„Der Akku ist irgendwann leer“: Nach Jahren des Umbaus ist das Ziel in Sicht

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Lindau
Nach Jahren des Umbaus ist das Maria-Martha-Stift bald wieder baustellenfrei. Das freut Heimleiterin Anke Franke. Alle Fotos: Ronja Straub

Die Sanierung des Maria-Martha-Stifts auf der Insel hat viele Jahre gedauert und war finanziell herausfordernd. Es gab immer wieder Rückschläge, mal fehlten Millionen. Heimleiterin Anke Franke hat die Hoffnung nicht aufgegeben – und damit nicht nur neue Pflegeplätze geschaffen.

Nicht nur von außen, auch wer durch das Maria-Martha-Stift geht, sieht es: Die Umbauarbeiten neigen sich dem Ende zu. Etliche Bewohnerzimmer sind schon neu bezogen, die Wohngruppen neu gestaltet – nur im Untergeschoss wird noch gewerkelt. „Aber es ist alles nur noch eine Frage der Zeit“, sagt Anke Franke, Leiterin des Pflege- und Seniorenheims.

Dass es so weit kommen wird, war nicht immer selbstverständlich. Im Frühjahr 2025 sah alles noch ganz anders aus: Es fehlten mehr als drei Millionen Euro für die Sanierung. Anke Franke sprach damals im Kolumna-Podcast von schlaflosen Nächten und einer belastenden Zeit.

Aber von vorn. Hinter der Sanierung des Maria-Martha-Stifts steckt eine lange Geschichte. Schon 2015 habe sie die erste Planung bei der Stadt eingereicht, erzählt Franke, die auch Geschäftsführerin der evangelischen Diakonie in Lindau ist.

Als es dann im Februar 2020 mit der Entkernung losging, stand plötzlich die Coronakrise vor der Tür. „Als wir im März die Arbeiten stoppen mussten, war das katastrophal“, sagt die 57-Jährige. Dadurch verschob sich der Start des Projekts nach hinten.

Es ist von außen und von innen sichtbar: Das Maria-Martha-Stift ist so gut wie fertig.

 

Später kam ein Rechtsstreit hinzu. Und mit dem Ukrainekrieg explodierten auch noch die Bau- und Energiekosten. „Da hatten wir gerade abgerissen und plötzlich wurde der Stahl teurer.“

Gut 17 Millionen Euro waren für den Umbau des Seniorenheims ursprünglich veranschlagt. Doch die Kosten stiegen deutlich, gleichzeitig blieben eingeplante Förderungen und Zuschüsse aus. So tat sich schließlich eine Finanzierungslücke von mehr als drei Millionen Euro auf. Für das Maria-Martha-Stift, das von einem Verein getragen wird, begann damit ein Kraftakt.

Gemeinsam mit der Bank wurde nach einer Lösung gesucht. Die Kreditlinie wurde ausgeweitet, damit die fehlende Summe finanziert werden konnte. Dafür waren zahlreiche Berechnungen, Nachweise und Unterlagen nötig.

Das war sehr nervenaufreibend und aufwendig,

sagt Anke Franke.

Vorstand, Buchhaltung und Geschäftsführung waren über Monate mit der Finanzierung beschäftigt.

Besonders gefreut hat Anke Franke, dass zu dieser Zeit, aber auch während des Umbaus, viele Spenden beim Maria-Martha-Stift ankamen. In den Jahren der Sanierung wurde ein Förderverein gegründet, über den viele Menschen das Projekt unterstützten. Großspenden kamen ebenso zusammen wie kleinere Beträge.

„Das hat uns Hoffnung gemacht“, sagt die Heimleiterin. „Wenn wir den Eindruck gehabt hätten, wir kämpfen alleine und es interessiert niemanden, dann wäre die Motivation nicht so groß gewesen.“

Sanierung im laufenden Betrieb

Auch logistisch war der Umbau eine Herausforderung. Gebäudeteile mussten nach und nach leer gemacht werden, die Zahl der verfügbaren Plätze wurde zeitweise reduziert. Bewohnerinnen und Bewohner mussten innerhalb des Hauses umziehen. Gleichzeitig sollte der Betrieb möglichst normal weiterlaufen.

Auch für die Mitarbeitenden sei diese Zeit herausfordernd gewesen. Bis heute arbeitet Franke mit ihren Kolleginnen und Kollegen in einem provisorischen Büro – einem Glaskasten neben dem Heim.

Inzwischen sind die meisten Bereiche fertig. Alle Zimmer wurden saniert, die alten Bäder sind erneuert worden. Seit der Eröffnung als Pflegeheim im Jahr 1978 war dort kaum etwas gemacht worden.

Der Umbau war nicht nur wegen des Zustands des Gebäudes dringend nötig. Ein wesentlicher Grund waren Mängel beim Brandschutz. Zwischen dem Haupthaus und anderen Gebäudeteilen gab es Höhenunterschiede von rund 1,5 Metern. Dadurch war eine Evakuierung im Ernstfall nicht ausreichend möglich.

Das ist inzwischen anders. Ein Fluchtwegekonzept wurde umgesetzt, die Evakuierbarkeit ist auf allen Etagen gewährleistet.

Mindestens genauso gut gefällt Anke Franke, dass es jetzt kleine Wohngruppen gibt. Statt bis zu 20 Menschen sind es zehn Bewohner pro Einheit.

„Das ist deutlich heimeliger“, sagt sie. Auch die Bewohner empfänden die kleineren Gruppen als angenehmer. Denn je größer eine Gruppe sei, desto höher sei auch der Stressfaktor.

Die neuen Wohngruppen sind neu gestaltet. Ganz fertig ist die Einrichtung noch nicht,

 

Zu jeder Wohngruppe gehört ein eigener Gemeinschaftsbereich. Es gibt neue Wohnküchen, Sitzbereiche und Terrassenplätze. Alles soll möglichst wenig nach klassischem Pflegeheim aussehen.

Es soll nicht nach Krankenhaus oder Pflegeheim wirken

, beschreibt Franke das Ziel.

Jetzt wird sie noch einmal viel Liebe in die Inneneinrichtung stecken. Küchen, Tische und Stühle stehen bereits, auch die ersten Sofas und Sessel sind eingezogen. „Das gewisse Etwas fehlt aber noch.“ Jede Wohngruppe soll zudem nach einem bestimmten Wohnkonzept gestaltet werden.

Auch den Bewohnerinnen und Bewohnern gefällt ihr neues Zuhause.

 

Teilweise greift Franke dabei auf Erfahrungen aus ihrem früheren Projekt eines Demenzdorfes in Hergensweiler zurück. Die Idee hatte sie vor mehr als zehn Jahren angestoßen, die Planungen liefen bereits, wurden aber wegen verschiedener Hürden nicht weiterverfolgt. Einige der dort entwickelten Ansätze möchte sie nun im Maria-Martha-Stift nutzen.

Zum neuen Konzept gehört auch ein offener Mittagstisch. In einem Raum im Erdgeschoss soll das Angebot künftig allen offenstehen.

Mehr Pflegeplätze – und höhere Preise

Nach Abschluss der Arbeiten steigen die vollstationären Plätze im Maria-Martha-Stift: von 50 auf 90 Plätze.

Insgesamt wird es dann 102 Betreuungsplätze geben, vor dem Umbau waren es 87. Dazu kommen zwölf Plätze in der kleinen Villa neben dem Haupthaus. Diese bleiben als Wohnungen, die nicht pflegegeeignet sind, bestehen.

Die Nachfrage nach Pflegeplätzen ist weiterhin groß. Die Warteliste ist lang. Dass das Haus über Jahre umgebaut wurde, habe daran wenig geändert, sagt Anke Franke.

Mit der neuen Ausstattung steigen die Kosten für die Bewohner, denn die Investitionskosten werden auf sie umgelegt.

Auch personell bringt der Ausbau neue Herausforderungen. Wenn ein neuer Bereich geöffnet wird, müssen zusätzliche Pflegekräfte gefunden werden. „Man kann nicht auf Vorrat Personal einstellen“, sagt Franke.

Trotz allem ist sie froh, dass sich der Umbau dem Abschluss nähert. Ende des Jahres soll alles fertig sein. Anke Franke ist erleichtert, wie sie sagt. „Der Akku ist irgendwann leer.“

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