreas Schauer sowie Vertretern von Kleingärtnern, Anwohnern und Bund Naturschutz kennen die neuen Konzepte bereits. Mit ihnen hat die Verwaltung während der vergangenen Wochen regelmäßig Rücksprache gehalten. „Damit keine roten Linien überschritten werden“, wie Oberbürgermeisterin Claudia Alfons kürzlich sagte.

 

In mehreren Gesprächen haben sie gemeinsam das weitere Vorgehen erarbeitet (von links): Marco Braatz, Vorsitzender der Kleingärtner, Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons, Maximilian Schuff, Vorsitzender des Lindauer BN, Grundstücksbesitzer Andreas Schauer und Annika Höntsch von der Stadtplanung. Foto: Stadt Lindau

 

Schließlich soll endlich Frieden einkehren in den Konflikt um das Gelände, der schon seit vier Jahren schwelt: Besitzer Andreas Schauer will es entwickeln, was der Stadtrat bereits 2017 in einer unverbindlichen Absichtserklärung in Aussicht gestellt hat. Mittlerweile gibt es auch einen Grundsatzbeschluss dazu.

Allerdings war auch den Inhaberinnen und Inhabern der rund 100 Schrebergärten auf dem Gelände versichert worden, dass sie sich um ihre Gärten keine Sorgen machen müssten. Das Gebiet, auf dem sie stehen, wurde im Vorfeld des Bürgerentscheids zur Therme als Dauerkleingartenanlage in den Flächennutzungsplan aufgenommen. 

Der Beteiligungsprozess, mit dessen Hilfe die Stadt Ruhe in das Thema bringen wollte, dauert bereits ein Jahr. Vor zwei Monaten stimmten die Stadträtinnen und Stadträte über ein sogenanntes Strukturkonzept ab. Das ist eine erste, grobe Einteilung der Fläche in Wohnen, Gewerbe, Grünflächen und Gärten. Sie entschieden sich knapp für die sogenannte Variante G, die einen verhältnismäßig hohen Anteil an Bebauung und nur rund 10.000 Quadratmeter Gartenflächen vorsieht. Das ist nur etwas mehr als ein Viertel ihrer jetzigen Fläche.

Warum das Strukturkonzept an Bedeutung verliert

Ein Workshop im Vorfeld hatte bereits gezeigt, dass vor allem Kleingärtner, Anwohnerinnen und Naturschützer nicht hinter dem Strukturkonzept stehen. Dementsprechend viele Anmerkungen gab es dazu – und dementsprechend heftig waren die Diskussion im Stadtrat und die Reaktionen danach.

Die Variante G ist die Variante, auf deren Basis die Mehrheit des Stadtrats das finale Strukturkonzept entwickeln will. Hier sind für die Schrebergärten etwa 10.000 Quadratmeter vorgesehen (türkis). Im Nordosten, und damit auch im Gebiet, in dem ohne Genehmigung gerodet wurde, sollen Wohnungen entstehen (rot). Die orangefarbene Fläche zeigt ein Mischgebiet, die graue ein Gewerbegebiet. Grünflächen sind grün, Wasser ist blau.

 

In den vergangenen Wochen ging es nun vor allem darum, die Anmerkungen und Einwände – die Stadt nennt sie Akzeptanzhebel – zu sortieren und drei Untervarianten des Konzepts auszuarbeiten. Allerdings habe es so viele Akzeptanzhebel gegeben, dass „die Strukturkonzepte an die Grenze ihrer Aussagefähigkeit kommen“, wie es in der Sitzungsvorlage des Stadtrats am Mittwoch heißt. Darum sind die Beteiligten überzeugt: Strukturkonzepte werden nicht mehr dabei helfen, einen Kompromiss zu finden.

Stattdessen hätten die Anmerkungen noch einmal verdeutlicht, dass die friedliche Entwicklung davon abhängt, ob drei zentrale Konflikte gelöst werden können.

Die drei Prämissen

  1. Für die Gärtnerinnen und Gärtner sei es wichtig, dass es auf dem Gelände später zentrale, zusammenhängende Kleingartenflächen gibt, die „signifikant größer“ als die 10.000 Quadratmeter aus dem beschlossenen Strukturkonzept G sind. „Unser wichtigstes Anliegen ist eine verlässliche Perspektive für die Kleingärten“, wird deren Sprecher Marco Braatz in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.
  2. Der Bund Naturschutz besteht darauf, dass rund um das Gelände ein hochwertiger Biotopverbund entsteht.
  3. Und der Bereich um die Drehscheibe im Osten des Geländes, auf dem Schauer Rodungsarbeiten durchführen ließ, die zum Teil nicht genehmigt wurden, müsse „ökologisch sensibel“ behandelt werden. Denkbar ist dort laut Stadt zum Beispiel ein Biotop in Kombination mit einem angrenzenden Spielplatz.

Damit sind auch Teile des Konzepts, das Bund Naturschutz und Kleingärtner im Nachgang der September-Sitzung in Eigenregie gestaltet haben, in die Prämissen eingeflossen.

Laut Sitzungsvorlage hat der Bund Naturschutz im Gegenzug in Aussicht gestellt, dass er die Klage gegen die Baugenehmigung der Therme zurücknimmt.

Wie geht es mit Eis- und Kletterhalle weiter?

Dass sich alle Beteiligten auf diese „Eckpfeiler“ geeinigt haben, bezeichnet die Stadt in einer Pressemitteilung als „wegweisenden Kompromiss“.

In der Sitzungsvorlage stellt die Verwaltung aber auch klar: Je mehr Flächen auf dem Grundstück für Biotope, Grünflächen oder Kleingärten freigehalten werden, desto dichter und höher muss die Bebauung ausfallen. Denn nach wie vor gilt die Prämisse, dass die Bebauung des Geländes für Besitzer Andreas Schauer wirtschaftlich sein muss. 

Präzise erfolgen könne eine Berechnung der Wirtschaftlichkeit aber erst, wenn die Planungen konkreter werden. Ob Eis- und Kletterhalle im Eichwaldquartier umgesetzt werden, sei noch offen und hänge von den Finanzierungskonzepten ab und davon, ob sich die Vereine und Grundstücksbesitzer Schauer auf entsprechende Flächen einigen können.

Portrait von einem Mann in einem Bad
Thermenbetreiber Andreas Schauer. Foto: Therme Lindau

Gewinnbringende Teile sollen den „Non-Profit“-Bereich quer finanzieren

„Ich will etwas entstehen lassen, wo sich wirklich jeder wiederfindet“, sagt Grundstücksbesitzer Andreas Schauer im Gespräch. Ganz nach dem Leitbild der Therme sollen auf dem Gelände später die gewinnbringenden Bereiche die „Non-Profit“-Bereiche quer finanzieren. Dass Eissportverein und DAV sich bei ihrer Hallenplanung zusammentun wollen, findet er toll, zudem könnte er sich auf dem Gelände eine Multifunktionshalle vorstellen, sagt er. „Bei der kleinteiligen Diskussion vergessen manche das große Bild, das entstehen könnte.“

Bevor das gezeichnet werden kann, muss allerdings erst Frieden herrschen. Ob der tatsächlich gelingt, wird sich am Mittwoch zeigen. Dann soll der Stadtrat nicht nur die drei Prämissen beschließen, sondern auch den Startschuss für den städtebaulichen Wettbewerb geben, der nun folgen soll.

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