Enge unterm Pavillon: Wegen des Regens drängten sich rund 50 Anwohnerinnen und Anwohner, um sich die Pläne der GTL für die Enzisweilerstraße erklären zu lassen. Foto: Isabel de Placido
Die Stadt Lindau will die Enzisweilerstraße sanieren und ausbauen. Dafür sollen sämtliche Bäume gefällt und die Fahrbahn in Teilen auf sechs Meter verbreitert werden. Anwohnerinnen und Anwohner sind alles andere als begeistert.
Projektleiter Norman Dietrich von den Garten- und Tiefbaubetrieben Lindau (GTL), sein Kollege Thomas Schießl sowie Ingenieur Stefan Bäumler vom Ingenieurbüro A+B hatten es am Mittwochnachmittag nicht leicht. Denn die Pläne, die sie zur Informationsveranstaltung vor die Leonhardkapelle mitgebracht haben, haben viel Zündstoff in sich.
Keiner der rund 50 Anwohnerinnen und Anwohner, die zum Termin gekommen waren, war begeistert davon, was die GTL mit der Enzisweilerstraße vorhat. Die Diskussion war emotionsgeladen.
Dass diese wichtige Verbindungsstraße zwischen der Kreisstraße LI 16 und dem Lindauer Stadtteil Bad Schachen „in einem teilweise bemitleidenswerten Zustand“ ist, wie Norman Dietrich sagte, sollte der einzige Punkt bleiben, dem die Anwohner kritiklos zustimmten.
Das sind die Hintergründe für den Umbau
Von einer Chance für die nächsten Jahre sprach der Projektleiter, wenn die Straße so wie geplant ab Frühjahr kommenden Jahres für einen „höheren sechsstelligen Betrag“ grundlegend erneuert werde.
Hintergrund für die Pläne, die der Werkausschuss 2024 bei den GTL in Auftrag gegeben hat, ist, dass die Bahn in den nächsten Jahren sowohl die Eisenbahnquerung Lotzbeckweg als auch die Eisenbahnüberführung Wackerstraße neu bauen will. Die Stadt muss sich daran entsprechend beteiligen.
„Bis dahin muss die Enzisweilerstraße in Ordnung und verkehrstüchtig sein“, sagte Norman Dietrich und erklärte, dass die Baufahrzeuge über die Enzisweiler- und die Schachenerstraße zu den Baustellen der Bahn fahren werden.
Die Enzisweilerstraße soll breiter werden. Foto: Isabel de Placido
Doch auch schon heute kommt der Straße eine verkehrliche Bedeutung zu, weil sie die einzige Zufahrt nach Schachen und dem Giebelbachviertel ist, die keine Höhenbeschränkung hat. Abgesehen davon fährt hier auch der Stadtbus. Rund 1000 Autos nutzen die Straße täglich, zitierte Norman Dietrich ein Gutachten. Der Schwerlastverkehr sei dabei „vernachlässigungswürdig“.
In Zukunft soll die Straße breit genug für Begegnungsverkehr jeglicher Art sein. Das heißt, dass ein Bus und ein Lastwagen ebenso gleichzeitig aneinander vorbeikommen müssen, wie zwei Busse oder ein Bus und ein Blaulichtfahrzeug.
Damit das möglich ist, müsste die Straße eine Regelbreite von sechs Metern haben. Aktuell ist die Fahrbahn jedoch nur etwa 5,30 Meter breit. Geplant ist, dass es etwa auf Höhe der Kita „Seezwerge“ eine Ausweichstelle geben wird. Und damit der Verkehr langsamer rollt, soll die Straße zudem verschwenkt werden.
Alle Bäume sollen gefällt werden
Für diese Planung müssen allerdings die Grünstreifen weichen. Geplant ist in diesem Zusammenhang auch, dass alle rund 30 Bäume gefällt werden. Viele dieser Bäume stünden ohnehin auf der Fällliste, weil sie kaputt oder geschwächt seien, sagte Norman Dietrich. Er erklärte, dass der Versuch, angeschlagene Bäume über die Baumaßnahme zu retten, teuer sei und keinen Sinn ergebe.
Erfahrungsgemäß gingen die Bäume kurze Zeit später ein. Ersatzpflanzungen erfolgten in verdichtetem Untergrund und hätten nur eine kurze Lebensdauer. „Wir müssen wirtschaftlich denken“, sagte er. Geplant seien dreizehn neue Bäume, für die ein völlig neuer Untergrund geschaffen werde.
„Aber heute können Anregungen gemacht werden“, sagte Dietrich. Und das musste den Schachenern niemand zweimal sagen.
Was die Anwohnerinnen und Anwohner kritisieren
„Es kann nicht sein, dass 33 Bäume getötet werden. Bis heute hat doch alles funktioniert“, brachte eine Anwohnerin die zuvor zahlreich geäußerte Kritik und Aufregung auf den Punkt. Sie erntete dafür Applaus.
Auch die Anregung eines Anwohners, der die Enzisweilerstraße im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schachenerstraße gesehen haben wollte, stieß auf Beifall. Er schlug vor, die Enzisweilerstraße mit 5,50 Metern ebenso breit zu bauen, wie die Schachenerstraße. Zusätzliche Ausweichstellen könnten für reibungslosen Begegnungsverkehr sorgen.
„Die Straße soll nicht zur Rennstrecke werden“, sagte ein anderer Anwohner und schlug vor, Schwerlastverkehr nur mit Ausnahmegenehmigung zuzulassen. „Mit sechs Metern haben Sie hier die B 31“, ergänzte eine Anwohnerin.
Eine andere sagte: „Wir wollen hier eine Wohnstraße, keine Durchgangsstraße, wir wollen keine bequeme Anfahrtsstraße werden.“ Ein Anwohner fürchtete, dass die höhere Unterführung in der Wackerstraße und die breitere Enzisweilerstraße die Gefahr berge, eine Alternative zur LI 16 zu werden. Eine Frau sagte: „Überall wird zurückgebaut, hier wird ausgebaut, das ist ein Unding.“
Ein Mann brachte den Gedanken ein, dass die Enzisweilerstraße eigentlich an Bedeutung verlöre und verschmälert werden könnte, sobald Schachen über die neue Wackerstraßenunterführung erschlossen sei.
Gehweg soll 1,90 Meter breit werden
Für Kritik sorgten zudem die Pläne des Ingenieurs, den Gehweg beidseitig 1,90 Meter breit zu machen. Ein Anwohner regte daher an, die Gehwege jeweils nur 1,40 Meter werden zu lassen. „Dann könnte der Grünstreifen größer werden und mehr Bäume gepflanzt werden.“
Stadträtin Angelika Rundel (SPD), ebenfalls eine Anwohnerin, erklärte, dass auch in Zukunft wegen der Kita die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 30 bleiben werde. Zudem plane der Stadtrat eine Tonnagebegrenzung für die neue Unterführung in der Wackerstraße, um Schwerlastverkehr durch Bad Schachen zu verhindern.
Am Ende der zweistündigen Informationsveranstaltung versprach Projektleiter Norman Dietrich, zu prüfen und eventuell in die Pläne einzuarbeiten, dass die Enzisweilerstraße statt sechs Meter nur 5,50 Meter breit werden solle. Auch weitere Ausweichstellen und die Frage, ob Gehwege zugunsten breiterer Grünstreifen und Bäume verschmälert werden können, würden die GTL untersuchen.
Was die Anwohner ebenfalls erwirkten, war das Versprechen, dass es eine weitere Informationsveranstaltung geben werde, bevor der Stadtrat am 23. Juli die Pläne zur Entscheidung vorgelegt bekommt.
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